Aktuelle Buchtipps

 

Heike Eva Schmidt, Die Lama Gang - Auf die Hufe, fertig los!

andreas.markt-huter - 08.02.2024

heike eva schmidt, die lama gang - auf die hufe fertig los„Über Gut Erlenbach war die Sonne aufgegangen. Im Haus schlief die Familie Sonnenschein noch tief und fest. Ein vorwitziger Strahl fiel jedoch durch das Fenster des Lama-Stalls und kitzelte Petersilie in der Nase. »Hatschi!« Die schneeweiße Alpaka-Dame erwachte von ihrem eigenen Niesen. Ebenso ihr Stallgenosse Einstein, dessen wolliges Fell braun-weiß gefleckt war.“ (S. 5)

Ganz unerwartet steht die Lama Gang vor einem neuen aufregenden Kriminalfall, als an einem sonnigen Morgen plötzlich das Lama Vokuhila mit einem kleinen Fohlen auf Gut Erlenbach auftaucht. Bald ist allen klar, dass es bei dem jungen Pferd nicht mit rechten Dingen zugeht.

Bernhard Hüttenegger, Eis.Sturm. Vademecum

h.schoenauer - 07.02.2024

bernhard hüttenegger, eis sturmIm Idealfall der Intimität trifft die Einsamkeit des Lesers mit jener des Autors zusammen. – „Ein Eissturm ist der Atem des Todes.“ (163)

Bernhard Hüttenegger ist auf Abschiedstour, wie man bei darstellenden Künstlern sagen würde, wenn sie sich noch einmal aufraffen, um die letzten Dinge vor Publikum zu rezitieren. Für diese vorletzten und letzten Dinge bietet sich die Form des „Vademecums“ an, womit ein kleines Heft gemeint ist, das man mit sich herumträgt, um die wichtigsten Handgriffe für das Leben nachzulesen, wenn man kurz einmal bei der Sinnsuche ansteht.

Sue Lynn Tan, Die Tochter der Mondgöttin

andreas.markt-huter - 06.02.2024

sue lynn tan, die tochter der mondgöttin„Um meine Mutter ranken sich zahlreiche Legenden. Manchen zufolge hat sie ihren Ehemann, einen großen sterblichen Krieger, hintergangen und ihm das Elixier der Unsterblichkeit gestohlen, um Göttin zu werden. Andere stellen sie als unschuldiges Opfer dar und behaupten, sie habe das Elixier nur getrunken, damit es nicht Räubern in die Hände fällt. Welche Geschichte man auch glaubt, fest steht, dass meine Mutter, Chang’e, unsterblich wurde. Und ich mit ihr.“ (S. 9)

Sue Lynn Tan bezieht sich in ihrem Fantasyroman „Die Tochter der Mondgöttin“ auf einen alten chinesischen Mythos, der aus der Sicht der Tochter der Mondgöttin erzählt und gekonnt in einer Mischung aus Fantasy-Abenteuer und Liebesgeschichte verpackt wird.

Antonio Fian, Präsidentenlieder

h.schoenauer - 05.02.2024

antonio fian, präsidentenliederDie Literatur ist immer in Bewegung, sie lässt sich als solche kaum fassen, am ehesten bleibt sie in Lektüre-Reusen und an Fliegen-Ködern hängen, wenn sie nicht überhaupt ausgetrocknet ist wie viele Gewässer bei den Fischen.

Im Herbst blättern die letzten Bücher-Fans die Kataloge durch, scrollen sich durch Themenlisten und versuchen sich zurechtfinden. Während früher einmal Literatur zur Integration einer Gesellschaft geführt hat, indem man neugierig auf die Themen des anderen war, ist sie gegenwärtig vollends auf Segregation auf. Jede Klientel pflegt ihre eigene Literatur und beachtet thematische Abschweifungen höchstens unter dem Aspekt von Cancel Culture.

Ali Smith, Antigone

andreas.markt-huter - 03.02.2024

ali smith, antigone„Jetzt richtete sich die alte Krähe ganz auf. Ihre Aufmerksamkeit war geweckt. Antigone und Ismene! Die kleinen Prinzessinnen! Hier, unter ihrem Nest, war alles, was von König Ödipus´ Familie noch übrig war, von der alten menschlichen Königsfamilie. Prinzessin Antigone als, die sich so rührend um Ödipus gekümmert hatte, den blinden Mann. Den Mann, der früher König gewesen war.“ (S. 19 f)

Die klassische Tragödie „Antigone“ des griechischen Dichters Sophokles mit ihrem Widerstreit zwischen Gesetz und Gewissen hat über die Jahrhunderte hinweg die Menschen berührt und über ihre eigene Wahl in diesem Konflikt reflektieren lassen. Ali Smith verarbeitet das Thema in ihrem Kinderbuch für ein junges Publikum.

