Ausgangspunkt des Projektes war das im Schulentwicklungsplan verankerte Ziel einer gezielten und nachhaltigen Leseförderung für alle Kinder. Die Volksschule Forchach und die Volksschule Elmen entwickelten gemeinsam die Idee, Lesemotivation und Lesekompetenz mit einem starken regionalen Bezug zu verbinden.
Daraus entstand der „Lechtaler Sagenkoffer“, ein vielseitiges und nachhaltig einsetzbares Lernangebot rund um die Sagen und Geschichten des Lechtals.
Lesen ist eine zentrale Grundlage für schulisches Lernen und gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb braucht es in der Volksschule vielfältige Möglichkeiten, um Kinder mit unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Vorerfahrungen zu erreichen. Neben dem gezielten Aufbau von Lesefertigkeiten spielen dabei die Freude am Lesen, regelmäßige Lesezeiten, das Vorlesen sowie eine anregende und altersgerechte Auswahl an Texten eine wesentliche Rolle. Das Projekt setzt genau hier an und verbindet gezielte Leseförderung mit spielerischen, kreativen und gemeinschaftlichen Erfahrungen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kinder nachhaltig zum Lesen motiviert und gleichzeitig in ihrer Lesekompetenz gefördert werden können. Lesekompetenz wird dabei ganzheitlich verstanden: Die Kinder sollen Texte sinnerfassend lesen, Informationen entnehmen, Zusammenhänge erkennen, Fragen an Texte stellen und das Gelesene mit ihrem eigenen Wissen und ihren Erfahrungen verbinden. Durch unterschiedliche Lesestrategien und abwechslungsreiche Aufgaben werden diese Fähigkeiten auf vielfältige Weise gefördert.

Der Sagenkoffer verbindet gezielt Leseförderung mit regionaler
Geschichte. KI-generiertes Bild
Eine besondere Rolle spielen dabei Sagen aus der eigenen Region. Sie verbinden Fantasie und Wirklichkeit, erzählen von geheimnisvollen Gestalten, besonderen Ereignissen und bekannten Orten und bieten dadurch einen emotionalen und motivierenden Zugang zum Lesen. Gleichzeitig lernen die Kinder Geschichten und Überlieferungen aus ihrer unmittelbaren Umgebung kennen und setzen sich mit der kulturellen Geschichte ihrer Heimat auseinander.
Ein zentraler Bestandteil des Projektes ist der regionale Bezug zum gesamten Lechtal. Für jede der 14 Gemeinden des Lechtales wurde eine Sage ausgewählt. Damit kommen alle Gemeinden des Lechtales im „Lechtaler Sagenkoffer“ vor und werden durch eine eigene Geschichte repräsentiert. Zu jeder dieser 14 Sagen wurde passendes Lege- und Lernmaterial entwickelt, das die Kinder dabei unterstützt, sich spielerisch und auf vielfältige Weise mit den jeweiligen Inhalten auseinanderzusetzen. So verbindet der Sagenkoffer die Leseförderung mit den regionalen Geschichten und Besonderheiten des gesamten Lechtales.
Aus diesen regionalen Geschichten wurde der „Lechtaler Sagenkoffer“ entwickelt. Er enthält vielfältige Lern- und Lesespiele zu den einzelnen Sagen und kann flexibel im Unterricht, in offenen Lernphasen oder als ergänzendes Lesematerial eingesetzt werden. Die Geschichten werden beispielsweise in kurzen täglichen Vorleseeinheiten vorgestellt. Anschließend setzen sich die Kinder selbstständig oder gemeinsam mit anderen mit den Inhalten auseinander.
Zum Einsatz kommen unter anderem Lesebingos, Memorys, Domino- und Trimino-Spiele, Lesepuzzles, Zuordnungsaufgaben, Fehlersuchaufgaben und Brettspiele. Die unterschiedlichen Zugänge ermöglichen es den Kindern, sich wiederholt und auf abwechslungsreiche Weise mit den Texten auseinanderzusetzen. Lesen wird dadurch nicht ausschließlich als Übung erlebt, sondern als spielerische und gemeinschaftliche Tätigkeit.

