Aktuelle Buchtipps

 

Marcus Schmidt, Die 40 größten Karriere-Mythen

andreas.markt-huter - 18.09.2011

Buch-CoverDer Begriff Headhunter stammt aus dem Amerikanischen, wo bekanntlich in jedem Satz Pragmatismus, Romantik und religiöser Touch zusammentreffen. Ein Headhunter macht sich mit weißem Hemd und einer Trappermütze unter der Kopfhaut jeden Tag daran, für Konzerne und andere Geldgeber Personen aufzustöbern, die sein Vermögen und jenes des Auftraggebers vermehren könnten.

Marcus Schmidt geht in seinem Buch mit aller Erfahrung und Vorurteilen vor. Da der Mensch nichts lieber als Vorurteile hat, hat er eben die gängigsten Karriere-Klischees zusammen getragen. Allein schon wegen dieser Zusammenstellung sollte man dieses Berufsstrategie-Buch lesen. So ist es nämlich für einen normalen Menschen durchaus interessant einmal zu lesen, wie so ein Menschenjäger des Systems tickt.

Peter Härtling, Paul das Hauskind

andreas.markt-huter - 12.09.2011

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"Mit Ehrerbietung sehen wir wohl auf die Vorfahren, mit Vertrauen auf die Zeitgenossen, versäumen aber leicht, auf die Nachkommen zu blicken", bemerkte schon vor über hundert Jahren der deutsche Historiker und Verleger Theodor Toeche-Mittler.

Auch der zehnjährige Paul Beerbach ist ein Kind, das seine Eltern vor lauter Blick auf die eigene Karriere und Selbstverwirklichung richtig gehend übersehen. Pauls Mutter Tina ist Journalistin und schon längere Zeit in New York tätig und merkt gar nicht, wie sehr ihre überschwänglichen Briefe Paul verletzen.

Sreten, An den unbekannten Helden

h.schoenauer - 11.09.2011

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Wenn die Erfindung so stark ist, dass sie vor Phantasie knackt, ist ihre Realität am größten. Sreten Ugricic, der sich der Einfachheit gleich für das nicht-serbische Publikum Sreten nennt, hat einen Roman über sein Land geschrieben, den er ausdrücklich als Nichtfiktion bezeichnet, weil er von so starker Erfindung geprägt ist.

In einer rasenden Bestandsaufnahme, worin historische Mythen genau so vorkommen wie aktuelle Wahlversprechen und touristische Prognosen, wird der unbekannte Held als Erlöser angerufen, indem man ihm die aktuelle Geschichte zu Füßen legt mit der Bitte, er solle sich das einmal ansehen.

Caro King, Sieben Magier

andreas.markt-huter - 10.09.2011

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Im bekannten Schmetterlingtraum des chinesische Weise Zhuang Zhi heißt es: "Nun weiß ich nicht: war ich da ein Mensch, der träumte ein Schmetterling zu sein, oder bin ich jetzt ein Schmetterling, der träumte, er sei ein Mensch?"

Als Nineva Redstone an einem jener ungeliebten Dienstage aufwacht, muss sie mit Schrecken feststellen, dass ihr kleiner Bruder Toby verschwunden ist. Er war nicht nur nicht auffindbar, auch sein Zimmer wies keinerlei Spuren von ihm auf, nichts zeigte, dass er einmal darin gewohnt hätte. Am erschreckendsten aber war, dass sich nicht einmal ihre Eltern und ihr Großvater daran erinnern konnten, jemals einen Sohn oder Enkel Namens Toby gehabt zu haben. Niemand konnte sich an Toby erinnern, nur sie selbst wusste, dass es ihn gegeben hatte. Als Nin Tobys Plüschäffchen in ihrem Garten entdeckt, hat sie den Beweis, dass sie nicht verrückt geworden ist.

Irma Krauß, Ein Versteck im Himmel

andreas.markt-huter - 08.09.2011

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"Das Buch, das du in der Hand hältst, erzählt dir von Jascha, der in einer bösen Zeit geboren wurde und beinahe nicht überlebt hätte." (5)

Es ist April 1942. Ein 9-jähriger jüdischer Bub flieht vor seinen Verfolgern in die nahe gelegene Kirche. Er gehört zu den letzten Juden, die aus dem kleinen Städtchen abtransportiert werden sollen. Als er sich im Turm verstecken will, wird er vom "Einarmigen" gepackt und wieder nach unten gebracht. Als sich aber von draußen die Schritte der Wachmannschaften nähern, erlaubt er Jascha so lange zu bleiben, bis sich die Lage wieder beruhigt hat.

