Aktuelle Buchtipps

 

Günter Zöller, Geschichte der politischen Philosophie

andreas.markt-huter - 21.06.2024

günter Zöller, geschichte der politischen philosophie„Der folgende Abriss der (westlichen) politischen Philosophie in ihrer geschichtlichen Entwicklung von der klassischen Antike über das christlich geprägte Mittelalter bis zur Neuzeit und zu den jüngeren und jüngsten Entwicklungen stellt repräsentative philosophische Positionen zu den Formen und Normen der politischen Gemeinschaft in den jeweiligen Kontext von Staat und Gesellschaft. Durch die Verbindung von politischer Philosophie mit politischer Geschichte soll das philosophische Denken in seinen Zeitbezügen erhellt werden …“ (S. 7)

Günter Zöller bietet einen umfangreichen Abriss in die Geschichte der politischen Philosophie des Abendlandes beginnend mit den wesentlichen Denkern der griechischen und römischen Antike über die Auseinandersetzung mit Herrschaft und Macht im christlichen Mittelalter über die Rückbesinnung auf die Antike in der Neuzeit bis hin zu philosophischen Entwicklungen neuer staatsrechtlicher Grundlagen und Stellungnahmen zu Staat, Freiheit des Bürgers und sozialer Gerechtigkeit in der Gegenwart.

Jack Challoner u.a., Meilensteine der Wissenschaft

andreas.markt-huter - 20.06.2024

meilensteine der wissenschaft„Über 500 Zeichnungen, Gemälde, Fotografien und Karten zeigen die wichtigsten Errungenschaften in Physik, Chemie, Biologie, Geologie, Astronomie, Medizin und Technik: von den ersten Himmelsbeobachtungen über die Entdeckung der Röntgenstrahlen bis zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Komplexe Experimente und Funktionsweisen werden verständlich illustriert und mehr als 120 kluge Köpfe der Wissenschaft in Kurzporträts vorgestellt.“ (Buchrücken)

In zehn Kapiteln werden wesentliche Entwicklungen und Erfindungen in den Bereichen Technik, Wissenschaft, Ernährung und Medizin in verschiedenen Epochen der Menschheit vorgestellt, die sukzessive kürzere Zeiträume umfassen. Beginnend mit der Erfindung des Faustkeils vor ca. 1,5 Millionen Jahren endete die Reise bei der künstlichen Intelligenz in unserer Gegenwart.

Kurt Lanthaler, Vorabbericht in Sachen der Zona Cesarini

h.schoenauer - 19.06.2024

kurt lanthaler, vorabbericht in sachen der zona cesariniEine Biographie wird umso genauer, je mehr Abschweifmöglichkeiten und Seitenthemen sich entlang des Heldencharakters entwickeln.

Kurt Lanthaler gilt als Meister der „Delta“-Beschreibung. Im Roman „Das Delta“ (2007) verliert sich ein Held im Zwielicht des Po-Deltas, feste Materie geht in Schlamm über, Lungenatmung weicht über Kiemen-Konstrukte aus, der Erzählfaden geht verloren, während sich Geschichten um einen schwimmenden Erzählstandpunkt versammeln.

Im „Vorabbericht in Sachen der Zona Cesarini“ bringt Kurt Lanthaler diese vage Erzähllage zur Perfektion, indem er zwischen Argentinien und Italien, den Zauberkünsten Zirkus und Fußball, und den fixen Heldenposen und entgleisten Fan-Gesten einen „Vorbericht“ installiert. Das Genre Roman lässt er dabei nur gelten, wenn es „hinten offen bleibt“, wie man so schön über das literarisierte Leben sagt.

Klaus Ebner, Klaus Ebner - Podium Porträt 127

h.schoenauer - 18.06.2024

klaus ebner - klaus ebner porträtLiliput ist in seiner Urform eine fiktive Insel in Swifts Roman Gullivers Reisen. Später hat sich unter diesem Namen die Idee durchgesetzt, eine große Welt überschaubar zu machen, indem man sie verkleinert, bis sie auf einem Handteller Platz hat.

In der literarischen Serie „Podium Porträt“ wird die große Welt der Poesie heruntergebrochen auf einen wesentlichen Gedanken, der einer porträtierten Person als Lebensmotto dienen könnte. Das „Liliput“-Format in Postkartengröße und im Umfang von 66 Seiten (wie einst bei den Perry- Rhodan-Heften) ermöglicht es, das jeweilige Porträt als Visiten- und Grußkarte unter Freunden zu verschicken. Und wie in den klassischen Fußballer-Sammlungen von Panini werden die lyrischen Stars mittlerweile gehandelt, gelesen und getauscht.

Dagmar Geisler, Sicher im Netz!

andreas.markt-huter - 18.06.2024

dagmar geisler, sich im netz!„Mirja und Leon sind beste Freunde und sie sind Netz-Experten. Das sagen die anderen in ihrer Klasse, und Frau Schwartz, die Lehrerin, sagt das auch. Die beiden haben nämlich eine Liste gemacht. Auf der steht alles, was man beachten muss, bevor man eine Videokonferenz macht.“ (S. 8)

Das Internet ist für die meisten Kinder und Jugendlichen heute nicht mehr wegzudenken. Bei allen möglichen Gelegenheiten wird gespielt und in sozialen Netzwerken aktuelle Informationen ausgetauscht. Dabei sind sich die meisten gar nicht bewusst, welche Gefahren im Internet lauern können, aber auch wie man sich selbst richtig und gewissenhaft, ohne andere zu verletzen im Internet verhält.

