Jeannine Meighörner, Das fliehende Herz
Im historischen Roman lässt es sich mit Fakten durchspielen, was ein anderer Verlauf der Geschichte hätte bewirken können, es lassen sich auch Träume der Gegenwart in das historische Ambiente zurückflashen, und schließlich können im historischen Roman Provinzereignisse zu Weltereignissen aufgeblasen werden.
Jeannine Meighörner hat längst herausgefunden, dass die Tiroler nur daran interessiert sind, ob auch alle historische Größen einmal in Tirol gewesen sind, um das Land für gut zu befinden. Da wir im 19. Jahrhundert nur Zeugnisse des durchreisenden Goethe und Heine haben, müssen die beiden eben ununterbrochen herhalten, um die Größe des Transitlandes Tirol zu dokumentieren.
Leidenschaften sind meist zeitlich begrenzte Gefühlsaufwallungen, die jenseits der Logik einer Person oder einem Thema umgehängt werden.
„Jeder kann zeichnen und Kategorien wie richtig und falsch gelten hier nicht. Kinder stehen sich nicht mit Zweifeln selbst im Weg. Aber auch Erwachsene können mit derselben Freude zeichnen, wenn sie wissen, wie sie ihre künstlerischen Fähigkeiten verbessern können.“ (S. 10)
Das größte Kapital, das neben der sprichwörtlichen Kohle mit den Mächtigen mitmarschiert, ist jener Schatz an Geschichten, den zu heben und zu erleben nur Eliten imstande sind. Den Adel hat seinerzeit nicht so sehr die Aberkennung von Titeln und Gütern geschmerzt als vielmehr das Ausbleiben von Geschichten, worunter die auf ein normales Leben Zurückgestutzen fortan zu leiden hätten.
Wenn ein Autor einmal seine Erzählmelodie gefunden hat, braucht er nur zwei drei Fügungen anklingen zu lassen, und schon geht es für den Leser in voller Stimmung weiter, wo er vielleicht im letzten Sommer aufgehört hat.
„Der vorliegende Band bietet auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstandes eine historische und systematische Aspekte verbindende Einführung in einen Teilbereich der Literatur, der per se keineswegs ein »Lernfeld« des Deutschunterrichts darstellt. Kinder- und Jugendbücher sind zunächst einmal Gegenstände der Freizeitliteratur.“ (13f)
Kaum ein Begriff bedroht die Menschen so sehr wie eine Grenze. Ob im physischen Abwehrkampf gegen einen Maschenzaun oder in der psychischen Faszination eines Grenzgängers, immer reizt es die Menschen, diese Grenzen zu überschreiten.
Ein Dilettant hat für die Umstehenden immer etwas Komisches an sich, während er selbst im Innern vor Tragik zerbirst. Je höher das Thema, das von einem Dilettanten bestritten wird, desto witziger fällt das Scheitern aus.
„Quer durch die Geschichte zieht sich der Streit, wer in der Gesellschaft das Sagen haben soll. Ob in Antike, Mittelalter, 20. Jahrhundert oder heute: Immer wieder aufs Neue stellt sich die Frage nach der Macht im Staate und die nach der Gerechtigkeit. Sollen die Reichen, die »Experten«, die »Klugen« entscheiden – oder soll die Politik tatsächlich von allen bestimmt werden?“
Hätte er sich 1972 nicht umgebracht, hätte er 2022 eines natürlichen Todes sterben können.