Arno Heinz, Vielleicht nicht ich

h.schoenauer - 08.09.2011

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Die größten Geheimnisse in der Literatur haben immer damit zu tun, dass jemand seine Identität erforscht, die Rolle von Mitbewerbern beim Lebenssinn erkennt und den Ablauf von gepixelten Alltagsteilen zu einer Geschichte zusammenfügt.

Arno Heinz stellt in seiner Spurensuche letztlich alles in Frage. Der Ich-Erzähler hatte offensichtlich einen Unfall und das Gedächtnis hat gelitten. Darauf deutet der erste Teil hin, indem ständig neue Psychiater, Ärzte oder halb-kriminelle Gutachter das Hirn des Erzählers (und was davon übrig geblieben ist) erforschen wollen.

Urs Widmer, Stille Post

h.schoenauer - 08.09.2011

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Geschichten leben ja nicht nur von der eigenen Substanz, von der sie erzählen, sondern sie vermitteln auch durch ihre Umgebung, in der sie sich aufhalten, eine zusätzliche Botschaft. So macht es durchaus Sinn, wenn ein Autor im reifen Alter seine verstreuten Geschichten zusammenpackt und unter einem neuen Motto frisch gekämmt versammelt.

Urs Widmer stellt unter dem programmatischen Titel "Stille Post" sogenannte kleine Prosa vor, die es aber groß in sich hat. In einer Übungskonstellation wird das Kommunikationsspiel "stille Post" anhand einer raffinierten Initiationsgeschichte in den Alpen literarisch angewendet.

Renée Holler, Intrige am Hof des Sonnenkönigs

andreas.markt-huter - 07.09.2011

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"In drei Tagen würde König Ludwig den Dogen von Genua in der Spiegelgalerie des Schlosses empfangen. Der ganze Hofstaat würde sich dort versammeln. Und wie immer in Versailles ging es nicht darum zu sehen, sondern gesehen zu werden." (13)

Es herrscht Aufregung auf Schloss Versailles kurz vor dem geplanten Besuch des Dogen von Genua. Diebe machen das Schloss unsicher und auch Antoinettes Mutter, die Gräfin von Mornay, wird Opfer eines gemeinen Anschlags. Ausgerechnet die Perlenkette, die sie vom König selbst für Dienste an seiner verstorbenen Frau erhalten hatte, ist verschwunden und genau diese Kette glaubt die Gräfin beim Empfang des Dogen tragen zu müssen.

Jane Yolen, Dornrose

andreas.markt-huter - 07.09.2011

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"Ich war die Prinzessin aus dem Schloss, dort im Dornenwald. Ein dunkler Nebel kam über uns, und wir alle sanken in tiefen Schlaf. Aber der Prinz hat mich wachgeküsst. Nur mich.' (24)

Die dreiundzwanzigjähre Rebbecca ist Journalistin und schreibt für den Advocate, die lokale Zeitung der kleinen Stadt Holyoke im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts, wo sie fast täglich ihre Großmutter Gemma im Altersheim besucht. Kurz vor Gemmas Tod kommen auch Rebbeccas ältere Schwestern Sylvia und Shana, die im entfernte L. A. und Houston leben, nach Holyoke, um, um von ihrer Großmutter Abschied zu nehmen.

Stefan Alfare, Der dritte Bettenturm

h.schoenauer - 07.09.2011

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Sogenannte Parallelwelten dienen oft dazu, die offiziell sichtbare Einheitswelt in ihrer wahren Substanz zu erkennen.

In Stefan Alfares Roman Der dritte Bettenturm ist die Welt gleichsam an einem überdimensionierten Betten-Silo in einem anonymen Spital aufgefädelt. Das Schicksal des Helden lässt sich mit einem Halbsatz bereits auf der ersten Seite zusammenfassen ?Ein abgebrochener Schritt, er geriet ins Taumeln. (7) Die Hauptfigur heißt sinnigerweise Victor Flenner, offensichtlich ist Flenners Geschichte zum Weinen, während er selbst recht stupide-melancholisch seine eigene Weltlage beurteilt.