Larysa Maliush, Mahlzeit!
„Vollmondnächte waren eine große Sache. Denn dann musste jeder Wolf – vom kleinsten bis zum größten – dem Mond ein Lied vorsingen. Das war ihre Art, um Glück bei der Jagd zu bitten. Grauschnauz beschloss, zum Waldrand zu gehen, weg von seinem Rudel. Er wusste, dass das nicht in Ordnung war. Aber es fiel ihm einfach schwer, zu singen, wenn zwei Dutzend Wölfe neben ihm heulten.“
Während alle Wölfe als Rudel gemeinsam vor der Jagd den Mond anheulen, fühlt sich ein Wolf in der großen Menge unwohl und beschließt den Mond allein und abseits von den anderen zu besingen und das Glück ganz für sich allein und erhaschen.
„In der Kälte dampft der kleine, nackte Körper wie ein frisch gebackener Laib Brot. Rasch schlägt Mika das Tuch wieder um den Säugling. »Wie heißt du?«, bringt sie schließlich hervor. Der Junge erschaudert und sieht die Straße hinunter. Als er Mikas Blick erwidert, verzieht er den Mund zu einem ängstlichen Lächeln. »Der Dunkle Engel weiß, dass ich sie genommen habe.« Ehe Mika etwas erwidern kann, dreht sich der Junge um und eilt davon.“ (S. 8)
„Meine Eltern treiben Geschäfte mit dem Tod. Genauer gesagt besitzen sie ein bescheidenes Bestattungsunternehmen in Alderley, dort, wo wir wohnen. Mit der Kutsche liegt es eine halbe Tagesreise von Bristol entfernt. Pa ist Möbeltischler von Beruf und hat begonnen schlichte Särge zu fertigen. Mama kümmert sich um die Aufbahrung der Leichen. »Die Toten können keinem mehr schaden«, bemerkt sie gern.“ (S. 11)
„Willkommen in der Baker Street 221b! Wenn Ihr zu Sherlock Holmes möchtet: Hinten anstellen! Die anderen warten auch alle auf ihn. Kein Wunder, er ist ja auch der berühmteste Detektiv der Welt – und mein bester Freund. Gestatten: John Watson, Geschichtenerzähler und Erfinder von Dingen, die die Welt nicht braucht. Kommt, ich nehme euch mit rein!“
„»Mädels, mein Name ist Marsyas Blackgate. Ich würde euch beide gern anheuern, damit ihr euch als meine Enkelinnen ausgebt, und zwar bei einer Abendgesellschaft auf Hegemony Manor ... Kennt ihr das? Es liegt gleich außerhalb von Wood Rose.« Wren fallen fast die Augen aus dem Kopf. »Das Hegemony Manor? Natürlich kennen wir das! Gotische Perfektion auf einem Hügel, mit Türmchen, Erkern und der ganzen morbiden Wednesday Addams-Stimmung. Unsere Mutter war ganz verrückt danach.«“ (S. 11)
„Durch die Eisblume am Fenster fiel schwach das Mondlicht auf Eliot, der warm eingemummelt unter seinem Federbett lag und tief schlief. Hilarius Winterbird strich ihm vorsichtig eine widerspenstige Haarsträhne aus dem schmalen Gesicht. Noch deutete nichts darauf hin, dass dieser Tag ihr Leben für immer verändern würde – seines und das von Eliot Holtby.“ (S. 11)
„»Guck mal«, sagte Leo. Er zeigt zu Radio Meier rüber. Tim dreht sich um und sieht einen Mann. Er kommt gerade aus dem Geschäft von Herrn Meier gerannt. Unter seiner Jacke guckt ein Kabel hervor. Der Mann sieht sich rasch um und verschwindet in der Menge. »Der hat bestimmt etwas geklaut!«, vermutet Leo.“ (S. 10)
„Emma Woodhouse, hübsch, klug und reich, mit einem angenehmen Zuhause und von heiterem Gemüt, schien beinahe alles in sich zu vereinen, was das Leben einem Menschen an Gutem nur bieten kann; Fast einundzwanzig Jahre war sie nun schon auf dieser Welt und hatte in all der Zeit kaum je einmal Kummer oder Sorgen gekannt.“ (S. 7)
„Barry war der berühmteste Hund der Welt. Natürlich gab es auch andere berühmte Hunde. Zum Beispiel Lassie, der Filmstar aus Amerika. Über Barrys Körbchen hing ein gerahmtes Foto von ihr mit persönlichem Pfotenabdruck. Und dann war da noch Laika, die mutige Hündin aus Russland.“ (S. 11)
„Warum hast du mich in diese Welt zurückgerufen?, fragte er, als er wieder aus dem Dunkel ins Wachsein gezogen wurde. Obwohl er keinen Körper aus Fleisch und Blut hatte, peinigte ihn immer noch Schmerz, den er mit dem Leben selbst hinter sich gelassen zu haben glaubte, und quälten ihn Gedanken, die nicht von ihm weichen wollten. Warum hast du mich aus dem seligen Vergessen gezerrt? Und wie übst du solche Macht, aus, die Bande des Todes selbst zu zerreißen? Stell keine Fragen, Hakatri vom Haus der Tanzenden Jahre, beschied ihn die Stimme von Dreien. Du bist gerufen worden, weil nur du tun kannst, was getan werden muss.“ (S. 37)