Karin Ivancsics, Anna hat zwei Tage
Mit dem Mutterglück ist es so eine Sache, knapp am Kitsch angesiedelt zieht dieser Begriff seine Heldinnen oft gnadenlos in die Tiefe, sobald sich diese auf das Mutterglück berufen.
Als gevifte Erzählerin schickt Karin Ivancsics ihre Protagonistinnen jeweils in eine Grenzsituation, dabei ist vielleicht der Status der Mutter insgesamt eine Grenzsituation.
Oft liegen die Geheimnisse unter einer Wolldecke versteckt, das Kind schlüpft darunter und die Abenteuer legen los.
Kann man in der Einöde eine Ehe über die Bühne bringen und führt nicht jede Ehe in die Einöde?
Üblicherweise kommen Vögel in Gedichten vor und symbolisieren darin den leichten Vorüberflug der Zeit. Wolfgang Pollanz, der Meister des irritierenden Klischees, lässt naturgemäß seinen Vogel auf dem Grazer Hausberg landen, und wenn er schon einmal da ist, kommt er auch gleich in den Titel.
Wem kullern nicht verschmockte Pusteln der Gänsehaut über den Rücken, wenn jemand in einer verschwitzten Atmosphäre "Alles Walzer!" ruft. Reinhard P. Gruber geht noch einen Schritt weiter und ruft frech: "Alles Sport!"
Die Verschönerung unseres Blickes durch Gedichte ist wie Süßwasser weinen. In diesem paradoxen Bild, dass Tränen plötzlich wunderbar genießbar und trinkbar werden, liegt das Geheimnis der Lyrik von Helwig Brunner.
Manche Zeitgeschichte-Bücher sind so spannend, dass man daneben keinen Krimi mehr lesen muss. - Der Kampf um den Kreml handelt von den Umstürzen, Machenschaften und politischen Tricks, mit denen letztlich die neue Kaste in Russland an die Macht gekommen ist.
Bücher sind in der Hauptsache zum Lesen da, manchmal aber dienen sie bloß dazu, etwas zu dokumentieren. Beim Buch von der roten Lilo muss man als Leser entweder vif sein, oder grenzenlose Rätsellust im Bauch haben.
Man sieht sie plastisch vor sich, diese abwinkende Handbewegung, die hinter dieser Bemerkung steckt: Ich glaube nicht an die große Liebe. - Ein gelassener, erkenntnisreicher und auch Lebensprogrammatischer Satz!
Ein ziemlich ungemütlicher Titel, Der Befall, erinnert an Maul- und Klauenseuche, wenn ganze Tierherden befallen werden. Und dabei ist es ein schöner, harmonischer, umfangreicher Roman.