Elias Schneitter, Zirl. HeimatAls die heikelste Form, etwas zu erzählen, gilt jene, es über das Heimat-Buch zu betreiben. In seinem Heimatort nämlich ist jeder ein großer Erzähler, aber es gibt kaum Zuhörer. So löst ein Heimat-Buch immer große Diskussionen aus, ob auch alle Geschichten drin sind, ob sie richtig erzählt sind, ob die Namen richtig gedruckt sind und vor allem, ob auch niemand vergessen worden ist.

Der Schriftsteller Elias Schneitter löst diese Probleme elegant, indem er das Heimatbuch zergliedert. Teil eins, zwei und drei sind schon erschienen, der aktuelle Band lässt sich nur lesen, wenn man zuvor die drei früheren Herausgeber Norbert Prantl, Benjamin Flöß und Anton Schnaiter mit ihren Werken gewürdigt hat.

Christoph Hölzl, Architekturführer InnsbruckWas das Familienalbum für die Angehörigen ist, ist der Architekturführer für die Stadtbewohner. Hier können die Zeitgenossen jeweils nachschauen, wie die Geliebten und Geschätzten beisammen sind. Denn Gebäude sind nicht nur die dritte Haut des Menschen, sondern auch ein Gegenüber, mit dem man diskutiert, indem man es betritt.

Ein Team des Archivs für Baukunst an der Universität Innsbruck hat ein Nachschlage-Bilderbuch über Innsbruck herausgebracht, in welchem knapp dreihundert Gebäude, deren Architekten, Auftraggeber und Benutzer aufgeschlüsselt sind. In der Gebrauchsarchitektur geht es um Bauten der Gegenwart, Gebäude, die es in den Überlebenskanon geschafft haben, gehen naturgemäß Jahrhunderte zurück.

andreas gottlieb hempel, weinbauDie beiden wichtigsten Kulturtätigkeiten Südtirols sind nach allgemeiner Lesart die Kultivierung von Wein und das Bauen in der Landschaft.

Andreas Gottlieb Hempel zieht diese beiden Kulturwörter zu dem griffigen WeinBau zusammen, das tatsächlich den Bildband zu einem idealen Einstieg in die Welt Südtirols macht. Die Einteilung des Themas ist vino-geographisch logisch: Vinschgau, Meraner Land, Etschtal / Bozen und Überetsch / Unterland / Eisacktal.

Titelbild: Heiner Flassbeck, Gescheiterte Globalisierung„Die Kritik an der Globalisierung ist scheinbar umfassend, aber sie ist zugleich unkonkret und unstrukturiert, weil bei allen unterschiedlichen Blickrichtungen und ganz unterschiedlicher Kritik praktisch nie infrage gestellt wird, dass der freie Handel Gutes tut. Die Globalisierung, sagte etwa Peter Bofinger, schade zwar dem Einzelnen, nütze aber den Nationen.“ (15)

Nachdem mit dem Ende des Kalten Krieges und der Spaltung der Welt in kapitalistischen Westen und kommunistischen Osten ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde, schien einem friedlichen Zusammenleben und einer globalen Kooperation der Länder nichts mehr im Wege zu stehen. Doch weder nationale Politik noch globale Kooperation wissen seit dieser Zeit der schrankenlosen dynamischen Liberalisierung der Märkte etwas entgegenzusetzen.

launay_mathematik.jpg„«Ich bin Mathematiker.»  «Oh, in Mathe war ich immer eine Niete!»  «Ach wirklich? Trotzdem schien sie das, was ich gerade erzählt habe, zu interessieren.»  «Ja, aber das ist keine richtige Mathematik …. Das kann man noch verstehen.» Nanu! Das hatte ich noch nie gehört: Die Mathematik wäre also, per definitionem, eine Disziplin, die man nicht verstehen kann?“ (S. 7)

Mickaël Launay liebt es, den Menschen die Scheu vor der Mathematik zu nehmen und ihnen die Faszination von Zahlen und geometrischen Formen näherzubringen. Manchmal stellt er an den ungewöhnlichsten Orten, wie z.B. auf einem Sommermarkt zwischen einem Stand mit Handyzubehör und einem Stand für Hennatattoos und afrikanischen Haarflechten seinen eigenen Mathematikstand zu eröffnen.

