Robert Engele und Christian Penz, Kramasuri
Altes Gerümpel wird ehrfürchtig Kramasuri genannt, wenn man daraus vielleicht noch etwas machen kann. Philosophisch gesehen ist Kramasuri ein Chaos, das liebevoll nach einem ordnenden Eingriff schreit.
Die beiden Redakteure Robert Engele und Christian Penz haben nun das gesamte so genannte Steirerwissen auf einen Haufen geworden und dadurch einen dampfenden Wissensborn erschlossen. Man glaubt s kaum, was nicht alles für eine Meldung gut sein könnte.
Wer glaubt, er ist, was er ist, täuscht sich gewaltig. Im Zeitalter der genetischen Nachverfolgung der Vorfahren entpuppt sich so mancher Stammbaumhalter als formidables Kuckuckskind.
Kann man das Schicksal der Roma etwa gar mit dem bürgerlichen Erzählmittel der Buddenbrooks darstellen? Colum McCann scheint tatsächlich so etwas vorzuhaben, und es funktioniert auf der Oberfläche der Lektüre sogar.
Manche Ausdrücke bringen die Zunge durch bloßes Aussprechen zum Schmelzen. „Landgasthof“ ist so ein sympathischer Begriff, bei dem man sofort an Wärme, Kindheit, Sonntag, Limo und Speckjause erinnert ist.
Offensichtlich gibt es eine Literatur, die nicht für unkompliziertes Lesen gedacht ist. Der Reiz dieser Geschichten besteht oft darin, wie bei einem Rodeo-Ritt möglichst lange im Sattel zu bleiben, ehe man verlässlich abgeworfen wird.
Manchmal knüpft der erste Absatz eines Romans bereits einen dermaßen vertrauenswürdigen Knoten mit dem Leser, dass man von der ersten Zeile an weiß, man ist in guten Erzähl-Händen.
Während sich Münchhausen angeblich mit dem eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen hat, zieht sich in Martin Kolozs Gedichtband das lyrische Ich mit dem Liebeszopf in den Sumpf der Gefühle hinein.
Auch in der Krimiwelt gibt es längst globalisierte Verhältnisse. Da brechen im Drogenparadies Kolumbien unter Bossen Zoff und Verrat aus, und der alte Kontinent Europa muss einspringen, um Kronzeugen und Verrätern Unterschlupf zu gewähren.
Den Sinn des gesamten literarischen Universums in einen einzigen Zweizeiler zu bringen, ist wahrscheinlich die größte Kunst, die einem Dichter gelingen kann. Bei Oswald von Wolkenstein heißt die Zusammenfassung ziemlich einprägsam: „Und wenn ich nun noch länger schwieg’ / wär’s dass ich bald vergessen blieb.“ (146)
In der klassischen österreichischen Literatur tauchen in Kurorten meist angesoffene Kurärzte auf, die sich schwermütig durch die Geographie jammern und im Morgengrauen bei einem Duell abknallen lassen.