Jane Austen / Claudia Kühn, Stolz und Vorurteil
„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau …“ (S. 4)
Jane Austens Klasser „Pride and Prejudice“ (Stolz und Vorurteil) zählt zu den großen Klassikern der englischen Literatur, der auch durch zahlreiche Verfilmungen weltweite Bekanntheit erlangt hat. Nun liegt das Werk als Gaphic Novel vor, in der die englische Gesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts, das Leben Familie Bennet und die Liebesbeziehung zwischen der aus dem niederen wenig begüterten Adel stammenden Elizabeth Bennet und dem reichen Fitzwilliam Darcy zum Leben erwachen.
Während Vater Bennet sein Leben als Rentier am liebsten ungestört mit Lesen verbringt, bildet für Mutter Bennet die Verheiratung ihrer fünf Töchter Jane, Elizabeth, Mary, Kitty und Lydia den Mittelpunkt ihres Handelns. Grund dafür ist, dass es sich beim Familiengut um ein Fideskommiss handelt, das nach damaligem Erbrecht nur ungeteilt an den nächsten männlichen Verwandten weitergegeben werden darf. Den weiblichen Mitgliedern der Familie Bennet droht nach dem Tod des Vaters somit ein Sturz in die Armut, der nur durch eine vermögende Heirat der Töchter verhindert werden kann.
Die größte Glaubwürdigkeit über die Verfasstheit einer Botschaft, Nachricht oder Erzählung erweckt die Zauberformel 1: 1. Nicht nur vor Gericht erweckt eine Aussage große Authentizität, wenn sie angeblich im Maßstab 1:1 wiedergegeben wird, auch in der Weltliteratur erreicht die Glaubwürdigkeit beim Erzählen ihren Peak, als Jorges Luis Borges von einer Landkarte 1:1 spricht, die durch ihre Maßzahl an Genauigkeit nicht übertroffen werden kann. Von dieser Überlegung leitet sich auch die These ab, dass die ideale Bibliothek eins zu eins der Welt entsprechen müsse, um sie abzubilden.
„Es war einmal ein kleines Land, das hieß Schlaraffien und wurde seit Jahrhunderten von einer langen Reihe von Königen mit blondem Haar regiert. Zu der Zeit, von der ich hier schreibe, herrschte König Fred der Furchtlose.“ (S. 11)
„Ein Bär, der müde ist, ist ein schlecht gelaunter Bär. Die Maus fürchtet sich vor dem Bären, das Eichhörnchen versteckt sich. Der Specht flattert aufgeregt, wenn der Bär brüllt. Und der brüllt jetzt oft durch den sonst so friedlichen Wald. Sanft fällt der Schnee.“
Die beiden wichtigsten literarischen Genres in Österreich sind Amnesie und Anamnese. Im einen Fall wird alles ausgeblendet, was das Wohlbefinden stört, im andern Fall alles geadelt, was zu einer Krankheit führt. So sind im öffentlichen Bereich die Krankengeschichten stärker verbreitet als andernorts die Kriminalgeschichten.
„»Morgen ist Weihnachten und wir bekommen keine Geschenke. Wie schrecklich!«, rief Jo. Sie lag ausgestreckt vor dem Kamin. »Das passiert, wenn man arm ist«, sagte Meg. Sie war die älteste der vier Schwestern. Mürrisch betrachtete sie den Saum ihres alten Kleides. »Wenn Papa nur nicht all sein Geld verloren hätte …« Amy, die jüngste, seufzte ebenfalls. »Es ist ungerecht. Manche Mädchen aus meiner Klasse haben so viel schöne Sachen. Andere haben gar nichts. So wie wir!«“ (S. 9)
Ein Laut, ein Seufzer, ein Schnauben der Verachtung – in der Lyrik erwächst aus einem kleinen Zeichen ein großer Vorgang.
„Hätten wir auch nur ansatzweise geahnt, was wir mit dem Brief auslösen würden, wir hätten ihn in tausend Stücke zerrissen, uns geschüttelt und wären Bratäpfel essen gegangen. Jetzt erst fällt mir auf, dass Zelda auf dem Foto den Umschlag falsch herum gehalten hat. Nicht Name und Anschrift des Adressaten sind zu erkennen, sondern der des Ortes, an dem wir bald mörderische Weihnachten erleben sollten: Montfort Lakebay House Hotel.“ (S. 8)
Soll man sich über ein Buch darüber trauen, wenn es sich laut Gebrauchsanleitung dabei um Elemente aus der Quantenphysik und der Kabbalah handelt?
„Bis du auch schon einmal mitten in der Nacht aufgewacht, ohne zu wissen warum? Einst, und das ist noch gar nicht so lange her, ist das einem Mädchen passiert, Lina war ihr Name. Ihre Augen öffneten sich und sie sah sich um. Ein seltsames schimmerndes Licht ließ die Wände ihres Zimmers aufleuchten.“ (S. 5)