Aktuelle Buchtipps

 

Catherine Fisher, Stella und der Mondscheinvogel

andreas.markt-huter - 24.09.2022

catherine fisher, stella und der mondscheinvogel„Er warf einen Blick auf das Paket, dann richtete er die Augen auf sie. »Ich muss da raus. Ich muss nachsehen, ob sie es sind. Kann ich dir vertrauen?« Sie zuckte mit den Schultern. »Ja, schon, aber ich …« »Bist du ein ehrliches Mädchen? Du siehst zumindest so aus.« Mit einer plötzlichen, entschlossenen Bewegung streckte er ihr das Paket hin. »Sei so gut und pass kurz
darauf auf. Es dauert nicht lange.«“ (S. 15)

Stella Rhys ist eine Vollwaise, deren Eltern in Indien verstorben sind. Ihre ersten zwölf Jahre hat sie im Waisenhaus St. Mary’s verbracht, bis sie von ihrer Großtante Grace entdeckt und aufgenommen worden ist. Doch auch ihre Großtante verstirbt überraschend und so soll Stella nun bei der Familie von Captain Arthur Jones, einem langjährigen Freund ihres verstorbenen Vaters in, der Villa Plas-y-Fran in Wales leben. Als sie am Bahnhof auf ihren Zug zu ihrem neuen Zuhause wartet, wird sie im Warteraum von einem mysteriösen Herrn um Hilfe gebeten.

Jan David Zimmermann, Den Schatten im Rücken

h.schoenauer - 23.09.2022

jan david zimmermann, den schatten im rückenEine Neuigkeit, bei deren Lektüre es einem wie Schuppen von den Augen fällt, ist der ideale Stoff für eine Novelle. Dieses Genre erweist sich meist als hartnäckiger als die Gegenwart und lässt den Schluss zu, dass etwas erst dann über den Alltag hinaus von Bedeutung ist, wenn es in einer Novelle Platz genommen hat.

Jan David Zimmermann nennt seine Novelle bedrohlich „Den Schatten im Rücken“. Dort wo den Helden oft eine Waffe an den Rücken gesetzt wird, ist es hier der pure Schatten, der auf den Helden zusteuert. Gleich zu Beginn wird der zitierte Plot vorgestellt: Der „Blaubart-Mythos“ ist zu einer gesellschaftskritischen Studie ausgebaut.

Val Emmich, Du bist der Sturm, du bist das Licht

andreas.markt-huter - 22.09.2022

val emmich, du bist der sturm, du bist das licht„Mac Durant, aka Inbegriff aller Sehnsüchte: gut aussehend, klug, charmant, beliebt, Top-Athlet, Zu-perfekt-um-wahr-zu-sein-Herzensbrecher und Idealbesetzung jeder Teenie-Rom-Com, die du je gesehen hast. Und dann dieser geradezu absurd passende Name. Mac Durant. Was zum Teufel macht er hier?“ (S. 13)

Tegan Everly verschwindet nach einer Auseinandersetzung mit ihrer Mutter aus dem Haus und flüchtet ins örtliche Edison-Museum, während vor der Tür ein schrecklicher Schneesturm wütet. Zu ihrem Erstaunen bleibt sie im Museum aber nicht lange allein.

Angelika Stallhofer, Stille Kometen

h.schoenauer - 21.09.2022

angelika stallhofer, stille kometenLyrik steckt meist schon auf den ersten Blick ein Territorium ab, das mit eigentümlichen Fügungen beschrieben wird, wie man etwa Stadtviertel mit Graffiti markiert. Die lyrischen Signale zeigen den Eingeweihten sowohl Tageslosung als auch Zukunftsprogramm, während Außenstehende die Wort-Zeichen wie Piktogramme lesen, denen keine unmittelbare Handlung folgt.

Angelika Stallhofer nennt ihre Gedichte-Sammlung „stille Kometen“, sie weitet ihr Wortrevier aus, indem sie ins Universum blickt, aus dem heraus vielleicht lautlos Kometen einschlagen. Von dieser Konstellation stiller Kometen ausgehend erhält auch die Wortkette mit den fünf Kapitelüberschriften eine erste Deutungsmöglichkeit: Brennen, Wasserstellen, Surren, Schlingen, Schwebebahn. Die Begriffe erzählen eine Geschichte, wie es Objekte in einer Galerie tun, wenn sie hintereinander abgegangen werden und sich bei den Flanierenden zu einem individuellen Ereignis verdichten.

Claudia Gliemann, Papas Seele hat Schnupfen

andreas.markt-huter - 20.09.2022

claudia gliemann, papas seele hat schnupfen„In letzter Zeit sieht Papa aber immer so traurig aus. Und manchmal sieht es aus, als hätte er sogar Angst vor dem Seil. Dann bleibt er im Bett und sein Lachen ist verschwunden. Kolumbus und ich versuchen dann immer, ihn zum Lachen zu bringen und überlegen uns die witzigsten Kunststücke. Aber das hilft meistens nichts.“

Die junge Nele arbeitet mit ihrer Familie im Zirkus, wo bereits ihre Urgroßeltern als Seilartisten aufgetreten sind und sogar bei der Zirkusolympiade von Manello gewonnen haben. Und auch Nele balanciert schon gemeinsam mit ihren Eltern hoch auf dem Seil. Doch in letzter Zeit erlebt sie ihren Papa tief traurig und voller Angst.

