Robert Kleindienst, Brandseelaute
Einwortgedichte sind nach wie vor die beste Methode, einen Gedichtband unverwechselbar zu überschreiben.
Robert Kleindienst verrät mit seiner Lyrik-Formel „Brandseelaute“ schon ein wenig von seinem Konzept, das Weite wird durch spitze Wörter angestochen und wie ein aufgeschlagenes Ei in semantischen Dotter und Eiweiß zerlegt. Brandseelaute sind vielleicht Geräusche aus einem Meer jenseits der Brandung, sie können aber auch aus einer Laute stammen, die auf hoher See abgebrannt ist.
Um wirklich unsterblich zu werden, musst du zu einem Mythos mutieren. - Die Zeitgenossen eines Mythos sitzen Jahr für Jahr fassungsloser vor diesem Satz und rechnen ihr armseliges Leben mit siebzig gegen den aufregenden Mythos eines Helden auf, der schon beinahe ein halbes Jahrhundert tot ist.
Helden können es sich in der Literatur nicht aussuchen, an welchem Abenteuer sie groß werden möchten. Und heldenhafte Kinder können erst später im Leben ausmachen, welche Erlebnisse sie entscheidend geprägt haben.
Ein Sprichwort sagt: In echten orientalischen Büchern lässt sich das Firmament am Umschlag berühren.
Spätestens seit Otto Grünmandls Wunder-Programm „Ich bin nicht Oblomow“ wissen Fachleute des beschaulichen Lebens, wer Oblomow ist. Ein Held, wie für das Bett gemacht, mit starken beamteten Zügen.
Endlich hat ein Autor in einem klaren Satz zum Ausdruck gebracht, was einen ehemaligen Bundeskanzler wegen der Komplexität der Dinge in den schieren Wahnsinn getrieben hat.
Als die heikelste Form, etwas zu erzählen, gilt jene, es über das Heimat-Buch zu betreiben. In seinem Heimatort nämlich ist jeder ein großer Erzähler, aber es gibt kaum Zuhörer. So löst ein Heimat-Buch immer große Diskussionen aus, ob auch alle Geschichten drin sind, ob sie richtig erzählt sind, ob die Namen richtig gedruckt sind und vor allem, ob auch niemand vergessen worden ist.
Die wirklich wahren Romane sind so echt, dass man nicht mehr unterscheiden kann, was Fiktionen und was Fakten sind.
Beeindruckende Bücher lassen der Leserschaft gar keine Zeit, über die Entstehungsgeschichte des Textes nachzudenken, sie sind einfach wichtig und da.
Gute Essays haben eine Kraft, mit der sie die Leserschaft in den Ringkampf der Gedanken zwingen mit ungewissem Ausgang. Im Essay hat letztlich der Leser recht, wenn er sich mit den Argumenten des Textes auseinandergesetzt hat.