Aktuelle Buchtipps

 

Marie Theres Foidl, Erinnerungen der Marie Theres Foidl

h.schoenauer - 04.04.2025

Marie Theres Foidl, Erinnerungen der Marie Theres FoidlIm Jahr 1951 sitzt eine Mutter in St. Johann vor einem leeren Papierhaufen und beginnt mit dem Aufschreiben von Erinnerungen für ihren Sohn. Die Schreiberin ist Marie Theres Foidl vom Lacknerhof. Sie ist aus Deutschland zugezogen und will ihrem Sohn erklären, dass man auch eine interessante Lebensgeschichte haben kann, wenn man nicht aus Tirol stammt.

Bei autobiographischen Aufzeichnungen ist eine wesentliche Frage entscheidend: Was wird wie eingegrenzt und was wird weggelassen? Die Geschichte der Lacknerhofbäuerin spielt im Saarland, Ruhrgebiet und im Bonner Raum von 1900 herauf bis 1932. Sie endet mit einer vagen Andeutung, dass die Erzählerin in Innsbruck ihren Mann kennengelernt hat, den späteren Vater des angesprochenen Sohnes.

Lu Fraser, Ava und der Baum des Lebens

Andreas Markt-Huter - 03.04.2025

Lu Fraser, Ava und der Baum des Lebens„Die Morgenluft weht mit dem Rauch / durch alle Wipfel einen Hauch, / ein leises Wispern vom Beginn … / hinab … / zu einem Mädchen hin. // Noch ist der Frühling recht frostig, / das Törchen morsch, die Angeln rostig, / da wartet Ava ungestört, …/ … bis sie vertraute Schritte hört. / Sie schnellt herum und jubelt: »Ja! / Oh, Großvater, jetzt bist du da!«“

Die junge Ava und ihr Großvater verbindet eine gemeinsame Liebe zur Natur und einem stolzen und mächtigen Eichenbaum. Früh an einem Frühlingsmorgen machen sich die beiden auf den Weg in den Wald um ihren schönen großen Eichenbaum zu besuchen, dem gerade die ersten Frühlingstriebe aus den Ästen sprießen.

C. H. Huber, das schicksal ein schwarzes krokodil

h.schoenauer - 02.04.2025

C. H. Huber, das schicksal ein schwarzes krokodilDas Krokodil frisst dem Kasperl aus der Hand, wenn ängstliche Kinder zusehen. Außerhalb der Bühne frisst es freilich alles, woran Menschen hängen – die entlegene Kindheit, den hübschen Körper, die geliebten Angehörigen.

C. H. Huber umkreist in fünf Zyklen die Areale der Verluste, in die jeder Mensch während des Lebens hineingetragen wird. Mit straffen Überschriften werden Trauer und Melancholie auf den Punkt gebracht: Check | schlaf & schlaf | übers jahr | sommer . dennoch | schwarzes krokodil oder requiem für eine tochter.

Gregor Wolf, Liva Bärentochter – Wildes Kind des Waldes

Andreas Markt-Huter - 01.04.2025

Gregor Wolf, Liva Bärentochter„Johan senkte den Kopf und legte die Pfeife auf seinen Oberschenkel. »Wir waren gierig geworden und hatten uns aus dem Wald genommen, was wir wollten. Viel mehr als wir zum Leben brauchten. Das hat die Waldgeister erzürnt. Und sie haben Bärenmutter geschickt. Sie kam also, um uns zu bestrafen und zu warnen. Niemals mehr sollte auch nur ein Krautsaumer einen Baum schlagen oder ein Tier des Waldes töten. Sie hat es uns einfach verboten. Aber nicht alle haben sich daran gehalten.« Johan verstummte.“ (S. 5)

Livia ist eine Waldtrollige, die die gerne heimlich die Menschen besucht. Gemeinsam mit ihrer Mutter Lamilivasursamilva, kurz Mila, lebt sie weit weg von den Menschen, in einem abgeschiedenen Wald. Doch Ruhe und Frieden werden gestört, als der Küchenjunge Anders um sein Leben fliehen muss und in ihrem Wald Schutz sucht.

Eckhard Meineke, Studien zum genderneutralen Maskulinum

Andreas Markt-Huter - 31.03.2025

Eckhard Meineke, Studien zum genderneutralen Maskulinum„Ob es eine ‚grammatisch männliche Personenbezeichnung‘ gibt, ob Genus überhaupt etwas mit Sexus zu tun hat, und wenn ja, in welcher Weise, ob nur eine sprachhistorisch veraltete, in der Gegenwart missverständliche Benennung grammatisches Geschlecht aus der protowissenschaftlichen Zeit der Grammatikbeschreibung des Deutschen zu weitreichenden, gesellschaftlich polarisierenden Irrtümern führt, ist dabei die Frage. Die folgende Darstellung geht in ihrem Verlauf darauf ein.“ (S. 10)

Die Diskussion rund um das „genderneutrale Maskulinum“ der deutschen Sprache in der Gegenwart hat mittlerweile, über das akademische Milieu hinaus, in breiten Teilen der Gesellschaft ein Echo gefunden. Ursache dafür dürften die damit verbundenen gesellschaftspolitischen Forderungen sein, die zunehmend kontrovers und emotional diskutiert werden.