Die Auseinandersetzung mit den Geschichten erfolgt über
vielfältige Weise spielerisch. KI-generiertes Bild
Darüber hinaus eröffnet der „Lechtaler Sagenkoffer“ zahlreiche Möglichkeiten für einen fächerübergreifenden Unterricht. Die Kinder können Sagen szenisch darstellen, Bilder und Bühnenbilder gestalten, eigene Geschichten und Sagen schreiben, ein Kamishibai entwickeln oder eine Sage als Audiodatei aufnehmen. Auf diese Weise wird Lesen mit Sprache, kreativem Gestalten, Kunst, Werken und digitalen Medien verbunden. Die Kinder können Inhalte nicht nur lesen und verstehen, sondern sie auch auf unterschiedliche Weise weiterverarbeiten und selbst kreativ werden.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projektes ist die Selbstständigkeit der Kinder. Die Materialien sind so gestaltet, dass die Schülerinnen und Schüler die Geschichten wiederholt lesen, Inhalte gemeinsam besprechen und Aufgaben zunehmend eigenständig bearbeiten können. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und verschiedene Spielformen ermöglichen es, Kinder mit unterschiedlichen Lesefertigkeiten einzubeziehen. Dadurch können die Materialien flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder angepasst werden.
Das Besondere am „Lechtaler Sagenkoffer“ liegt in der Verbindung von systematischer Leseförderung mit regionalem Kulturgut. Die Sagen dienen nicht nur als Lesetexte, sondern als Ausgangspunkt für vielfältige Lern-, Spiel- und Gestaltungsmöglichkeiten. Durch die Auswahl von jeweils einer Sage aus allen 14 Gemeinden des Lechtales entsteht ein gemeinsames regionales Gesamtbild. Die Kinder verbessern ihre Lesefertigkeiten und setzen sich gleichzeitig mit ihrer näheren Umgebung, ihrer regionalen Geschichte und den überlieferten Geschichten des gesamten Lechtales auseinander. So werden Lesemotivation, Lesekompetenz, kulturelle Bildung und regionale Verbundenheit miteinander verknüpft.

Die Sagenwelt des Lechtales bietet eine Vielzahl
spannender Geschichten wie z.B. die Sage
„Der Putz und der Stier“ KI-generiertes Bild.
Das Projekt ist zudem auf Nachhaltigkeit und langfristige Nutzung ausgerichtet. Die entwickelten Materialien können über einen längeren Zeitraum, in unterschiedlichen Klassen und für verschiedene Lernvoraussetzungen eingesetzt werden. Durch die Verbindung von sorgfältig ausgewählten regionalen Sagen mit eigens entwickeltem Lege- und Lernmaterial entsteht ein vielseitiges Lernangebot, das immer wieder aufgegriffen und in unterschiedlichen Unterrichtssituationen eingesetzt werden kann.
Der „Lechtaler Sagenkoffer“ der VS Forchach und VS Elmen zeigt, wie regionale Geschichten zu einem wirkungsvollen Ausgangspunkt für zeitgemäße Leseförderung werden können. Die Kinder begegnen dem Lesen mit Neugier und Freude, setzen sich aktiv mit Texten auseinander und entdecken gleichzeitig die Geschichten, kulturellen Besonderheiten und die Vielfalt aller 14 Gemeinden des Lechtales. So wird das Lechtal selbst zum gemeinsamen Lern- und Leseraum
Weiterführende Links:
Volksschule Forchach
Volksschule Elmen
Lechtal: Die Orte des Lechtals
Sagen.at.: Sagen aus dem Lechtal
Karoline Lorenz und Evelyn Friedl, 20-09-2026
Titelbild: KI-generiert
bearbeitet: Andreas Markt-Huter, 21-09-2026
Karoline Lorenz, M.Ed. BEd ist Direktorin an der Volksschule Forchach.
Evelyn Friedl, BEd ist Direktorin an der Volksschule Elmen