Aktuelle Buchtipps

 

Brigitte Schniggenfittig / Jörg Wagner, Wer sagt denn sowas?

Andreas Markt-Huter - 27.05.2025

Brigitte Schniggenfittig, Wer sagt denn sowas?„Viele Reisen beginnen an einem Bahnhof. Auch am Anfang unserer Sprachreise steht ein Bahnhof, nämlich das Wort Bahnhof. »Ich verstehen nur Bahnhof« - das sagst du vielleicht, wenn du nicht verstehst, was andere zu dir sagen. »Wie meinst du das?«, fragst du dann, und vielleicht ist alles schnell geklärt. Es ist also nicht so schlimm, wenn du manchmal Bahnhof verstehst. Nicht schlimm und auch nicht verwunderlich.“ (S. 15)

„Wer sagt denn sowas?“ setzt sich mit der spannenden Welt der Redewendungen und dem Wunder der Kommunikation auseinander. Dabei wird der faszinierenden Frage nachgegangen wie aus 40 Lauten und 30 Buchstaben der deutschen Sprache hunderttausende Wörter und immer neue Sätze entstehen und verstanden werden können.

Jörg Zemmler, leihworte

h.schoenauer - 26.05.2025

Jörg Zemmler, leihworteDie fundamentalste Art, die Literaturbühne zu betreten, besteht im Auftauchen als Manifest. Vor knapp einem Vierteljahrhundert ist Jörg Zemmler mit einem Manifest an die Öffentlichkeit getreten, das auf den Leihcharakter der Literatur hinweist. „Leihworte“ zeigen unter anderem, was wir uns von unseren Vorgängern abschauen und ausleihen können. Ein verlässlicher Zugang ist dabei oft die Paradoxie. „Multimedialität entsteht aus electronic meets lyric, Prosa meets Bild und Sprache meets Text. Fragen Sie Schwitters K. und Cage J., weshalb.“ (Jörg Zemmler)

Die Neuauflage dieser Leihworte ist aktuell und zeitlos, weshalb auch Teile Originalrezension aus 2004 geeignet sind, dieses Werk abermals zu beschreiben und zu würdigen.

Lucy Fleming, Mina und der Trau-dich-Zauber

Andreas Markt-Huter - 24.05.2025

Lucy Fleming, Mina und der Trau-dich-Zauber„Mitten im Wald steht eine riesengroße, kräftige Eiche. Während des Sommers tanzen, rascheln und flüstern ihre Blätter, als ob sie Geheimnisse zu erzählen hätten … Und wenn du ganz genau hinschaust, entdeckst du vielleicht ein winzig kleines Blattmädchen … Es heißt Mina.“

Mina ist ein winzig kleines Blattmädchen mit daunenweichen Flügeln, einem hübschen blauen Kleidchen und Zweiglein in ihrem roten Haar. Mina ist das fröhlichste Blattwesen mit dem lautesten Lachen und dem breitesten Grinsen, das überall imstande ist, ein Abenteuer zu entdecken.

Alois Schöpf, Blasmusikfibel

h.schoenauer - 23.05.2025

Alois Schöpf, BlasmusikfibelIn der Medienkunde kursiert der sorgfältige Witz, wonach man zur App früher Fibel gesagt habe. Die Blasmusikfibel könnte man somit als nützliche App verwenden, um etwas über angewandte Hörkunst, Trachtenjoppe als soziologischen Filz und heißer Luft als Tonträger zu erfahren. Alle diese Erkenntnisfelder stecken nämlich im Phänomen Blasmusik.

Alois Schöpf hat als Dorfkind, Konservatoriumsschüler, Kapellmeister, Konzertveranstalter und Musikkritiker alle notwendigen Stationen durchlaufen, um über das Heiligtum der Nord- und Südtiroler, also die Blasmusik, einen unterhaltsamen Essayband verfassen zu dürfen.

Kayvion Lewis , Royal Gambit

Andreas Markt-Huter - 22.05.2025

Kayvion Lewis, Royal Gambit„Als ich zum schnellsten Sprint meines Lebens ansetzen wollte, packte mich jemand am Fußknöchel. Ich strauchelte. Die Schalfrau rammte mir ihr Knie in den Rücken. Bevor ich mich umdrehen konnte, stach eine Nadel in meinen Hals. Ich spürte, wie sich die Frau auf mir entspannte. Was immer sie mir injiziert hatte, bedeutete, dass der Kampf vorüber war.“ (S. 30)

Unter der Leitung von Count, der Anführerin der Diebesorganisation, sieht sich Ross, trotz des Verrats durch ihren ehemaligen Verbündeten Devroe, weiterhin mit diesem zusammenzuarbeiten. Gemeinsam begeben sie sich auf weltweite Raubzüge, wobei Devroe jede Gelegenheit nutzt, um ihr Vertrauen und ihre Zuneigung zurückzugewinnen. Ross bleibt dennoch misstrauisch, weil sie weiß, ein einziges Wort von ihm ihr Leben kosten könnte.