Carissa Broadbent, The Ashes and the Star-Cursed King

Andreas Markt-Huter - 29.03.2025

Carissa Broadbent, The Ashes and the Star-Cursed King„In dem Moment wusste der König, dass seine größte Liebe zugleich sein Untergang sein würde und dass beides – so ungewöhnlich es auch scheinen mochte – in Gestalt einer jungen, menschlichen Frau in Erscheinung treten würde. Lange hatte er diese Erkenntnis verdrängt. Länger vermutlich, als er sich eingestehen wollte.“ (S. 7)

Der zweite Band der Fantasy-Reihe „Crowns of Nyaxia“ beginnt nach dem Tod von Orayas Ziehvater Vincent, dem König der Hiaj-Nachtgeborenen, der sie als Kind einer Menschenfamilie nach der Zerstörung ihrer Stadt adoptierte hat. Ausgerechnet ihr Geliebter, Rishan-Vampir Raihn, tötet Vincent und erklärt sie nach seiner Machtübernahme zu seiner Königin. Aus Sicherheitsgründen, aber auch um sie zu kontrollieren, lässt Raihn sie während der Nacht in ihren Gemächern einsperren.

Sonja Kaiblinger, Das geheime Gold der Zwerge

Andreas Markt-Huter - 27.03.2025

Sonja Kaiblinger, Das geheime Gold der Zwerge„Brutus ist Tims Hund und ziemlich wild. Gerade bellt er aufgeregt, weil der Postbote kommt. Aber Tim wirft einen Ball und schon ist Brutus abgelenkt. Der Hund wedelt mit dem Schwanz und rennt los. Dann bringt er den Ball zurück zu Tim.“ (S. 9)

Tim geht gerne mit seine Hund Brutus spazieren, auch wenn sich dieser manchmal recht wild zeigt und beim Briefträger gerne bellt. Tim gelingt es dann immer, den aufgeregten Hund abzulenken. Während Brutus in seinem Körbchen einschläft, hat Tim Gelegenheit auf seinem Tablet das Spiel „Das Geheimnis der Kampfzwerge“ zu spielen.

Kurt Leutgeb, Berlin & Paris

h.schoenauer - 26.03.2025

 Kurt Leutgeb, Berlin und ParisSeit der Literaturmarkt die einzelnen Werke verwechselbar macht und im Sinne der KI einheitliche Texte einfordert, müssen die letzten ums Lesen und Schreiben Kämpfenden neue Publikationsformen entwickeln. Der Sisyphus Verlag leistet sich dabei zwei Experimente. Im Falle von Ludwig Roman Fleischer werden etwa seine Werke in eine Themen-Trommel geschüttet und neu gemischt und verdichtet. Im Falle von Kurt Leutgeb werden unter dem Aspekt einer Gesamtausgabe mehrere Stufen der Edition eines Werks vorgestellt, dabei wird die Rezeptionsgeschichte wesentlicher Teil der Erzählung.

Kurt Leutgeb stellt sein Projekt „Berlin & Paris“ zweimal vor. Dadurch wird offengelegt, wie sich der gleiche Stoff einmal als Roman und ein andermal als Novelle an das Lesepublikum heranschleicht. In beiden Fällen ist die Auflage überschaubar, sodass man als Autor zu jedem Genre quasi die Gesamtzahl der Lesenden im Auge behalten kann.

Anette Thumser, Ritter Ragnar Drachenherz - Es ist kalt im Buckelwald

Andreas Markt-Huter - 25.03.2025

Anette Thumser, Ritter Ragnar Drachenherz„Auf dem Turm von Burg Königsbart knattern die Fahnen lustig im Wind. »Uff«, schnauft Ragnar, »das waren viele Stufen!« Elmi kichert. Vor der sonnigen Landschaft sieht das Hermelin aus wie eine Wolke am Himmel. »Aber von hier oben kann man den Buckelwald sehen«, antwortet es. »Und da liegt tatsächlich Schnee – mitten im Sommer!«

Im Königreich herrschte ein seltsamer Frost, der den ganzen Buckelwald in tiefen Schnee hüllt. Vom Burgturm aus betrachten Ragnar und sein Freund, das Hermelin Elmi, die merkwürdige Naturerscheinung. Dass ein Zauberer vom König der Auftrag erhält, den Frost zu beseitigen, gefällt den beiden überhaupt nicht. Sie müssen dabei an den unangenehmen Zauberer Magus Magnus denken, von dem Elmi fortlaufen hat können.

Hannes Vyoral, frühstück wie immer – alltagsgedichte

h.schoenauer - 24.03.2025

Hannes Vyoral, frühstück wie immerGedichte wühlen uns auf, wenn sie uns in flagranti im Alltag erwischen. Sie erwärmen uns, wenn sie Ordnung ins Tagwerk bringen, sie schärfen unsere Sinne, wenn sie uns die beiläufige Petitesse als Teil eines Weltdramas zeigen.

Hannes Vyoral nimmt das „frühstück wie immer“ als Anlass, den Tag aufs Neue anzugehen. Die Aktionen rund ums Morgenritual des Aufstehens liefern zuerst nur Halbsätze, die sich im lyrischen Ich Gehör verschaffen, allmählich entwickelt sich aber ein komplettes Frühstücksbild mit Zähneputzen, Marmorkuchen und dem Entzünden neuer Gedanken, die wie Vögel durchs Gehirn huschen. Wenn dann das erste Papier ausgelegt für das Scheiben, kann der Alltag des Dichters beginnen. Der Begriff „Alltagsgedicht“ beschreibt sowohl die Entstehung des Gedichts als auch die Transformation alltäglicher Denkmasse in Lyrik.