„Zur weiteren Vorbereitung der Unternehmensgründung und des Achenseeprojekts konstituierte sich am 23. April 1924 in Wien in den Räumen der Allgemeinen Österreichi-schen Boden-Credit-Anstalt ein Interimskomitee der Tiroler Wasserkraftwerke AG (TI-WAG).“ (S. 39)
Die Tiroler Elektrizitätswirtschaft stellt seit den 1920er Jahren neben dem Tourismus eine wich-tige Triebfeder für die ökonomische Entwicklung Tirols dar und nahm so eine nicht zu unter-schätzende Rolle im wirtschaftlichen Leben des Landes ein.
Manfred Grieger orientiert sich bei der Darstellung der Geschichte der Elektrizitätswirtschaft an den politischen Zäsuren, weshalb die drei Kapitel dementsprechend gegliedert sind. Im ersten wird die Zwischenkriegszeit und der Ständestaat behandelt, wobei besonders die Entwicklung eines Kreises von Wasserkraftexperten im Mittelpunkt steht, welcher durch seine Ideen und Großbauprojekte die Tiroler Elektrifizierung geprägt hat und über Jahrzehnte mit der Tiroler Energiewirtschaft verbunden geblieben ist. Ebenso werden die Gründung der Tiroler Wasser-kraft AG (TIWAG), die Stromexportwirtschaft nach Bayern und Inn-Schiene, das Scheitern der „Westtiroler Wasserkräfte“ und die Expansionspläne des Ständestaates behandelt.
Im zweiten Kapitel wird die Zeit des Nationalsozialismus unter die Lupe genommen. Dabei stehen die regionale Zentralisierung der Stromversorgung durch die TIWAG, die gigantischen energiewirtschaftlichen Ausbaupläne und die Ausbeutung ausländischer Zwangsarbeiter im Fokus. Dabei wird die Stromversorgung der Rüstungsindustrie als wesentliches Motiv des be-schleunigten Ausbaues der Tiroler Wasserkraft angeführt.
Im letzten Kapitel steht die Entwicklung der Energiewirtschaft in der Zweiten Republik im Vor-dergrund. Besonders der Neuanfang und die Kontinuität in den ersten Nachkriegsjahren, die Neuordnung der Tiroler Elektrizitätswirtschaft durch das 2. Verstaatlichungsgesetz und die Großprojekte der Tiroler Energiewirtschaft im Zentrum der Betrachtung. Die Bauprojekte des Nationalsozialismus wurden in der Zweiten Republik verschlankt beendet und andere Energie-bauten stiegen zu nationalen Symbolen der österreichischen Modernisierungspolitik auf.
Manfred Grieger umspannt mit seiner detailreichen Monographie „Voll auf Strom“ die Wasser-kraftwirtschaft Tirols in vier politischen Systemen, von der Ersten Republik, über den Stände-staat und zum Nationalsozialismus bis zur Zweiten Republik, und zeigt dabei die Kontinuitäten und Brüche der Wachstumsgeschichte zwischen 1920 und 1975 auf. Die Monographie konnte durch die Einbettung der Tiroler Elektrizitätswirtschaft in überregionale Strukturen und interna-tionale Zusammenhänge eine große Forschungslücke schließen.
Manfred Grieger, Voll auf Strom. Das Wachstum der Tiroler Elektrizitätswirtschaft im Spannungsfeld von Politik, NS-Herrschaft und gesellschaftlichem Energiehunger 1919 – 1975, Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchivs Bd. 27
Innsbruck: Tiroler Landesarchiv 2025, 760 Seiten, 28,00 €, ISBN 978-3-901464-30-0
Weiterführender Link
Homepage: Tiroler Landesarchiv
Wikipedia: Manfred Grieger
Der 27. Band der Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchivs „Voll auf Strom. Das Wachs-tum der Tiroler Elektrizitätswirtschaft im Spannungsfeld von Politik, NS-Herrschaft und gesell-schaftlichem Energiehunger 1919 – 1975“ von Manfred Grieger, 760 Seiten, ISBN 978-3-901464-30-0 ist im Tiroler Landesarchiv (6020 Innsbruck, Michael-Gaismair-Str. 1; landesar-chiv [at] tirol [dot] gv [dot] at bzw. +43 512 508 Kl. 3503 oder 3502) um € 28,-- (bei Versand zzgl. Porto) oder im Buchhandel erhältlich.
Hannes Spitaler, 22-01-2026
Bearbeitet: Andreas Markt-Huter, 22-01-2026
Hannes Spitaler, BA ist Mitarbeiter im Tiroler Landesarchiv.