Roman

Daniel Wisser, Ein weißer Elefant

h.schoenauer - 10.05.2016

Romane aus der Arbeitswelt sind im Idealfall grotesk, um so das Ungerechte, Grausame und Sinnlose mit einem Restnutzen an Lust auszustatten.

Daniel Wisser wählt rund um den „weißen Elefanten“ die pure Groteske, um der verschrobenen Wirklichkeit auf die Spur zu kommen. Ein weißer Elefant ist ein Arbeitstier, das auf dem Papier steht oder in einem Arbeitsgebäude den Körper während der Dienstzeit abstellen muss.

Lisa Lercher, Faule Marillen

h.schoenauer - 05.05.2016

Regionalkrimis haben meist die Struktur eines Faltprospektes, der in geographischen Belangen dem Tourismus und in menschlichen Agenden der Psychiatrie huldigt. Gute Regionalkrimis führen also das touristische Publikum der Hotellerie und die Einheimischen der Psychiatrie zu.

Lisa Lercher hat sich für die Bestätigung dieser These die Wachau ausgesucht. Der Major Eigner ist zu seinem sechzigsten Geburtstag in die Donau gefallen, wird gerade noch gerettet und ist seither gaga, also pensionsreif. Eigentlich arbeitet er in Wien, aber wo immer er sich aufhält, bricht ein Fall aus dem Boden. So auch in der Wachau, wo Kinder wie in einem Marillen-Film auf einer Baustelle spielen und ein menschliches Skelett entdecken.

Delphine Coulin, Samba für Frankreich

h.schoenauer - 26.04.2016

Warum tut sich das die Meeresschildkröte an, dass sie Tausende Kilometer schwimmt, um zu fressen, und dann wieder zurück hechelt, um die Eier für die nächste Generation in den Heimatsand zu vergraben?

Delphine Coulin lässt das große Thema Migration auf den Mali-Bürger Samba Cissé einprasseln. Er ist nach dem Tod seines Vaters mit einem frischen Matura-Zeugnis in der Tasche aus Mali fortgegangen, um ähnlich der Schildkröte für das Essen und Überleben seines Clans zu sorgen. Nach mehrmaligem Scheitern gelangt er seltsam hartnäckig nach Paris, wo er bei seinem Onkel Unterschlupf findet. Knapp zehn Jahre lang geht alles gut, ehe Samba mit seiner Gutgläubigkeit gegenüber der Behörde alles ins Wanken bringt.

Tobias Pamer, Blutballaden

h.schoenauer - 14.04.2016

Die Regionalgeschichte wirkt umso verlorener, je weiter zurück sie in der Dunkelheit liegt. Wenn eine Gegend nicht eine saftige Schlacht oder ein paar einäugige Helden aufweist, tut sie sich verdammt hart, eine unsterbliche Bedeutung für die Geschäfte der Gegenwart nachzuweisen.

Tobias Pamer nimmt in seinem historischen Roman „Blutballaden“ seine engere Heimat Tarrenz, Starkenberg und Imst ins sprichwörtliche Visier, denn in den Jahren rund um 1405 lugen nur noch die wenigsten Kämpfer unter der Ritterrüstung hervor.

Didi Drobna, Zwischen Schaumstoff

h.schoenauer - 14.04.2016

Im Idealfall schlägt eine bislang unbemerkte Literatur mit Wucht in der Lesercommunity ein und löst Neugierde, Freude und Diskussion aus. Durch die Aktion „Innsbruck liest“ ist heuer der bislang nur Insidern geläufige Roman „Zwischen Schaumstoff“ zu einem Kulturgut für die ganze Stadt geworden.

