Belletristik und Sachbücher

Andreas Koller, Journalismus. Macht. Wirklichkeit

h.schoenauer - 07.12.2018

andreas koller_journalismusWo ist eigentlich Krieg? - Dort wo der Wehrschütz ist. Dieser Witz über die Kriegsberichterstattung des ORF zeigt das Dilemma des modernen Journalismus. Nachrichten entstehen nur mehr dort, wo jemand das Geld hat, jemanden hinzuschicken, oder im Netz, wo alles eine Nachricht ist.

Andreas Koller geht 2016 in seiner „Theodor-Herzl-Vorlesung“ an der Uni Wien nicht nur diesen Witzen auf den Grund, er versucht anhand der Groß-Begriffe Zeitgeist, Moral und Politik eine Lanze für den klassischen Journalismus zu brechen, der sich momentan fast täglich rechtfertigen muss.

Semir Insayif, über zeugungen

h.schoenauer - 05.12.2018

semir insayif_überzeugungenDiese elementaren Wörter Zeugnis, Zeuge oder Zeugung sind immer ganz nah dran an der Erschaffung der Lebewesen und ihrer Wahrheiten. Der spontane Eindruck von „über zeugungen“ deutet auf jemanden hin, der sich bei der Zeugung übernommen hat, und das macht natürlich neugierig auf die Gedichte.

Semir Insayif hat seine gut sechzig Gedichte auf drei Bottiche aufgeteilt: über zeug und gänge (7) / die geometrie des himmels ist unerhört (27) / echos resonanzen 43).

Alfred Gelbmann, Vorläufig Lübeck

h.schoenauer - 03.12.2018

alfred gelbmann, vorläufig lübeckWoraus besteht eigentlich ein guter Roman? - Aus Roman!

Alfred Gelbmann bringt im Erzählprojekt „Vorläufig Lübeck“ eine Biographie zum Vorschein, worin Autor, Held und fiktionales Vorbild heftig miteinander vermischt sind. Vereinfacht könnte man sagen, jemand liest innig Gustave Flauberts satirischen Roman Bouvard und Pécuchet, worin sich die Figuren über sich selbst so lange lustig machen, bis sie aus dem Roman verschwinden und wieder die Rolle von Kopisten annehmen müssen.

Sabine Weiss, Maximilian I.

andreas.markt-huter - 30.11.2018

sabine weiss, maximilian 1.„Am 12. Januar 2019 jährt sich zum 500. Mal der Todestag Kaiser Maximilians I. Wer war dieser Herrscher? Ist es gerechtfertigt, seiner noch nach einem halben Jahrtausend zu gedenken? Ja, denn Maximilian war eine faszinierende Persönlichkeit: stets voller Ideen und Pläne, mit ritterliche Idealen, ein arbeitsamer Herrscher, schriftstellerisch tätig, ein Liebhaber der Musik, der Frauen und der Natur, mutig bis zur Waghalsigkeit, aber auch kriegslüstern, ehr- und ruhmsüchtig.“ (7)

In fünfzehn Kapiteln skizziert Sabine Weiss anhand umfangreichen Quellen- und Bildmaterials das Leben und Handeln eines großen Herrschers, der an der Wende des Mittelalters zur Neuzeit die Geschichte Europas maßgeblich mitbestimmte. Von seiner Kindheit über seine Heirat, seinem Aufstieg zum Römischen König und schließlich Kaiser bis zu seinem Tod werden die vielseitigen Interessen und Talente des Kaisers ebenso aufgezeigt, wie seine enge Beziehung zum Land Tirol.

Lucas Cejpek, Ein weißes Feld

h.schoenauer - 28.11.2018

lucas cejpek, ein weißes feldDer Selbstversuch gilt in Literatur und Forschung als das Tapferste, was jemand auf seinem Gebiet leisten kann. Es zeugt von viel Selbstvertrauen, Coolness und Optimismus, wenn jemand sein Ich in einem Selbstversuch zum Markt trägt.

Lucas Cejpek geht mit seinen Erzählprojekten, Romanen und Sprachstudien immer an die Grenze. Oft sind seine sprachlichen Versuchsanordnungen so kühn, dass er sie fürs erste niemandem zumuten will außer sich selbst. Im aktuellen Selbstversuch geht es allerdings um nichts Anderes als dieses „Weiß“, das in fast allen Sprachkonstellationen des Alltags steckt. Wie nun, wenn weiß etwas Beunruhigendes wäre? Dann brauchte man zumindest Detektoren, um es aufzuspüren.