Willem Elsschot, Tschip

h.schoenauer - 17.06.2024

willem elsschot, tschipSelbst ein Klassiker muss ununterbrochen gepflegt und gegen das Vergessen gebürstet werden. Aufwändig wird diese Pflege, wenn es dazu einer Übersetzung bedarf, die den Ansprüchen von Zeitgeist und Sprachentwicklung entspricht.

Die Leipziger Buchmesse 2024 mit dem Schwerpunkt Niederlande und belgisches Flandern lässt allenthalben die Frage hochkommen: Wer sind die großen Drei der belgischen Literatur? Die Antwort schickt einen sofort an die Regale, um diese zu durchkämmen auf der Suche nach Georges Simenon, Hugo Claus und Willem Elsschot.

„Tschip“ ist ein schmaler Klassiker der grotesken Unterhaltungsliteratur aus dem Jahre 1934. Ein gutsituierter Erzähler beschließt nach jeder Dienstreise hinaus in die weite Welt, zu Hause in Antwerpen sesshaft zu werden und sich für ewig in seinem Haus-Büro einzurichten. Als er sich wieder einmal zu Hause ausstreckt, wird er von einer seltsamen Störung des Hausfriedens heimgesucht.

Franzobel, Einwürfe

h.schoenauer - 15.06.2024

franzobel, einwürfeLiteratur ist Fußball und Fußball ist Literatur. - Diese simple Gleichung, die seinerzeit der Wunder-Germanist Wendelin Schmidt-Dengler formuliert und über sämtliche Alltagsmedien verbreitet hat, ist Kern einer Theorie geworden, der sich eine ganze Generation von österreichischen Schriftstellernden verpflichtet fühlt. Plastischer Ausdruck dafür ist die Gründung des österreichischen Autorenfußballteams, das schreibend in professionellen Trikots auftritt und neben Autogrammen auch literarische Texte schreibt.

Franzobel ist in Theorie, Arbeitsleistung und Können wahrscheinlich der Spitzenmann dieser Doppelkultur Fußball-Literatur. Gekonnt nennt er seine Sportkolumnen „Einwürfe“ und bringt diese tatsächlich jeweils in den passenden Strafraum, der sich im konkreten Fall als Kulturseite der Kleinen Zeitung Graz erweist, von wo aus zum eleganten Torschuss angesetzt werden kann.

Cornelia Franz, Goldene Steine

andreas.markt-huter - 15.06.2024

cornelia franz, goldene steine„Die beiden Typen standen vor ihm, als wären sie aus dem Nichts aufgetaucht. Sie mussten sich hinter dem Altglascontainer versteckt haben. »Da ist er ja«, sagte der Kleinere der beiden. Leon guckte verunsichert. Hatten die auf ihn gewartet? »Wie läufst du hier eigentlich rum, du Jude?« Der andere, ein Honk mit einem grottenhässlichen Tattoo am Hals, grinste ihn an. Und zack, riss er ihm die Mütze vom Schädel – das witzige kleine Käppi, das er selbst vor einer Woche einem Typen vom Kopf gezupft hatte …“ (S. 8)

Drei Jugendliche, die auf unterschiedliche Weise Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht haben, lernen einander kennen und entwickeln schnell eine intensive Freundschaft. Dabei lernen sie viel über Hass aber auch über Freundschaft und sich selbst.

Cornelia Boese, Der kleine Biber buchstabiert

andreas.markt-huter - 13.06.2024

cornelia boese, der kleine Biber buschstabiert„Im Taxi fährt der Hahn, der Coole, die 13 Küken in die Schule. Der Dackel mit dem schweren Ranzen fängt auf dem Schulweg an zu tanzen.“

Das liebenswerte Bilderbuch in Reimen „Der kleine Biber buchstabiert: Wir sind alle talenTIERt!“ zeigt, wie fröhlich Schule sein kann. Vom Weg in die Schule, bis ins Klassenzimmer und in die verschiedenen Unterrichtsstunden verfolgen die jungen Leserinnen und Leser was die Tierkinder in der Schule so unternehmen.

Dabei zeigen sich die Schülerinnen und Schüler in ihrem Verhalten recht unterschiedlich. Während der kleinen Schmetterling wie ein Musterschüler ständig seinen Fühler hebt, knabbert der junge Biber zum Schrecken des Hasen an den Farbmalstiften. Das Eichhörnchen erschafft eine bewundernswerte Skulptur und der Esel liebt das Lesen:

Elisabeth Wandeler-Deck, Antigone Blässhuhn Alphabet so nebenher

h.schoenauer - 12.06.2024

elisabeth wandeler-deck, antigone blässhuhn alphabet so nebenherLiteratur ist jene dünne Haut, die sich schützend zwischen Ordnung und Unordnung stellt. Ohne sie gäbe es weder das eine noch das andere, folglich nichts. Die Literatur erschafft somit die Welt, wie wir sie uns vorstellen.

Elisabeth Wandeler-Deck benützt ihre beruflichen Betätigungsfelder als Architektin, Soziologin und Gestaltsanalytikerin, um aus den jeweils fachlich gestützten Sichtweisen einen großen Text zusammenzustellen, der entlang der Kante von Ordnung und Unordnung aufgefädelt ist. Tragendes Element ist dabei das Alphabet, das freilich in einen Nebensatz gedrängt wird. In der Hauptsache geht es um Antigone Blässhuhn, und das Alphabet „geschieht“ nur so nebenher.