Aktuelle Buchtipps

 

Jean Menzies, Sagenhafte Frauen

andreas.markt-huter - 30.05.2024

jean menzies, sagenhafte frauen„Von den Inseln der Karibik bis zu den Bergen Japans, von den Schluchten Schottlands bis zu den Küsten Neuseelands – an jedem Ort und zu jeder Zeit begegnen wir außergewöhnlichen Frauen in den Mythen jeder einzelnen Kultur. Ob Hexe, Kriegerinnen, Göttinnen oder Königinnen – sie hinterlassen ihre Spuren in den Geschichten, die über sie erzählt werden. In diesem Buch findest du eine Auswahl dieser Sagen.“ (S. 5)

In allen Kulturen, Mythen und Religionen der Welt spielen Frauen eine wichtige Rolle. Das Kindersachbucch „Sagenhafte Frauen“ geht der breiten Palette an Heldinnen, Kriegerinnen und Göttinnen in der Geschichte in verschiedenen Regionen und Kulturen nach und erzählt die zentralen Inhalte und Charakter dieser beeindruckenden Erzählungen und Mythen nach.

Drago Jančar, Als die Welt entstand

h.schoenauer - 29.05.2024

drago jancar, als die welt entstandBeim großen Blick auf die Welt vergessen wir meist, ihre Entstehung zu beachten. Die Welt entsteht mit jedem Menschen neu und wird ihm spätestens mit der Pubertät über den Kopf gestülpt.

Drago Jančar baut für seinen verdeckt ermittelnden Geschichtsroman über das Slowenien der 1950er Jahre ein einfaches, aber umso wirksameres Erzählgerüst auf. Der pubertierende Danijel wird in einem Wohnblock in Maribor von Vater und Mutter nach einem seltsamen Schwarzweiß-System erzogen. Die Mutter repräsentiert das Religiöse und Vater das Partisanentum, der Junge freilich lernt durch Beobachtung und Erzählungen bei anderen Leuten. So zieht in Sichtweite im Parterre eine gewisse Lena ein, die ab und zu Männer empfängt, was zu diversen Gerüchten führt.

Cecilia Heikkilä, Dachs & Strupps und die wunderliche Seereise

andreas.markt-huter - 28.05.2024

cecilia_heikkilä, dachs und strupps und die wunderliche seereise„Es war einmal ein sehr einsamer Dachs. Früher war er als Kapitän über die Weltmeere gesegelt. Doch der Muth hatte ihn längst verlassen und er war zu alt und ängstlich für Abenteuer. Er lebte ganz allein auf einer Insel mitten im Meer. Sein Segelboot Lilly lag ungenutzt am Steg vertäut.“

Der Dachs, ein alter Seemann hat sich auf einer einsamen Insel zur Ruhe gesetzt und verbringt seinen Alltag mit der immer gleichen Routine. Er geht an den Strand, sammelt Treibholz und Gerümpel, kümmert sich um seinen Meeresgarten und hofft vielleicht doch einmal Post zu erhalten. Er lebt von seinen Erinnerungen als Kapitän auf den Weltmeeren, bis er eines Tages am Strand eine merkwürdige Entdeckung macht.

Drago Glamuzina, Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik

h.schoenauer - 27.05.2024

drago glamuzina, der zweite hauptsatz der thermodynamikUnterliegt die berüchtigte heiße Luft beim Diskutieren dem sogenannten thermodynamischen Gesetz? Dieser zweite Hauptsatz sagt im Volksmund ja nicht viel mehr, als dass die heiße Luft beim Reden immer gleich warm bleibt.

Drago Glamuzina nimmt für seinen Roman über eine kroatische Intellektuellenszene einen sehr aufgeblasenen Titel, weil es zum Wesen dieser Spezies gehört, aufgeblasen zu reden. Gleichzeitig dient das Zitieren des Wärmegesetzes als sogenannte Hirnschranke gegen allzu ungebildete Lektüre. Wer sich also auf diesen Roman einlässt, kann sich als halbwegs intellektuell fühlen, zumal sich der Titel mit einer KI recht schnell dechiffrieren lässt.

Magdalena Miecznicka, Toni sieht alles!

andreas.markt-huter - 25.05.2024

magdalena miecznicka, toni sieht alles„Sie waren kaum in die neue Wohnung gezogen, da wusste Toni schon ganz sicher, dass hier merkwürdige Dinge im Gange waren. Eigentlich wusste sie es schon vorher. Noch bevor sie eingezogen waren. Bevor sie das Haus mit ihrer neuen Wohnung überhaupt betreten hatten. Exakt zwei Minuten vorher.“ (S. 11)

Als Toni beim Umzug einen Straßenvermessungstechniker beobachtet, der ausgerechnet gegenüber der Bank seine Messungen durchführt, findet sie das Ganze sofort äußerst verdächtig. Ihre Mutter hingegen ist davon überzeugt, dass Toni eindeutig zu viel Fantasie hat und an jeder Ecke ein Verbrechen vermutet.

