Michail Bulgakow, Gesammelte Werke
„Hier ist zwar alles fremd, aber offenbar habe ich mich in diesen anderthalb Monaten eingelebt. So schön nach dem Nebel! Zu Hause. Der Fels und das Meer im goldenen Rahmen. Die Bücher im Schrank. Nur ist der Sofabezug so kratzig, wie man sich auch hinlegt, das Kissen hart, so hart ... Aufstehen geht aber auch nicht. Diese Trägheit! Die Hand heben ist schon zu viel. Seit einer halben Stunde sage ich mir, ich sollte den Arm ausstrecken, das Aspirinpulver vom Stuhl nehmen, strecke ihn aber nicht aus ...“ (S. 12)
Der Sammelband umfasst drei Erzählungen aus dem Zeitraum zwischen 1922 und 1925 sowie Bulgakows wichtigstes und bekanntestes Werk den Roman „Der Meister und Margarita“ der heute als Klassiker der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts gilt. In diesem setzt er sich auf satirische Weise mit der Bürokratie und dem Überwachungsstaat der Sowjetunion auseinander.
„Die treu ergebenen Bürger des Königreichs Daxaria beschrieben ihre Heimat gern als ein liebenswertes Chaos. Die Bewohner des feindlichen Königreichs Troivack, hinter dem Alkidischen Meer gelegen, bezeichneten die Leute des benachbarten Kontinents hingegen lieber als »chaotische Vollidioten«. Das hing vor allem mit dem Durcheinander der Straßen und Dörfer zusammen, die ebenso logisch in der Landschaft verstreut worden waren wie etwa ein Schaf, das über die Weide springt.“ (S. 9)
„Eine mittelmäßige Hexe. Sie wäre beleidigt gewesen, hätte es nicht gestimmt. Sie konnte mit einem Fingerschnipsen ihren Kaffee aufwärmen und ihren Schatten bitten, den Mantel zu holen. An einem guten Tag brachte sie auch ein Feuerwerk zustande oder zwei. Wohnzimmertricks. Würde sie gewinnen, würde sie eine richtige Hexe werden wie die aus den alten Märchen.“ (S. 10)
„Der Morgennebel hatte sich noch nicht gelichtet, als er das rote Segel sah. Anfangs war es nur ein vager Umriss im blassgrauen Dunst, ein dunkler Fleck, der nach ein paarmal Blinzeln eine blutrote Färbung annahm. Während Ruhlin das Segel noch neugierig betrachtete, bemerkte er, dass sich darauf ein Symbol befand. Das Segeltuch flatterte in der steifen Brise, die über den selten ruhigen Wassern des Styrnspeldter Meeres wehte, und nach einem weiteren Blinzeln erkannte er das Zeichen von Ulthnir, dem Ersten der Götter, mit gekreuztem Hammer und Schwert.“ (S. 11)
„Die Dashwoods waren eine alteingesessene Familie in Sussex. Sie hatten ein großes Besitztum und wohnten auf Norland Park inmitten ihrer Ländereien, wo sie seit vielen Generationen ein so achtbares Leben geführt hatten, dass sie im ganzen Bekanntenkreis in hohem Ansehen standen“ (Verstand und Gefühl, S. 9)
„Drachen leben. Alle glauben, es gäbe sie nicht mehr, dass die letzten ihrer Art im Gemetzel ausgelöscht wurden. Dass sie in Vergessenheit geraten sind, nur noch Erinnerungen, von denen die Barden erzählen. […] Vor vielen Jahren kamen die Königreiche der Menschen zusammen und wagten sich in die Tiefen der Gebirgswüste. Soldaten verbündeten sich für ein größeres Wohl, um den unheilvollen Drachen ein Ende zu setzen.“ (S. 9)
„Zu der Zeit, da Harald Gilles Söhne in Norwegen herrschten, lebte in den Dörfern um den See Mjøsa eine Sippe, die von allen die »Steinfinnssöhne« genannt wurden. Ihnen gehörten achtzehn große Höfe, verteilt über die Kirchengemeinden der Gegend.“ (S. 7)
„In Nordeland war Harald ein Retter. Ein Befreier und Kämpfer für die Schwachen. Ich hatte seine guten Taten mit eigenen Augen gesehen. Ich verdankte ihm mein Leben, wie so viele andere, die ihm dienten. Doch er war weder Held noch Schurke. Nur ein Mensch, und die Entscheidungen eines Menschen sind nie völlig selbstlos, schon gar nicht die eines Menschen, der mit einem kleinen Jarlstum angefangen und sich den Weg zur Spitze als König erkämpft hatte.“ (S. 17)
„Warum hast du mich in diese Welt zurückgerufen?, fragte er, als er wieder aus dem Dunkel ins Wachsein gezogen wurde. Obwohl er keinen Körper aus Fleisch und Blut hatte, peinigte ihn immer noch Schmerz, den er mit dem Leben selbst hinter sich gelassen zu haben glaubte, und quälten ihn Gedanken, die nicht von ihm weichen wollten. Warum hast du mich aus dem seligen Vergessen gezerrt? Und wie übst du solche Macht, aus, die Bande des Todes selbst zu zerreißen? Stell keine Fragen, Hakatri vom Haus der Tanzenden Jahre, beschied ihn die Stimme von Dreien. Du bist gerufen worden, weil nur du tun kannst, was getan werden muss.“ (S. 37)
„Die Physik hat zum Ziel, einige der grundlegendsten Phänomene in der Welt um uns herum zu verstehen. Sie beschäftigt sich mit Materie und Energie, hier auf der Erde und im gesamten Universum. Die Erklärungskonzepte, die Physikerinnen und Physiker im Lauf der Jahrhunderte entwickelt haben, basieren auf dem, was man in der natürlichen Welt sieht. Manchmal beobachten sie einfach natürliche Phänomene; manchmal führen sie gezielte Experimente durch, um Fragen zu klären, die sich aus der Naturbeobachtung ergeben.“ (S. 7)