Im Roman von Didi Drobna geht es ungewöhnlich frech zu, denn die Heldinnen haben ihr Leben noch vor sich und wollen es anders gestalten, als man es ihnen mit diversen Tricks schmackhaft machen will. Die 16-jährige Lisa und die 7-jährige Daisy sind zu Beginn des Romans noch Teil einer Familienaufstellung, die sich aber schon nach den ersten Seiten als Fehlaufstellung erweist. Vater und Mutter schreien sich planlos durch den Haushalt, die Tante kann als Ärztin vermutlich nicht einmal Blutdruck messen und die Oma stirbt einen Sekundentod.

Peter Oberdorfer, Schweres Gift

h.schoenauer - 10.04.2016

Im Bereich der inneren Sicherheit der Wiener Szenerie gibt es allgemein nur schwere Fälle, die von einem schwerfälligen Beamtenapparat nur mühsam abgearbeitet werden können.

Selbstverständlich ist in Peter Oberdorfers Wien-Krimi kein normales sondern schweres Gift im Einsatz. Nicht nur der Beamtenapparat legt alles als großen Fall aus, auch in den Zeitungen werden die Ereignisse schwer und groß dargestellt, dabei gilt die Faustregel, je kleinformatiger das Blatt, umso schwerer der Fall.

Adrian McKinty, Die verlorenen Schwestern

andreas.markt-huter - 03.04.2016

Kaum sind die Bomben aus den Schlagzeilen, gilt der Krieg schon als gelöst und zumindest für die ferne Öffentlichkeit vergessen.

Adrian McKinty verwendet für seine Krimis das vom Bürgerkrieg zerrüttete Nordirland der 1980er Jahre, das älteren Lesejahrgängen noch als aufgewühlter Landstrich in Erinnerung ist, worin sich Militär, Geheimdienste und Untergrundarmeen brutale Scharmützel liefern.

Sandrone Dazieri, In der Finsternis

h.schoenauer - 25.03.2016

Ein schweres Verbrechen dauert immer ein Leben lang, zumindest für das Opfer, wenn es unauflösbar traumatisiert ist.

„In der Finsternis“ nennt sich der Thriller von Sandrone Dazieri, worin als Besonderheit ein ehemaliges Opfer bei der Polizei als Spezialermittler eingesetzt wird. Dante ist als Kind entführt und elf Jahre lang auf einem entlegenen Bauernhof in einem Silo festgehalten worden. In dieser Zeit der Finsternis hat er gelernt, durch Ritzen die Welt zu betrachten. Anhand der wenigen Figuren, die dabei sein Gesichtsfeld durchschreiten, entwickelt er eine Theorie, wie Menschen in ihren Bewegungen ihre charakterlichen Eigenschaften ausdrücken.

Günther Pfeifer, Hawelka & Schierhuber laufen heiß

andreas.markt-huter - 07.03.2016

Gibt es in entlegenen Landstrichen genauso typische Mordtodesarten wie es eben typische Speisen und Getränke gibt? Ein guter Provinzkrimi muss solche Überlegungen schlüssig beantworten.

Günther Pfeifer stellt die gängigste Hinrichtungsform der Gegend in seinem Waldviertler-Mordbuben-Krimi gleich zu Beginn vor: Der Delinquent wird kopfüber in das Blatt einer Kreissäge gerückt und anschließend wird die Bude abgefackelt.

Horst Moser, Etwas bleibt immer

andreas.markt-huter - 04.03.2016

Hat das Leben einen Plan, wenn es aus fröhlichen Kindern ernst abgerackerte Erwachsene macht, oder ist auch das Leben ein Spiel wie das der Kinder im Innenhof?

Horst Moser führt in seinem Roman „Etwas bleibt immer“ ein paar Figuren zusammen, die einst einmal glücklich und ungeniert ihre Kinderzeit im Innenhof einer Wohnanlage verbracht und sich später aus dem Auge verloren haben. Damit die arme Leser-Seele eine Ruhe gibt, setzt er eine Art lose Krimi-Handlung über seinen wirklichen Fall, in welchem es darum geht, wie wir uns alle immer weiter auseinander entwickeln und dabei schrullig und ausgebeult werden.