Spielerisch zum Lesen motivieren

lesespielLesen kann heute nicht mehr als selbstverständlicher Teil der privaten Freizeitgestaltung betrachtet werden, zu groß ist die Konkurrenz von Internet, PC-Spielen, Fernsehen u.a. mittlerweile geworden.

Während sich beim Lesen die Erfolgs- und Glücksmomenten erst mit Mühe durch eine entsprechende Lesekompetenz einstellen, bieten Spiele am PC oder im Internet den Kindern und Jugendlichen meist rasche Erfolgserlebnisse. Lesen hat damit bei nicht Wenigen mehr den Stellenwert einer Tätigkeit für die Schule und zur Weiterbildung als einer entspannenden persönlichen Freizeitbeschäftigung. Diese Kinder und Jugendlichen gilt es über den Inhalt der Lektüre hinaus zum Lesen zu motivieren.

Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Kinder aus lesefernen Elternhäusern kommen, in denen oft keine Lesesozialisation mehr stattfindet, bleibt das private Lesen oft auf ein Minimum beschränkt. Lese-Studien zeigen, dass der Literaturunterricht in der Schule für viele Kinder oft die einzige Gelegenheit ist, ein Buch zu lesen. Der Deutschunterricht erhält damit eine ganz besondere Bedeutung: nämlich Kinder und Jugendliche überhaupt für Bücher und für das Lesen zu interessieren.
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PC-Spiele, Internet und Fernsehen gelten heute als die großen Konkurrenten
für das Lesen als Freizeitbeschäftigung.
Foto: Pixabay – Tomasz Mikolajczk

 

Eine gute Möglichkeit „Lesen“ für „leseferne“ Schülerinnen und Schüler interessanter und spannender zu machen ist ein spielerischer Umgang, mit dem das Lesen von Kinder- und Jugendbüchern vom gewohnten Unterrichtsalltag abgehoben werden kann.

Vorlesen des 1. Kapitels
Eine Einstiegshilfe in eine Klassenlektüre kann es sein, wenn der Lehrer den Aufbau des Buches kurz erklärt und neugierig auf den Inhalt macht, natürlich ohne zu viel zu verraten. Dabei empfiehlt es sich auch, das Anfangskapitel daraus besonders spannend vorzulesen. Das schafft Neugier, hilft die mitunter schwierige Einstiegshürde zu überwinden und regt zum Weiterlesen an. Im Rahmen einer Klassenlektüre empfiehlt sich die Führung eines Lesetagebuches oder kreative Aufgabenstellungen. Vielen Schülern macht es Spaß, zu den gelesenen Kapiteln Zeichnungen oder Comics zu gestalten.

Bücherbasar
Hier sollen die Schüler ihr Lieblingsbuch wie auf einem Marktstand möglichst begeistert anpreisen, indem sie den Inhalt so spannend wie möglich und mit allen Mitteln präsentieren dürfen, ohne jedoch zu viel zu verraten. Alle Schüler, die sich nun für das Buch interessieren, können sich beim „Bücherverkäufer“, den Titel aufschreiben und erfahren wieviel es kostet und wo es erhältlich ist.

Wunschbibliothek
Die Schüler können in einen Briefkasten in der Schulbibliothek einen Zettel einwerfen, auf den sie ihre Wunsch-Bücher notieren. So entsteht bei den Kindern eine Beziehung zur Schulbücherei und ein Interesse, das bestellt Buch auch zu lesen. Gleichzeitig erfahren die Bibliothekare, was die Kinder gerne Lesen und können ihren Büchereinkauf besser am Interesse der Schülerinnen und Schüler ausrichten.

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Schulbüchereien bieten Schülerinnen und Schülern eine breite Auswahl
an Büchern und Medien.
Foto: Markt-Huter

 

Text-Detektive
Die Kinder gehen an einen Text wie ein Detektiv an einen Kriminalfall heran. Dies erfordert ein genaues Lesen und ein genaues Verständnis des Textes. Folgende Fragen könnten zu stellen sein:

•    Sie halten fest, worum geht es?
•    Was ist die Ausgangslage?
•    Wer ist beteiligt?
•    Was ist geschehen?
•    Was lässt sich über den Autor sagen? Was weiß er? War er dabei? Warum hat er den Text so geschrieben und nicht anders?
•    Am Ende kann das Zeichnen eines Lageplans der Handlung stehen

Lesen für Kindergartenkinder oder für Volksschüler
In diesem sozial ausgerichteten Leseprojekt schlüpfen die Schülerinnen und Schüler in die Rolle der „Großen“, die den „Kleinen“ eine Geschichte vermitteln. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem richtig betonten und lauten Vorlesen eines Textes. Nicht weniger wichtig ist aber das Auswählen und Vorbereiten eines Buches, das heißt sie müssen sich überlegen, welche Bücher und Geschichten Kindergartenkinder oder Volksschüler gefallen könnten.