Siljarosa Schletterer, entschämungen

h.schoenauer - 21.05.2025

Siljarosa Schletterer, entschämungenLyrik ist niemals eine Gebrauchsanweisung für etwas Bestimmtes, aber sie hilft, den Gebrauch der Wörter zu überdenken.

Siljarosa Schletterer überschreibt ihren Gedichtband mit „entschämungen“ und nennt diesen Vorgang eine Körperkantate. Damit sind die Gedichte in ihren Kernzonen aufgesucht, es geht um Körper, Resonanzkörper, Klangkörper und alle damit musikalisch zum Schwingen gebrachten Bedeutungen. Es geht aber auch um diverse Körperteile, die von Scham überklebt sind oder in einem völlig verunsicherten Bedeutungsfeld vor sich hinwirken.

Christoph Minnameier, Lua Luftwurzel - Silberelfen fängt man nicht

Andreas Markt-Huter - 20.05.2025

Christoph Minnameier, Lua Luftwurzel - Silberelfen fängt man nicht„Der Wald war Luas Zuhause und seine Bewohner waren Luas Freunde. Denn Lua war eine Waldelfe. Sie sah eigentlich beinahe aus wie ein Mensch – allerdings mit zwei wesentlichen Unterschieden: Erstens wuchsen aus ihrem Rücken, zarte, fast durchsichtige Flügel. Und zweitens war Lua ziemlich klein. Sie war nur etwa so groß wie der Backenzahn eines Riesen. Also etwas größer als eine Maus, aber deutlich kleiner als ein Hase.“ (S. 9)

Lua kümmert sich um die Tiere im Wald und ist damit vollauf beschäftigt. So hilft sie dem halblinden Maulwurf, seine Wohnung zu finden, schlichtet einen Streit zwischen zwei Eichhörnchen, repariert mit einer Biberfamilie deren Staudamm und rettet einen Hirschkäfer, der verzweifelt auf dem Rücken zappelt. Doch als sie dem Hilferuf eines Vogels in einer Waldhütte nachgeht, gerät sie selbst in arge Bedrängnis.

Paolo Rumiz, Eine Stimme aus der Tiefe

h.schoenauer - 19.05.2025

Paolo Rumiz, Eine Stimme aus der TiefeItalien besteht aus mindestens zwei Ebenen. Einmal aus einer Erdoberfläche, die an manchen Tagen wegen des Overtourismus als solche nicht mehr zu erkennen ist. Und zweitens aus einem unterirdischen Kosmos aus Geräuschen, Magma, Vibration und Explosion.

Paolo Rumiz ist vielleicht einer der letzten Grenzreisenden unserer Zeit, das heißt, er reist nicht nur an eine Grenze der Wahrnehmung, sondern überschreitet sie auch.

Birgitta Sif, Meine Liebe begleitet dich überall hin

Andreas Markt-Huter - 17.05.2025

Birgitta Sif, Meine Liebe begleitet dich überall hin„Liebe Leserin, lieber Leser, ich habe dieses Buch für meine starken, mutigen Töchter geschrieben. All meine Gedanken und meine Liebe für sie stecken darin. Es ist ein Schatz, in dem sie immer wieder lesen können, der sie beim Großwerden begleitet und für sie da ist – in den großen und kleinen Momenten. Und nun hast auch du dieses Buch von jemandem bekommen, der dich liebt und dir damit sagen möchte: Meine Liebe begleitet dich überall hin.“ (S. 5)

In neun Geschichten stehen die großen Themen des Lebens für kleine Kinder im Mittelpunkt und erzählen vom Lernen, von Liebe und Geborgenheit, von Träumen und dem Versuch sie zu verwirklichen aber auch von den großen und schönen Augenblicken im Leben und den alltäglichen kleinen Momenten, die nicht weniger von Bedeutung sind.

Konstantin Kaiser, Ausgedehnte Gegenwart

h.schoenauer - 16.05.2025

Konstantin Kaiser, Ausgedehnte GegenwartManchmal kommt man als Künstler oder Wissenschaftler ganz woanders heraus, als man seine Karriere gestartet hat. Die wahren Lebensaufträge lassen sich nämlich nicht planen, sondern nur abarbeiten bis zum abgerundeten Ende.

Konstantin Kaiser ist während seiner Forschungen und Aufschreibungen auf Theodor Kramer (1897-1958) gestoßen und quasi zu seinem Wiedergänger geworden. Das wird rundherum als Kompliment gehandelt, denn über die Theodor Kramer Gesellschaft, deren Sekretär er lange war, ist Konstantin Kaiser wichtigster Interpret und Aufbereiter jener Literatur geworden, die man in Österreich gemeinhin als Literatur des Exils und Widerstands subsumiert.