Titelbild: Stephan Schulmeister, Der Weg zur Prosperität„Vor fünfzig Jahren herrschte Vollbeschäftigung, die Staatsverschuldung war zwanzig Jahre lang gesunken, der soziale und europäische Zusammenhalt war stärker als heute. Warum hat sich die Lage in Europa seither schleichend verschlechtert? Welche Einsichten braucht es, damit wir die gesellschaftliche Entwicklung nicht als »Sachzwang« erleben, sondern als gestaltbar, und zwar von uns selbst? Welche Wege führen aus der Krise?“ (9)

Verständlich und detailliert weist Stephan Schulmeister die vorherrschende neoliberale Wirtschaftstheorie, die sich mittlerweile zur gesellschaftspolitischen Religion entwickelt hat, als Ursache für den beständigen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Niedergang in Europa nach.

Titelbild: Jörg Bibow und Heiner Flassbeck, Das Euro-Desaster„In diesem Buch geht es um die konkreten Auswirkungen der Politik der Eurogruppe und der sogenannten Troika auf die Eurokrisenländer. Bis heute haben die meisten Beobachter nicht verstanden, was dort passiert ist und warum der Einbruch der Produktion so gewaltig war. Das liegt daran, dass überwiegend nicht gesehen wird, welch fatale Entwicklung von den Lohnsenkungen ausging, die mit staatlicher Austeritätspolitik kombiniert wurden.“ (9)

Europa scheint aus der wirtschaftlichen Krise und Stagnation nicht herauszukommen. Die Wirtschaftswissenschaftler Jörg Bibow und Heiner Flassbeck zeigen auf, weshalb sich die Verhältnisse in Europa nach der großen Finanzkrise 2008 im Vergleich zu den USA oder Japan nicht nachhaltig verbessert haben und vor allem die südlichen Länder der Euro-Zone immer tiefer in eine Katastrophe zu rutschen drohen.

kr%C3%BCger_hellwach.jpgAus der Sammlung eines Meisters Gedichte auszuwählen, hat vor allem den einen Sinn, diese in der neuen Zusammenstellung mit neuem Licht zu versehen, wie man ja auch oft als Leser seine Bücher für ein aktuelles Regal zusammenstellt, um diesen besondere Liebe und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Hellwach gehe ich schlafen ist durchaus als Lebensmotto zu lesen, mit dem Michael Krüger unauffällig neben der Verleger-Arbeit sein eigenes Programm abgewickelt hat. In der Master-Sammlung aus vierzig Jahren sind die wichtigsten Texte geordnet unter den Lichtstreifen: Wie Gedichte entstehen / In diesem Haus ist Platz für vieles / Die Helligkeit ist endlich bereit / Ein flüchtiges Testament.
Vielleicht lassen sich diese Kapitel wie die Jahreszeiten eines Lyrikers lesen, es geht um das Verfassen der Gedichte aus dem Nichts, die Einordnung der Gedichte in einem lose vorgegebenen Literaturkonstrukt, das Ausleuchten abseitig gelegener Gebiete und schließlich um den Versuch, etwas wie ein zeitloses Vermächtnis zu formulieren.

„Aber je länger ich mich mit den alten Griechen und ihrer Kultur beschäftigte, desto überzeugter bin ich, dass sie herausragende Eigenschaften besaßen, die man in dieser Fülle kaum anderswo im Mittelmeerraum oder im Nahen Osten findet.“ (13)

Das Sachbuch zur griechischen Antike versucht die einzigartige Geschichte der alten Griechen über einen Zeitraum von zwei Jahrtausenden, von der minoisch-mykenischen Kultur bis zum Beginn des Oströmischen Reiches darzustellen und die zehn zentralen Eigenschaften aufzuzeigen, die für ihre großen kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen verantwortlich sind, die zur Grundlage des westlichen Denkens werden konnten.

Kluge Täler geben dem Hauptfluss immer einen anderen Namen als dem Tal selbst, so können Feinde abgewehrt werden, indem man sie verschickt. Wenn jemand nämlich fragt, wo die Sellrain fließt, kann man ihn verschicken, im Sellraintal nämlich fließt die Melach.

Georg Jäger hat das Raunen und Ächzen, das Rumpeln und Schottern der Melach ausgegraben, wie es zwischen 1800 und der Zwischenkriegszeit in Sagen transportiert, mündlich überliefert oder in Lokalzeitungen zum Vorschein gekommen ist.