Lukas Meschik, Über Wasser

h.schoenauer - 26.11.2018

lukas meschik über wasserStraffe Fügungen können ein üppiges Lebensprogramm beschreiben, über Wasser heißt dabei für den einen, dass er nach Schwierigkeiten gerettet und über Wasser ist, ein anderer hat vielleicht messianische Züge und geht mit seinem Programm tatsächlich über Wasser.

Lukas Meschik lässt seinen Helden Noah über das Wasser der Gegenwart surfen, manches dient ihm dabei als Auftriebsstoff, anderes als Antriebsmittel, manche Passagen bestehen aus purem Gleitmittel. Begriffe wie Angst, Möglichkeit, Blech oder Montag sind als Schlüsselwörter ausgebaut, und man ahnt schon, wie sich darum herum das Leben ansetzt wie Moos auf altem Gestein.

Michael Köhlmeier / Monika Helfer: Der Mensch ist verschieden

h.schoenauer - 23.11.2018

Michael Köhlmeier und Monika Helfer, Der Mensch ist verschiedenWie alle Wirtschaften der Globalisierung und des Postkapitalismus leidet auch die Literaturwirtschaft unter zunehmender Brutalität.

Schriftsteller, die nicht ununterbrochen produzieren und etwas ausspucken, verschwinden genauso vom Markt wie Verlage, die etwas Überraschendes publizieren. So kommt es also vermehrt zur sogenannten Standby-Literatur. Dabei zeigen Verlage, dass sie nichts Neues vorhaben und jemandem im Leer-Programm noch immer die Stange halten, und die Autoren zeigen, dass sie noch am Leben sind.

Regina Hilber, Überschreibungen

h.schoenauer - 21.11.2018

regina hilber, überschreibungenÜberschreibungen sind einerseits wohldurchdachte Kompositionsstrategien beim Nachschärfen von Texten, andererseits löst die Literatur im Leser oft Überschreibungen aus, wenn ein bereits bekanntes Bild oder Muster mit einer neuen Software überschrieben wird.

Regina Hilber nimmt die berühmten Stilübungen von Raymond Quenceau zum Anlass, um das alphabetischen Nest zwischen Wald und Wien mit Überschreibungen auszukleiden.

Peter Giacomuzzi, asyl asyl

h.schoenauer - 19.11.2018

peter giacomuzzi asyl asylKaum ein Begriff der jüngeren Sprachgeschichte hat es so markant geschafft, vom Liebkind zum Bösewicht und retour zu mutieren, wie dieses in allen Tonlagen beeindruckende Wort Asyl.

Peter Giacomuzzi verwendet Asyl gleich als Doppelgarnitur, um die Wichtigkeit zu betonen und andererseits die semantische Transportkapazität zu erhöhen wie sonst im öffentlichen Personenverkehr üblich. Die knapp hundert Gedichte laufen wie ein lyrisches Tagebuch über den Bildschirm, der womöglich die üblichen Ereignisse zeigt, die Texte freilich handeln alle von diesem entgleisten Planeten, der vielleicht als Ganzes auf der Flucht ist.

Kaspar H. Spinner / Jan Standke (Hg.), Erzählende Kinder- und Jugendliteratur im Deutschunterricht

andreas.markt-huter - 16.11.2018

kaspar spinner, erzählende kinder und jugendliteratur„Angesichts dieser Text-, Medien- und Informationsvielfalt ist der Bereich der Kinder- und Jugendliteratur kaum mehr zu überschauen. In Studium und Unterricht stellen sich deshalb häufig die Fragen: Welche neueren Texte eignen sich für die Diskussion im Seminar oder für das literarische Lernen im Deutschunterricht der unterschiedlichen Schulformen und Jahrgangsstufen?“ (S. 9)

Wie lässt sich Kinder- und Jugendliteratur im schulischen Unterricht einsetzen und welche Kinder- und Jugendbücher eignen sich aus der großen Anzahl jährlicher Neuerscheinungen in diesem Genre besonders für die Arbeit im Deutschunterricht? Das Handbuch „Erzählende Kinder- und Jugendliteratur im Deutschunterricht“ stellt über 100 Kinder- und Jugendbücher vor, die von Klassikern wie Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ und „Ronja Räubertochter“ bis zu J.K. Rowlings „Harry Potter“ reichen und sowohl thematisch als auch von den Altersgruppen den gesamten Bereich der Kinder- und Jugendliteratur exemplarisch abdecken.