Martin Suter, Der Koch
Wenn man unsere Gesellschaft einmal den Nachfahren beschreiben sollte, dann reden wir am besten von einer Koch-Gesellschaft.
An manchen Tagen scheint alles in der Wohnanlage zu kochen, auf den Flachbildschirmen lösen sich Rezepturen mit Starkochgesichtern ab und zwischendurch feiert man auf einem Kanal einen Abspeckler, der soeben eine Tonne Gewicht verloren hat und jetzt reif ist für die neue Koch-Gesellschaft, die vor allem eines ist, easy, oberflächlich, verbal ausufernd.
Wenn man sich nur weit genug zurück erinnert, endet alles in einer schönen unversehrten Kindheit.
Manchmal muss man nur diesen Ansaugstutzen beschreiben, der ganze Lesergenerationen in das Buch hinein saugt, um das Werk zu beschreiben.
Die Literatur muss alles: Die Zeit zurückdrehen, anhalten oder beschleunigen, je nach Aufgabenstellung erledigt sie alle diese Vorgänge tapfer. Und es ist kein Geheimnis, dass wir alle sagen: Wenn etwas bleibt von der Gegenwart, ist es die Literatur.
Christl Greller zieht den Leser mit dem Titel bildgebendes verfahren in eine Zone, wo eigene Gesetze herrschen. Schon im ersten Gedicht tönt dieser fröhliche Trotz hervor, wenn eine Lyrikerin in der Großstadt schwer lenkbar durch die Motive und Gedanken huscht, ehe sie schmunzelnd ein Motto für sich selbst ausgibt: "muss ich meine buchstabensuppe / alleine auslöffeln..." (7)
Es gibt in der Lyrik Haltegriffe, da fragt im Verlaufe des Zeitstroms niemand mehr, worum es geht, wenn man nur diesen Haltegriff in Händen hält.
Die wildesten Geschichten, das wissen wir seit Michael Kohlhaas, wuchern immer aus sogenannten Chroniken hervor. In den Chroniken nämlich wird das Leben beinhart, klar und schroff dargestellt.
Normalerweise kann es eine Schriftstellerin / Schriftsteller der Leserschaft ja nie recht machen. Einerseits soll immer etwas Neues passieren, andererseits dürfen aber eingefräste Lesepfade nicht verlassen werden.
Seit dem west-östlichen Divan wissen aufmerksame Leser, dass der Diwan nicht nur etwas zum Sitzen, sondern auch eine persische Gedichtsammlung meinen kann.
Ein Spion ist letztlich nichts anderes, als ein begnadeter Erzähler. Er muss die feindlichen Aktivitäten auskundschaften und sie geheim seinen Hintermännern vermitteln.