Markus Köhle, Dorfdefektmutanten
Der sogenannte Heimatroman funktioniert nur, wenn er als Karikatur erzählt wird, aber dann umso heftiger.
Markus Köhle nimmt die Folie des Heimatromans als Grundlage, um darauf eine Wahnsinnspartie Dorfleben der Gegenwart zu installieren. Der erzählende Held ist in einem Märklin-Welt-Modelldorf aufgewachsen und hat im Sinne der perfekten Idylle alles richtig gemacht. Aber als er dann eines Tages zu reflektieren beginnt, stellt sich heraus, dass von der Idylle nichts geblieben ist und er am Rande des Dorfes als Hausmeister in einer Raststation zur Ablage gekommen ist.

In wirklich guten Erzählungen muss der Erzähler zu Tode kommen, weil es nach der Erzählung keinen Lebenssinn mehr gibt.
Manche Situationen schreien geradezu nach einem philosophischen Satz, der die verzwickte Lage auflöst. In Wirklichkeit sagte ich nichts ist vielleicht eine Erlösungsformel, die ein geordnetes Weiterleben zumindest für die nächste Viertelstunde ermöglicht.
Manche Romane zielen in keine Richtung, sie explodieren als Rohrkrepierer samt der erzählerischen Abschussrampe.
An manchen Tagen wird in Bibliotheken über alles geredet, außer über Literatur. Für das Bibliothekswesen gibt es ohnehin nur die Unterscheidung zwischen freiwilligem Lesen und Prüfungslesen. Daher tut es zwischendurch äußerst gut, wenn man sich als Bibliothekar einen Meister der Literaturkunde zu Gemüte führt.


Manchmal ist der Alltag so aufregend, dass man ihn weder aktiv noch passiv hinkriegt. Eine typische Reaktion für eine überschwappende Ereignislosigkeit ist auf die Frage, was los sei, das alles erklärende "Nichts, nichts".