Elisa Asenbaum, Interirdisch. Gedichte
Was für eine Verknüpfung des horizontalen Himmelsgewölbes mit einer vertikalen Tiefbohrung in den Untergrund! – In manchen Mundarten wird das Wort „interirdisch“ wie selbstverständlich verwendet, um das Sichtbare mit dem Unsichtbaren zu verknüpfen.
Elisa Asenbaum- stellt mit „interirdisch“ ein Projekt vor, in dem Gedichte und Bilder stets aufs Neue verknüpft werden. Gespeist wird dieses fragile Kunstwerk für den radikalen Augenblick der Realisierung aus einem Textdepot mit etwa vierzig Einzelgedichten, sowie einem Zyklus „Freefly“. Diesen Gedichten stehen zwölf mit römischen Ziffern nummerierte Bilder aus der Serie „interirdisch“ gegenüber, wobei witzigerweise statt der Elf eine Dreizehn auftaucht. Selbst das fragilste Konstrukt braucht eine Dreipunkt-Auflage, um halbwegs gesichert den nächsten Augenblick zu überleben, weshalb als dritte Komponente kursive Texte aus der Wissenschaft eingefügt sind. Dabei geht es um Versuchsanordnungen, Experimente mit Raum und Zeit, und Essay-Entwürfe für eine befreite Gesellschaft.
„Einige Tage schon sind die beiden mit ihren Rucksäcken in den Bergen unterwegs. Eigentlich wollten sie jetzt schon bei Eliots Tante Philomena sein. Philomena wohnt in einer Hütte am Meer, direkt an einer kleinen Badebucht. Sie hat Eliot und Isabella eingeladen, bei ihr die Ferien zu verbringen. Und die beiden würden längst im Meer baden, wenn ihnen nicht ein paar alte Bekannte über den Weg gelaufen wären – der Rattenjunge Bocky Bockwurst und seine Bande.“ (S. 5)
Dem Tagebuch ist es egal, was in der Welt draußen passiert, es schreibt sich zwischen den Buchdeckeln von selbst voll.
„Nach einem berühmten Ausspruch des bedeutenden britischen Philosophen und Mathematikers Alfred North Whiteshead (1861-1947) lautet die »sicherste allgemeine Charakterisierung der europäischen philosophischen Tradition, dass diese in einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht«. In der Tat hat wohl kein anderer Philosoph in der Geschichte der westlichen Philosophie so große Fußstapfen hinterlassen wie Platon.“ (S. 4)
„Überblickt man das vorgeführte, noch höchst unvollständige und oft nur angedeutete Spektrum, dann haben Kontroversen unterschiedliche Entstehungsursachen: Sie resultieren, als Debatten zwischen Weiterentwicklung und Beharren, teils aus dem Wandel der Geschichtswissenschaft bzw. der Mediävistik und somit auch aus dem Zeitgeist, aus veränderten Bedürfnissen und anderen Fragestellungen, die zum Widerspruch derer führen, die am Bisherigen festhalten […], teils aber auch aus dem Anspruch neuer Richtungen, die Geschichtswissenschaft insgesamt zu bestimmen.“ (S. 46)
„Dunkel war’s der Mond schien helle, / schneebedeckt die grüne Flur, / als ein Wagen blitzeschnelle / langsam um die Ecke fuhr. // Drinnen saßen stehend Leute, / schweigend ins Gespräch vertieft, / als ein totgeschossner Hase / auf der Sandbank Schlittschuh lief.“
Unter einem Heuhaufen von digitalen Versprechungen, Stock-Bildern und Werbebotschaften ist ab und zu ein Schatz verborgen: Ein analoges Bilderbuch! – Es ist nicht für die Masse, sondern für Vereinsmitglieder und Freunde von regionalen Kleinodien gedacht.
„Es wuchsen einst auf Hildings Gut / Zwei Pflanzen unter Pflegers Hut, / Nie war auf Nordens grünen Auen / Ein schöner Paar zuvor zu schauen. // Die eine wie die Eiche spross. / Und wie die Lanze ist ihr Schoß, / Um welche stolz im Wind getragen / Dem Helmbusch gleich die Wipfel ragen.“ (S. 5)
Das ideale Denkmal besteht aus einem Sockel, zu dem man sich allerhand hinzudenken kann, was man vielleicht bedenken sollte. So ein Denkmal ist naturgemäß zeitlos und nicht auf die Referenz der jeweiligen gesellschaftlichen Lage angewiesen. Solche Denkmäler werden auch selten gesprengt, weil die Sprengmeister oft gar nicht mitkriegen, dass es hier etwas zu sprengen gäbe.
„In Jonas‘ Welt konnten Tiere sprechen und die Wälder rund um den Hof waren voller Zauberwesen, die er aufspüren und kennenlernen wollte. Letztes Jahr hat er von seinem Großvater eine große Holzkiste bekommen, die er seine Schatzkiste nannte. Sie war bereits mit Knochen, bunten Steinen, Schatzkarten und alten Fotos gefüllt.“ (S. 7)