Renate Scrinzi, Vita Minima
Minimales Leben, Leben auf Sparflamme – aus der Welt der Murmeltiere kennen wir diesen zurückgefahrenen Zustand. Aber nicht nur manche Tiere fahren über den Winter das Leben zurück, auch mitten in der pulsierenden Zivilisation gibt es immer wieder Menschen, die ihr Dasein auf ein Minimum einschränken.
In Renate Scrinzis Erzählung geht es um drei Personen, die für sich und untereinander das Leben eingefroren haben. Die 71-jährige Luise ordnet ihr Leben, quartiert sich noch in einem guten Hotel ein und geht in den Wald um zu sterben. Das Erfrieren mit vollen Sinnen erinnert an diese vom Dasein gebückte Szenerie an der Baumgrenze, wie sie der frühe Thomas Bernhard bearbeitet hat. Freilich hat Luise noch ein Handy dabei, aber es ist ausgeschaltet und so kann die Heldin erst zu spät und für die Erzählung zur rechten Zeit gefunden werden.
Dramatisch schön ist aber auch das Vokabular, das Tourengehern zur Verfügung steht, wenn auf einen gelungenen Aufstieg ein geglückter Abschwung erfolgt ist.
Das ist die Eigenschaft guter Erzählungen: Man liest sie zuerst scheinbar nebenbei, und plötzlich hat man alles rund herum vergessen und es sind nur noch die Erzählungen da. Christoph Pichler hat sechzehn solche Erzählungen mit Zeitverzögerung zusammengestellt unter dem edel heruntergespielten Aufreger „Onkel Norberts denkwürdiger Nachmittag“.
Wie immer bei „ide“-Heften ist auch dieses Themenheft zum 200sten Geburtstag Adalbert Stifters in der Lage, den Deutschunterricht der aktuellen Saison zu verschönern und von der Interessenslage des Stoffes her upzudaten.
Offensichtlich ist Tirol wirklich so verrückt einmalig, dass es immer wieder verrückt gute literarische Möglichkeiten gibt, dieses Unding aus Mythos und Gebirge darzustellen.
Damit man sich nicht verzettelt und verschaut, ist dieser Rituale-Sammlung Gotthard Bonells eine kleine Einführung von Peter Weiermeier vorangestellt.
Löffel auf dem Wasserglas, Gesicht nach unten! – So kann nur eine Regieanweisung für gutes Benehmen in einem Wiener Kaffeehaus lauten, tatsächlich muss der Löffel mit dem Gesicht nach unten schauen, wenn er ordentlich serviert sein will.
Vielleicht sollte man diesen Text wie Jazz lesen. In einem beiläufigen Hinweis gibt Anita Pichler eine Anregung, wie man sich als Leser dieser beinahe handlungslosen Erzählung nähern könnte.
Ah, was für ein Titel! Nicht bloß eine Schlacht wird in diesem Krimi geschlagen, sondern wie in der Geschichte des Tiroler Freiheitskampfes ein ganzes Bündel!
Manchmal geht ein Ruck durchs Land und es passiert etwas Aufregendes, aus einer heftigen Leserin ist eine leidenschaftliche Autorin geworden.