constantin schreiber, kinder des koran„»Schulbücher spiegeln den Stand einer Gesellschaft, auf dem sie sich aktuell befindet«, sagt die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes Susanne Lin-Klitzing. Wer also wissen will, wo sich muslimische Gesellschaften in Sachen Freiheiten, Grundhaltungen und Werten heute befinden, der sollt sich ansehen, was der jungen Generation dort beigebracht wird. Genau das, habe ich mir mit diesem Buch vorgenommen.“ (S. 7)

Der ARD-Fernsehjournalist Constantin Schreiber untersucht unter Mithilfe zahlreicher Experten Schulbücher aus fünf muslimischen Ländern und gibt damit einen Einblick in eine unbekannte Gesellschaft mit einem vielfach anderen Blick und Verständnis für die Welt der Gegenwart.

konrad rabensteiner, der geköpfte adlerEine Chronik der Kindheit ist meist wie eine windstille Hängematte zwischen zwei Bäumen der Gelassenheit aufgeknüpft, einmal ist es der Stamm der Altersmilde, der jede Kindheit abgerundet erscheinen lässt, zum anderen der Pfosten der Kindheit selbst, die ja mangels an Vergleichen immer als die beste der Welt empfunden wird.

Konrad Rabensteiner schreibt im Roman „Der geköpfte Adler“ eine Kindheit im Villanders der frühen 1950er Jahre auf, gleich zu Beginn fällt die magische Zeitangabe „sieben Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg“. Der Ich-Erzähler hat die Reife und Lebenserfahrung eines Erwachsenen, denn die Ereignisse werden zwar in einer zeitgenössischen Ergriffenheit geschildert, in Auswahl und Beurteilung aber aus der Sicht eines Alten.

georg stefan troller, ein traum von parisIm Zentrum von Innsbruck ist eine Uhr aufgestellt, die ununterbrochen eine belanglose Ziffernfolge laufen hat. Meist sind es Ankünfte eines Rodlers oder Schispringers, welche heruntergezählt werden, momentan läuft die Uhr gegen die Rad-WM. Warum kann diese dumme Uhr nicht einmal etwas Sinnvolles herunterzählen, etwa, dass am 21. Juni 2018 Georg Stefan Troller nach Innsbruck kommt und in der Studia liest?

Georg Stefan Troller ist Schriftsteller, Journalist und Fotograf, nach seinen Büchern ist beispielsweise die Trilogie „Wohin und zurück“ entstanden. Wer ein Paris-Bild vor dem inneren Auge aufbaut, wird dabei an die frühen Fotos denken, die das Lebensgefühl der 1950er Jahre am Beispiel von Paris für den ganzen Kontinent eingefangen haben.

ruud koopmans, das verfallene haus des islam„Dieses Buch ist islamkritisch, aber nicht islamfeindlich. Jeder, der nicht zwischen Kritik an einer Religion – oder besser gesagt: an ihrer derzeit dominierenden Interpretation – und Rassismus unterscheiden kann, sollte dieses Buch beiseitelegen.“ (S. 9)

Ruud Koopmans geht den Schwierigkeiten bei der Integration von Migrantengruppen aus islamischen Ländern nach, die in Europa eingewandert sind und zeigt auf, dass sich viele Hindernisse für eine erfolgreiche Integration muslimischer Migranten auf die Religion zurückführen lassen.

martin prinz, die unsichtbaren seitenDie höchste Roman-Kunst besteht darin, sein eigenes Leben so aufzuschreiben, dass man meint, es sei eine allgemeingültige Geschichte der Menschheit.