Clemens Schittko, alles gut

h.schoenauer - 24.05.2024

clemens schittko, alles gutLiteratur spielt ähnlich wie Mathematik auf verschiedenen Ebenen, die über Ableitungen und Hyperlinks miteinander in Verbindung stehen. In der einfachsten Literaturform gibt etwas vor, ein Sachverhalt zu sein, der mit Worten in literarische Wirklichkeit versetzt werden kann.

Für einen Schriftsteller ist diese einfache Welt bereits eine Hinterwelt, denn alles, was er erlebt, ist Teil des Literaturbetriebs, solange er sich darin als Schriftsteller gebärdet.

Clemens Schittko kümmert sich mit seinem Werkstattbuch „alles gut“ um diesen Untergrund, dem er ein Thesengedicht widmet: „das Hauptproblem des Untergrunds // da ist diese Ablehnung, / die man dem sogenannten / Mainstream entgegenbringt / und für die man gleichzeitig / von diesem Mainstream / anerkannt werden möchte“ (139)

Dana Schwartz, Immortality. Eine Liebesgeschichte

andreas.markt-huter - 23.05.2024

dana schwartz, immortality„Hazel Sinnett träumte von Fingern. Hageren, spindeldürren Fingern mit Knöcheln so knubbelig, wie Walnüsse und graugrünem Fleisch, das sich in dünnen Streifen von ihnen abschälte. Manchmal waren die Finger gar nicht Teil einer Hand, sondern lebendige Wesen, die auf einem flachen Tisch wie Insektenbeine zuckten.“ (S. 24)

Hazel trauert noch immer ihrem Freund Jack Currer nach, der aufgrund einer Intrige unschuldig hingerichtet worden ist. Auch wenn sie ihr Medizinstudium nicht abschließen hat können, arbeitet sie heimlich als Chirurgin auf dem Familiensitz Hawthornden Castel in Edinburgh und hilft vor allem jenen, die sich eine medizinische Versorgung nicht leisten können.

Ilse Krüger, Das Rotzmensch

h.schoenauer - 22.05.2024

ilse krüger, das rotzmenschUmgangssprachlich gilt schon die Bezeichnung „Das Mensch“ als ziemlich abwertend, die Steigerung in „Das Rotzmensch“ kann als Inbegriff für Verachtung betrachtet werden.

Ilse Krüger stellt ihre autobiographische Darstellung vom Heranwachsen in der unmittelbaren Nachkriegszeit unter den alles vernichtenden Fluch „Rotzmensch“. Diesen Ausdruck verwendet die Oma der Heldin bei jeder Gelegenheit, um das heranwachsende Kind zu demütigen. Von diesem wird sie mit der vielsagenden Abkürzung „O“ bezeichnet, was vermutlich eher auf Oasch hindeutet, als auf die Marquise von O., obwohl im Roman alle ziemlich belesen sind und sich fallweise gepflegt ausdrücken.

Akram El-Bahay, Alma und die Landkarte der Zeit

andreas.markt-huter - 21.05.2024

akram el-bahay, alma und die landkarte der zeit„Einen Moment später folgte ein weiterer Tunnel. Dieser schien kaum ein Ende zu nehmen. Alma tastete im Dunkeln nach einem Lichtschalter. In modernen Zügen waren Lampen über den Sitzen angebracht. Tempus aber war wohl für so etwas zu alt. Unvermittelt verließ der Zug den Tunnel. Es wurde wieder hell. Und Alma gegenüber saß eine Frau.“ (S. 16)

Die zwölfjährige Alma soll die ersten zwei Wochen ihrer Sommerferien bei ihrer Oma an der Küste verbringen. Zufälligerweise erhält sie am Tag der Abfahrt die Benachrichtigung über den Gewinn einer Fahrt mit dem historischen Zug Tempus, der zufälligerweise auch an dem Dorf ihrer Großmutter vorbeiführen sollte.

Edgar Hättich, Mondsichelboot

h.schoenauer - 20.05.2024

edgar hättich, mondsichelbootNichts ist so groß wie ein Wort, das aus einem weiten Bild heraus verdichtet worden ist. Edgar Hättich nimmt aus den Nächten eines langen Lebens jenen Augenblick ins Auge, wenn für einen kurzen Augenblick der Mond andeutet, dass er seine Überfahrt durch die Nacht beginnen wird. „Mondsichelboot“: Für das lyrische Ich wird es Zeit, die Gedichte an jenen Fensterflügeln anzulehnen, die die Kühle regeln während des Schlafs.

„im zeichen untergehenden lichts überm kogel / erwacht meine lebenslust / im blau die goldene sichel / wird bald dein boot / gondoliere mond / lass mich einsteigen / führ mich hinaus ins himmelmeer“ (35) Diese Gelassenheit ist der Auswuchs einer langen Gedankenkette, die sich vielleicht schon über Jahrzehnte hinzieht. In die poetische Schnur sind ab ab und zu größere Fügungen eingelagert, die wie Bojen die Orientierung erleichtern, wenn das Mondsichelboot unterwegs ist.