Frank Wilczek, Fundamentals. Die zehn Prinzipien der modernen Physik

andreas.markt-huter - 19.09.2022

frank wilczek, fundamentals„Dieses Buch handelt von den fundamentalen Erkenntnissen, die wir beim Studium der Natur gewinnen können. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die unbedingt wissen wollen, was die moderne Physik darüber sagt. Es sind Juristen, Ärzte, Künstler, Studenten, Lehrer, Eltern oder einfach wissbegierige Leute. Sie sind intelligent, haben aber kaum einschlägige Kenntnisse. Ich habe im Folgenden versucht, die zentralen Botschaften der modernen Physik so einfach wie möglich darzustellen, ohne es an Genauigkeit fehlen zu lassen.“ (S. 9)

Frank Wilczek formuliert in zehn Leitsätzen die zentralen Erkenntnisse der Wissenschaft über die Grundlagen des Universums. Jeder Gegenstand der Untersuchung wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und mit einem spannenden Ausblick auf der Grundlage von faktenbasierenden Vermutungen abgeschlossen, die zeigen sollen, dass unser Verständnis der Natur anwächst und sich stetig verändert.

Vitali Konstantinov, Alles Geld der Welt

andreas.markt-huter - 17.09.2022

vitali konstantinov, alles geld der welt„Was ist Geld? Wofür braucht man es? Münzen sind Geld. Banknoten ebenso. Eine Zahl auf dem Bildschirm kann auch Geld sein. Oder eine Vorstellung im Kopf! Ohne Geld geht fast nichts. Wir benutzen Geld praktisch jeden Tag. Beinahe alles wird dadurch gesteuert: sei es Brotbacken, Schulunterricht, Kriegsführung, Fußballspiele oder der Bau von Weltraumraketen.“ (S. 6)

Was ist eigentlich Geld, das scheinbar jede Facette unseres Lebens zu bestimmen scheint? Woher kommt es, wie hat es sich im Laufe der Zeiten entwickelt und welche Ideen stecken hinter der Verwendung von Geld? Diesen und ähnlichen Fragen geht das Kindersachbuch „Alles Geld der Welt“, in dem sich alles um die Geschichte des Geldes und seine Rolle für das menschliche Leben dreht.

Alexandra Millner (Hg.), Extended Rosei

h.schoenauer - 16.09.2022

alexandra millner, extended roseiWarum ist die eine Literatur groß und die andere bleibt unsichtbar? – Weil die eine mit viel Sekundärliteratur unterlegt ist und die andere als zu dünnhäutig nicht mit dem vorhandenen Besteck seziert werden kann. Sekundärliteratur ist das Schmiermittel einer bestimmten Sorte von Literaturmarkt und macht mit der Zeit aus jedem Text eine große Sache.

Sekundärliteratur ist zwar eine Gebrauchsliteratur, die in der Hauptsache das germanistische Treiben zwischen Kongressen, Archiven und Feierlichkeiten abbilden soll, für den lesenden Endverbraucher können solche Reader aber von gutem Nutzen sein, zeigen sie doch im Idealfall schon durch die bloße Aufgliederung eines Themas, wie man einer „großen“ literarischen Persönlichkeit begegnen könnte.

Ursula K. Le Guin, Grenzwelten

andreas.markt-huter - 15.09.2022

ursula le guin, grenzwelten„Meer – Wald. Das war’s, was auf New Tahiti zur Auswahl stand. Wasser und Sonne oder Dunkelheit und Laub. Aber jetzt waren Männer gekommen, um der Dunkelheit ein Ende zu bereiten und das Durcheinander an Bäumen in saubere, gesägte Bohlen zu verwandeln, die auf der Erde kostbarer waren als Gold.“ (S. 22 f)

„Grenzwelten“ bietet zwei Science-Fiction-Romane aus Ursula K. Le Guins „Hainish-Zyklus“ aus den Jahren 1976 und 2000 in einer Neuübersetzung von Karen Nölle. Im Zentrum beider Romane steht die Auseinandersetzung mit Ausbeutung und Unterdrückung fremder Welten und Kulturen für den eigenen Gewinn.

Friedrich Hahn, Die späte Frau und andere Romangeschichten

h.schoenauer - 14.09.2022

friedrich hahn, die späte frauWie an einer Schleuse treffen Autor und Leser jäh aufeinander und müssen ihre Erfahrungslevel aufeinander abstimmen, damit der Text passieren kann. Eine elementare Bedeutung kommt dabei der Außenhaut des Textes zu, die diesen vor zu hartem Aufeinandertreffen mit dem Leser und seiner Realität schützt.

Friedrich Hahn gibt dieser „Außenhaut“ in seinen Romanen viel Platz. Zum einen installiert er raffinierte Rahmenhandlungen, in die er die Texte wie Bilder hineinmanövriert, zum anderen platziert er um den Kern des Romans allerhand Material herum, das diesen abfedert und vor Brüchen schützt wie Verpackungsmaterial. Diese Absätze, Notate, Erinnerungsskizzen und Aphorismen laufen beim Autor mehr oder weniger getaktet ein und sind fürs erste keinem Genre zuzuordnen.