Alexander Marguier (Hg.), Der Selbstbetrug

andreas.markt-huter - 02.02.2024

alexander marguier, der selbstbetrug„Nach den schlimmen Erfahrungen der früheren Jahre wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die Asylrechte weit gefasst und im nationalen Recht verankert. Damit wurden die Menschenrechte zwar von einer abstrakten Idee zu einem einklagbaren Anspruch. Aber es blieb weiterhin ungeklärt, wie diese Ansprüche aufrechterhalten werden können, wenn der liberale Rechtsstaat nicht als Ziel aller gesellschaftlichen Entwicklung akzeptiert wird, und wie die Ansprüche erfüllt werden können, wenn sie massenhaft gestellt werden.“ (S. 18)

Der Sammelband „Der Selbstbetrug“ bietet zehn Beiträge zum Thema „Migrationspolitik“, in denen das Thema aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet wird. Dabei wird die gegenwärtige Politik in Deutschland und der EU kritisch bewertet aber auch die Probleme des gegenwärtigen Asylsystems aufgezeigt.

Hervé Le Goff, Momo Mammut

andreas.markt-huter - 01.02.2024

hervé le goff, momo mammut„Momo ist ein seltsames kleines Mammut. Solange Dickhäuter zurückdenken können, hat man so etwas noch nicht gesehen. Wie alle Mammuts haben Momos Eltern überall wolliges Fell, sogar zwischen ihren dicken, breiten Zehen. Und Momo? Der nicht! Seine Haut ist so glatt wie der Rücken eines Pottwals!!!“

Nicht nur, dass Momo, der im hohen eisigen Norden ohne Fell ständig frieren muss. Noch dazu machen sich die gleichaltrigen Mammutkinder ständig über ihn lustig und verspotten ihn mit gemeinen albernen Sprüchen, die Momo immer besonders verletzen.

Friedrich Hahn, LEERGUT

h.schoenauer - 31.01.2024

friedrich hahn, leergutIn einem radikalen Definitionsversuch lässt sich die Formel aufstellen: „Literatur ist Leergut.“ Die Formel wird etwas milder, wenn man sie mit der Beschreibung ergänzt, wonach ins Leergut Autor und Leser ihre Gedanken einlagern oder daraus entnehmen. Im Hintergrund schwingt diese schöne Kommunikationsüberlegung mit, wonach es Containment und Content braucht, damit ein Buch Zufriedenheit verströmen kann.

Friedrich Hahn greift diese radikale Überlegung für seinen Roman LEERGUT auf und erwähnt unter anderem, dass immerhin schon Flaubert einen Roman ohne Thema schreiben wollte. Probehalber nimmt er als Autor die Position einer leeren Schachtel ein, die danach verlangt, irgendwie befüllt zu werden.

Tad Williams, Im dunklen Tal 2

andreas.markt-huter - 30.01.2024

tad williams, im dunklen tal 2„Warum hatten die Hikeda’ya Himano getötet? Um ihn zum Schweigen zu bringen, das schien klar – warum sonst sollte man jemanden töten, der kein Krieger war, dessen Bedeutung in seiner Weisheit lag? Dass all die Bücher im Haus ihres Meisters verbrannt worden waren, deutete doch wohl auf einen solchen Grund hin – es war ein Glück, dass er das Pergament über die Hexenholzkrone noch hatte retten können, ehe sie ihn töteten.“ (S. 30)

König Simon, der in seiner Verzweiflung um den Verlust seiner Frau Königin Miramel seinen Lebenswillen verloren hat, fordert Shan Unver zum Zweikampf heraus und fällt dabei, wie von einem Schwerthieb getroffen, tot um. Niemand ahnt, dass Königin Miramel noch am Leben ist und sich auf den zurück in die Hauptstadt macht. Sie kennt mittlerweile den großen Verräter am Königshof, der alle an die Nornenkönigin auszuliefern plant.

Egyd Gstättner, Der große Gogo

h.schoenauer - 29.01.2024

egyd gstättner, der große gogo„Eine ruinierte Karriere ist noch kein zerstörtes Leben!“ (56) – Nirgends lässt sich der Sinn des Lebens besser suchen als auf den Spielfeldern Literatur und Fußball.

Egyd Gstättner inszeniert zwischen den gesellschaftlich viel diskutierten Parallel-Universen Literatur und Fußball einen biographischen Roman, der nach seinem semi-fiktionalen Helden „der große Gogo“ überschrieben ist. Die Figur ist bestens in Wikipedia versteckt. Sucht man nach Goggerwenig, wie der „Gogo“ im Roman heißt, stößt man auf ein Kärntner Gasthaus in der Einöde. Verfolgt man den Tipp, wonach es sich um Günther Golautschnig aus Eberndorf handelt, so stößt man auf einen leeren Artikel. Der Fußballer Gogo ist also im fiktionalen Raum angesiedelt, aus dem ein verletztes Knie in die Realität herausragt.