Jan Juhani Steinmann, Das Vorfaltenlicht
Hinter der Fügung „Berg und Tal“ steckt die Kartografierung eines besonderen Geländes, in der Gegenwart auch gerne als Traumziel oder Wunschland bezeichnet. Aufgesplittet in Alpen und (Silikon) Valley lässt sich dieses Berg und Tal als Doppelikone lesen, die als eine Doppelhelix den Zeitgeist erschließt.
Jan Juhani Steinmann bringt mit seinem Projekt „Das Vorfaltenlicht“ die beiden Traumgegenden Alpen und Valley zusammen, indem er mit diversen Kunstmitteln die Morphologie dieser Visionen ausapern lässt, wie man im Gebirge zu diesem Clearing im Frühjahr sagt.
„Europa war ein Kontinent der Regionen, und es war zugleich Teil einer globalen Ordnung. Diese Charakterisierung benennt eine Grundspannung, die die europäische Geschichte auch über das 18. Jahrhundert hinaus begleitete. Regionale Vielfalt ist als Sprachenvielfalt, als Vielfalt religiöser Überzeugungen, als Vielfalt politischer und wirtschaftlicher Ordnungen und als kulturelle Vielfalt stets existent geblieben.“ (S. 9)
„Der wirksamste Befehl sei aber jener, den man gar nicht mehr explizit erteilen müsse, sondern der sich als Zwangsläufigkeit aus den Umständen ergebe. Die aber durchaus vorab zu gestalten seien.“ (15) Es ist natürlich lange her, dass so gedacht worden ist, und wahrscheinlich trifft diese Vermutung über den Befehl uns durch Algorithmen orientierungslos Gewordene so ins Herz, weil diese Vermutung selbst zu einem Befehl geworden ist, der uns auch nach Jahrhunderten noch erreicht.
Ehrensache, dass der vom Aussterben bedrohte Salamander durch die Aufnahme in den Buchtitel zumindest bei Archivaren vor dem Vergessen gerettet wird. „Dieses Tier ist so kalt, dass es Feuer auslöscht, wenn es dies berührt, wie es auch Eis tut.“ Für Peter Pessl ist dieses Zitat aus der Naturalis historia von Plinius dem Älteren eine perfekte Ermunterung, damit einen ganzen Lyrik-Band über das Selbst in Bewegung zu setzen.
„Franziska Denk hatte die Pest. Schon wieder.“ – Ein Start wie die Pest! Elias Hirschl pusht den Roman „Schleifen“ hinein in das Langzeitgedächtnis der Leser, in diesem fulminanten Pest-Satz ist letztlich der ganze Roman angelegt wie eine DNA-Scheibe für das dazugehörende Individuum.
„Zur weiteren Vorbereitung der Unternehmensgründung und des Achenseeprojekts konstituierte sich am 23. April 1924 in Wien in den Räumen der Allgemeinen Österreichi-schen Boden-Credit-Anstalt ein Interimskomitee der Tiroler Wasserkraftwerke AG (TI-WAG).“ (S. 39)
Der Bleistift hat es geschafft – er ist von einem Alltagsgegenstand zu einem Kultgerät geworden. Schriftsteller und Zeichner betreiben Podcasts und Foren, um sich über neueste Rituale rund um den Bleistift zu informieren.
Ein Gedicht versammelt tausend Weisen und auf tausend Weisen gelangt man zum Gedicht. Nach dieser großzügig formulierten Definition ist es ein nützlicher Vorgang, den Titel auf sich wirken zu lassen, damit man durch ihn in das Innere des Buches gezogen wird.
Was immer das Leben unvergessen machen kann, es gleicht einer Sanduhr, die ein paar Mal gedreht wird, ehe der Sand in der Zeit verschwunden ist.
„Dem vorliegenden Buch geht es um eine Synthese dieser beiden Perspektiven. Die erste, horizontale, ist die der Beziehungen zwischen Gesellschaften auf der Erdoberfläche, die der Grenzen und Konflikte, der Verbreitungen und Eroberungen. Die zweite, vertikale, ist die der Domestizierungen, des Bergbaus, der Reisfelder, der Verschmutzungen. Unsere Erzählung verknüpft beide, um mit den Füßen fest auf der Erde zu bleiben. Wir werden Meeresströmungen und Seefahrer kennenlernen, Berge, Wüsten und Eroberer, Bauern und zu kalte Winter …“ (S. 12)