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Beim Vorlesen für jüngere Kinder wachsen Schüler in eine neue Rolle hinein.
Foto: Tibs-Bilderdatenbank - Lisa Kaufmann

 

Literatur mit Quiz
Bei einer gemeinsamen Klassenlektüre erarbeiten Schülerinnen und Schüler zu jedem daheim gelesenen Kapitel eine Frage. Beim Quiz im Unterricht treten jeweils drei Schüler auf. Der erste Schüler stellt seine Frage. Der zweite Schüler versucht sie zu beantworten und der dritte Schüler fungiert als Schiedsrichter und entscheidet am Ende, ob die Frage richtig beantwortet worden ist. Anschließend kommt die nächste Gruppe an die Reihe. Dabei gilt es zu beachten, dass die Rollen: Fragen – Antworten - Beurteilen im Laufe des Lesens der einzelnen Buchkapitel gleichmäßig wechseln.

Lesenacht
Auch die klassische Lesenacht in der Bibliothek oder in der Klasse ist bei Kindern immer noch überaus beliebt. Still-Lesen aber auch Vorlesen machen in einer außergewöhnlichen und angenehmen Atmosphäre besonders Spaß. Lesen lässt sich dabei als Abenteuer inszenieren, vor allem wenn in der Schule übernachtet werden kann und die Geschichten auch noch ein wenig gruselig sind.

Weltkarte des Lesens
Auf einer vorgefertigten Weltlesekarte, können die Kinder für sich selbst entdecken, was alles zum Lesen gehört und wo wir überall lesen. Hier soll jeder eintragen, wo er bereits als Leser gewesen ist und wo er sich am liebsten aufhält. Dabei markieren die Schüler jene Bereiche, wo sie als Leser zu Hause sind, Die Weltkarte des Lesens eignet sich gut, um die Schülerinnen und Schüler über die eigenen Lesevorlieben reflektieren zu lassen und den Lehrerinnen und Lehrer über die Leseinteressen und Lesemotivation in der Klasse einen Überblick zu verschaffen.

 

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Die Weltkarte des Lesens gibt einen visuellen Überblick über das eigene
Leseverhalten. Bild: Markt-Huter


Weitere Lesespiele und Unterrichtsmaterialien zur spielerischen Leseerziehung:
VS-Material Wegerer: Lesereise – zu Textkarten sollen die entsprechenden Bildkarten gefunden werden (Ende 1. Klasse Volksschule)
VS-Material Wegerer: Finden den Buchstaben - Spielplan zur LRS-Förderung der Selbstlaute (1. Klasse Volksschule)
VS-Material Wegerer: Delfin-Silbenlesen – Die Kinder sollen die angebotenen Silben lesen und ein sinnvolles Wort bilden (2. Klasse, Förderunterricht)

 

Weiterführende Links:

Landesbildungsserver Baden-Württemberg: Lesespiele im Grundschulunterricht
Die Broschüre bietet eine Auswahl von motivierenden Lesespielen zu verschiedenen Bereichen des Leseunterrichts. Um den unterschiedlichen Anforderungen der Lerngruppe gerecht zu werden, sind die Lesespiele in drei verschiedene Abschnitte unterteilt: „Wortlesen“, „Satzlesen“ und „Textlesen“. Zu jedem Lesespiel weist ein Kommentar auf die Einsatzmöglichkeiten im Unterricht und bei der Förderung von Lesekompetenz hin.

Akademie für Leseförderung Niedersachsen: Würfellauf - Übung zum Sichtwortschatz
Der Würfellauf ist eine spielerische und bewegungsorientierte Übung zum Sichtwortschatz beispielsweise zu den 100 häufigsten Wörtern der deutschen Sprache. In Partnerarbeit wird dabei die Leseflüssigkeit gefördert.

Akademie für Leseförderung Niedersachsen: Lesespiele für die Volksschule bis zur 2. Klasse Unterstufe
Islcollective: Aktivitäten & Spiele Arbeitsblätter

 

Titelbild: Tibs-Bilderdatenbank: Stefanie Vonderleu
Andreas Markt-Huter, 22-01-2019

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