Martin Prinz hat seine Kindheit in der Peripherie-Hauptstadt Lilienfeld verbracht, die 1976 während der tausendjährigen Babenberger-Ausstellung zumindest in Österreich zu Weltruhm gelangt ist. In den unsichtbaren Seiten beschreibt er einerseits Teile des erzählenden Ichs, die normalerweise nicht sichtbar sind, andererseits liegt den aufgeschriebenen Sequenzen immer eine geheime, unsichtbare Chronik zugrunde, die zwar während des Lesens kurz aufleuchtet, dann aber wieder mit dem zugeklappten Cover im Regal verschwindet, wenn der Roman abgestellt wird.

constantin schreiber, inside islam„Es ist eine Schwelle, die die wenigsten Deutschen überschreiten: die in eine der zahlreichen Moscheen in unserem Land. Wir wissen sehr wenig über das, was sich in diesen Moscheen wirklich abspielt, und spekulieren doch so häufig darüber – etwa dann, wenn verstörende Videos und Predigten uns aufschrecken.“ (S. 11)

Constantin Schreiber geht in seinem Moschee-Report der Frage nach, was in den Moscheen geschieht, was dort gepredigt wird und wer die Moscheen besucht. Der Autor hat acht Monate lange verschiedene Moscheen in Deutschland besucht und seine Erfahrungen dazu anschaulich dargestellt.

bernard mandeville, streitschrift für öffentliche FreudenhäuserWer muss da nicht zugreifen: ein Buch mit Lesebändchen, saftig-erotischem Stich im Umschlaginneren und draußen am Pergament-goldenen Cover die herausquellenden Worte „Versuch über die Hurerei“!

Der Limbus-Verlag stellt immer wieder geheimnisvolle Aufklärungsbücher vor, sie sind meist dreihundert Jahre alt und werden der „klandestinen Literatur“ zugezählt. Damit sind Bücher gemeint, die man seit Jahrhunderten unter der Tuchent liest, und zu denen man fallweise wie bei der Hurerei befreiende Sex-Bewegungen macht.

sebastian vogt, zwei brüderIn fast allen Genres sind Brüder-Paare ein ideales Experimentier-Feld, um zu untersuchen, was genetisch, soziologisch und psychologisch ablaufen muss, dass sich der eine in diese und der andere in jene Richtung entwickelt.

Gerade in der bürgerlichen Literatur zeigen Brüder immer, wie knapp das Gute und das Böse beisammen liegen. Und seit den Brüdern Heinrich und Thomas Mann haben wir es schwarz auf weiß, dass die wahre Literatur über allen politischen Gegebenheiten steht, gute Literatur ist einfach gut und sonst nichts.

gay talese, highnotesObwohl es im Deutschen kaum originäre Vertreter des New Journalism gibt, verlangt die Gier des Publikums ungebrochen nach guten Reportagen, die das Herz aufrütteln, weil sie immer miterzählen, wie es zu dieser Reportage gekommen ist.

Gay Telese ist der große Meister und Mitbegründer des literarischen Journalismus. Seine Texte sind oft so plastisch, dass sie geradezu nach einer Verfilmung verlangen. Das hat damit zu tun, dass er die Sachverhalte zwar abpixelt, in den Zwischentönen aber immer erklärt, dass ein Medium vor den Dingen liegt wie eine Erzählperson, mit der man in Kontakt treten muss.

dadmar comtesse, radikale demokratietheorie„Das vorliegende Handbuch dient genau diesen beiden Zwecken: Auf der einen Seite kann es als ein Glossarium der Diskurse über radikale Demokratie gelesen werden, auf der anderen Seite glättet es aber die teils erheblichen Differenzen nicht, sondern sucht stattdessen die wesentlichen Kontroversen auszuleuchten.“ (S. 16)

Wer heute für gewöhnlich über Demokratie nachdenkt, hat für gewöhnlich die demokratischen Einrichtungen wie Parlament, Wahlen, Repräsentation u.a. Mittel der demokratischen Entscheidungsfindung im Visier. Das Sachbuch „Radikale Demokratietheorien“ hingegen stellt unterschiedliche Vorstellungen von demokratischer Teilhabe, theoretische Ansätze gesellschaftlich-demokratischen Aufbaus vor, präsentiert aber auch die Kritik wichtiger Denker an verschiedenen demokratischen Theorien und konkreten Ausformungen scheinbar demokratischer Gesellschaftsordnungen.