Delle Cave / Hanni (Hrsg.), Lyrik im Gespräch
Was trocken unter dem Titel Dokumentation läuft, ist vielleicht die aufregendste Lyrik-Sammlung des ganzen Jahres.
Die Stadt Meran hat es mittlerweile geschafft, einer der größten Lyrik-Knotenpunkte der Gegenwartsliteratur zu werden. Angeregt durch den alle zwei Jahre ausgerufenen Lyrikpreis Meran sind in den letzten zwanzig Jahren etwa 50.000 Texte in den Süden des deutschen Sprachraums geschickt worden, etwa tausend dieser Texte kamen zur Aufführung, die Preisträger kommen in dieser Dokumentation mit ihren Siegertexten zu Wort.
Immer wieder seufzt jemand, er habe die ganze Zeit gewartet oder sie habe die ganze Zeit daran gedacht. Aber was ist diese ganze Zeit, wie lange dauert sie, wie umfangreich ist sie?
Oft muss man ein paar Schritte zurückgehen, um einen frischen Blick auf einen Gegenstand zu entwickeln.
In einem Glas sitzt der Dichter, leicht durchgeschüttelt wie der Wein vor einer Verkostung, man kann noch nichts über den Geschmack sagen, der flüssige Dichter jedenfalls schaut besinnlich hoffnungsvoll aus dem Glas.
Die Triebfeder allen Tuns ist die Neugierde, diese kann oft so ungezähmt auftreten, dass es sich lohnt, sie durch einige vernünftige Überlegungen zu kanalisieren und zu zähmen.
Wie jede Geschichte ist auch die Literaturgeschichte etwas äußerst Unruhiges, das ständig neu geschrieben werden muss. Eine recht aufregende Form, sich dem literarischen Geschehen einer Epoche zu nähern, ist die Präsentation von Insider-Wissen mit persönlicher Note.
Manche Orte sind untrennbar mit der eigenen Kindheit verbunden. Verschwindet die Kindheit, verschwinden auch die maßgeblichen Orte dafür.
Manche Namen lösen schon bei der bloßen Aufrufung ein ganzes Programm aus. So geht bei Heidi jeweils ein Heimatfilm ab, während wir Leser bei Kirk sofort in die Zukunft oder gar in den Weltraum gebeamt werden.
Gute Geschichten sind meist durch eine gemeinsame Fließrichtung untereinander verknüpft, wie ein Strom rinnen die einzelnen Episoden abendfüllend dahin, und tauchen schließlich unter im Meer des Geschichtenschatzes.