Beatrice Simonsen (Hrsg.), Grenzräume
Wenn Bozen 2019 Kulturhauptstadt werden sollte, was erzählen wir dann Europa? - Wieder einmal ist es der Kulturphilosoph Armin Gatterer, der eine Frage der Zukunft mit Literatur in Verbindung bringt, üblicherweise rennt die Literatur ja bereits abgehangenen Geschichten und Stimmungen nach.
In der Antwort auf seine Frage stellt Armin Gatterer den Begriff der Narrativität, die Kunst des Erzählens in den Mittelpunkt. Vielleicht sind gerade die ziemlich wortverkümmerten, grobschlächtig in drei Sprachschalen zum Dünsten ausgebreiteten Südtiroler die idealen Erzähler. Denn Themen gibt es seit Jahrhunderten genug: Transit, Handel, Geschäfte, Kulturfluss, in die Heimat kommen und von ihr gehen.
Langsamer! – Die Tante im Hintergrund kann noch so rufen, das Kind wird es dennoch auf die Schnauze hauen.
Bestseller aus vergangenen Zeiten vermitteln bei der aktuellen Lektüre dieses spannende Knacksen, wenn die Patina durch heftigen Lichteinfall aus der Gegenwart aufspringt. Heinrich Kliers Bestseller aus dem Jahre 1964 liest sich nach vierzig Jahren wie eine Gebrauchsanweisung zur Eroberung der Alpen.
Theater ist einerseits ein Stück, das man als Leser oder Zuschauer an einem Abend sieht oder liest, und ist andererseits ein Prozess. Zu dem hier vorliegenden Stück „Maia“ muss man sich als Leser noch jene Spannung hinzu denken, die zwischen den Generationen herrscht. Denn Maia ist ein Jugendstück, das ein Lehrer für seine Schüler geschrieben hat, damit diese durch das Theaterspielen mit der fiktionalen Welt in Kontakt treten können.
Die Eisenbahn ist wahrscheinlich der trivialste Mythos, mit dem wir es in einer Gesellschaft zu tun bekommen. Auf Österreichisch heißt das, es gibt den Mythos vom politisch upgedateten Eisenbahner, den Mythos von Pionierleistungen im Streckenbau, den Mythos starker Lokomotiven und den Mythos einer starken Zukunft der Eisenbahn überhaupt.
Ein Gedichtband wie geschaffen für das Internet. Da wechselt das lyrische Ich wie ein Surfer in den Wellen des Internets von einem Thema und von einem Ort zum nächsten, um schließlich ganz unverhofft mit neuer Maske wieder zurück zu kehren. Da heißt es anschnallen und festhalten.
Es gibt Texte, die dem Fass der Gattung entsprungen und ohne Umhüllung etwas Eigenes sind, am ehesten mit einer Lacke ausgeronnener Flüssigkeit zu vergleichen. In Hubert Flattingers Trance-Text über seltsame Helden verschwinden die Grenzen zwischen Gelesenem und Erlebtem.
„Wie gesagt“ ist neben der Fügung „meine Damen und Herren“ die am meisten verwendete Floskel bei Reden im Nationalrat. Diese Fügung unterstreicht bloß, dass alles, was semantisch verfügt worden ist, jetzt ins Leere geht.
„Kurze Schnitte“ sind eher eine Erzählmethode als ein Buchtitel, man denkt sofort an Robert Altmanns „short cuts“, welche in der Filmkultur für Aufsehen sorgen, oder aber an die letzten Erzählungen Raymond Carvers, die 2002 auf deutsch ebenfalls mit dem Titel „Kurze Schnitte“ erschienen sind.
Das Leben hat letztlich zwei Konsistenzen, die amorphe Alltäglichkeit, die sich am ehesten wie ein Gel erzählen lässt, und diese grobkörnigen Flunsen, die wir uns als Geschichten erzählen.