Ash Bond, Peregrine Quinn – Chaos auf dem Olymp
„»Bist du dir sicher, dass sie nur schläft?«, flüsterte Peregrine. »Und nicht … du weißt schon …« Sie schielte zu der Bibliothekarin, deren Stirn auf dem Schreibtisch ruhte. Der jungen Frau war ihr Melonenhut vom Kopf gerutscht und ein Paar spitze Ohren mit grünem Rand lugten aus ihrer schwarzen Lockenpracht hervor. »Was? Tot?« Peregrines Patenonkel, Daedalus Bloom, hob das schlaffe Handgelenk der Bibliothekarin an, holte seine Taschenuhr hervor und prüfte ihren Puls.“ (S. 11)
Die zwölfjährige Peregrine Quinn lebt bei ihrem Patenonkel Daedalus Bloom in Oxford, dessen Blumenladen sich direkt um die Ecke der Bodleian-Bibliothek befindet, wo im Leseraum 3, am Buchregal 52 der Portaltunnel 9 angelegt ist. Die Portaltunnel verbinden die kosmische Welt der Olymp AG mit der Welt der Menschen. Doch eines Tages bricht das gesamte Portaltunnel-Netzwerk zusammen. Bald darauf verschwindet Daedalus, der allein, die Portale wiederherstellen kann.
Zwölf Wiener Dialektlieder auf CD, ein Booklet mit den Texten im Dialekt und in einer interlinearen Übertragung, Biographien der Künstler, prägnante musikhistorische Annotation – beglücktes Herz, was willst du mehr!
„Doch das Menschenmädchen schüttelte nur stumm den Kopf. Ihre langen schwarzen Haare flogen im Nachtwind und ein merkwürdiger Geruch stieg der alten Wölfin in die Nase. Ihre Nackenhaare sträubten sich. Irgendetwas stimmte nicht mit diesem weiblichen Jungmenschen. Sie roch falsch. Und dieses Falsche breitete sich aus wie Blut im Schnee nach einem Riss. Knurrend erhob sich die alte Wölfin und wich zurück in die Dunkelheit des Geheges.“ (S. 9)
Andreas Niedermann arbeitet sich mit seinem Erzählband „Das Buch Maloch“ an allem ab, was direkt oder indirekt mit Arbeit zu tun hat. Mit diesem Unterfangen gleicht er dem großen soziologischen Projekt „Geschichte und Eigensinn“, worin Alexander Kluge und Oskar Negt 1981 eine ganze Generation von Arbeitern und Denkern in Atem gehalten haben.
„Zack und Coco sehen sich an und grinsen. Seitdem sie die kleine Krähe Rotza aus den Fängen der zickigen Zwerge befreit haben, hat sie nur noch gute Laune. Sogar jetzt beim Abräumen des Frühstücks in der Speisehalle singt und pfeift sie, was das Zeug hält. Zack ist das fast schon ein bisschen unheimlich.“ (S. 5)
Der Höhepunkt an literarischer Lieblosigkeit wird oft als Ramsch zusammengefasst. Dieser zeigt sich als monotone Talk-Sendung, wenn im Sitzkreis Sätze über Buchcovers ausgespuckt werden, die man schlampig in die Kamera hält. Er zeigt sich als gigantische Schütten, die in den Eingangsbereichen von Buchhandelsketten ausgelegt sind. Und der Ramsch steckt schließlich auch in jenen versiegelten Thementaschen, die zur Zentralmatura in Deutsch österreichweit aufgerissen werden, um mit vorgefertigten Satzmodulen eine KI-generierte Zusammenfassung der Einheitsmeinung zu provozieren.
„Ein Maultier, eine Milchkuh und ein Minipferd stehen unter dem Stalltor und warten, dass die Sonne aufgeht. In allem liegt eine Stille – im feuchten Holz des Stalls, in den Geräten, die an den Wänden hängen, in dem dunklen Himmel über dem Stall. Wenn der Wind bläst, macht die Wetterfahne ein stetes Quiek-quiek-quiek und auch darin liegt eine Stille.
„Die Ereignisse jener Nacht haben die Haare meiner Mutter schneeweiß werden lassen. Und ich habe damals meine Stimme verloren. Seither ist die Innenseite meiner Kehle voller Narben. Bis heute bin ich nicht sicher, ob ich ihretwegen nicht sprechen kann oder wegen des Traumas unserer Flucht, wegen dem, was die Föderation unserem Volk angetan hat. Vielleicht liegt es an beidem. Eines aber ist gewiss: Wenn ich den Mund aufmache, kommt nur Schweigen heraus. Inzwischen weiß ich diese Stille zu nutzen. Bei dem, was ich tue,
Wenn man sich einmal aus Not in einen Käfigmenschen verwandelt hat, kann man dann von Amtswegen resozialisiert werden?
„Eine kleine pelzige Pfote presste sich auf Antons Mund und verschloss den Fluch hinter seinen Lippen. »Still«, raunzte Nepomuk ihm ins Ohr. »Oder willst du vom erstbesten Monster gefressen werden?« Widerwillig schob Anton die Pfote seines Freundes beiseite und sammelte sich blaue Fellflusen von der Zunge. »Vielleicht ist das besser, als von dem Monstergewächs aufgespießt zu werden, in dem wir hocken!«“ (S. 5)