Aktuelle Buchtipps

 

Martin Dragosits, Weiße Kreide

h.schoenauer - 17.06.2019

martin dragosits, weiße kreideObwohl Lyrik ständig mit Schnappschüssen und Bildern arbeitet, zeigt sich in ihr immer auch eine Dynamik, eine Bewegung oder ein Lebenslauf.

Martin Dragosits arbeitet schon im Titel mit der Fügung von der weißen Kreide, die je nach eigener Erfahrung beim Leser das flunkernde Wissen an der Tafel evoziert, wo die weiße Kreide in der Hand während einer Prüfung zu Mehl zerbröselt ist. Anderen wird vielleicht ein Stück verfallende Insel ins Auge springen, wenn nach hohem Wellengang abermals und abermals ein Stück Kreide-Küste im Wasser liegt. Und dieses Zerbröseln der Zukunft liegt schließlich auch an den Göttern, wenn sie mit uns die letzte Runde spielen.

Martin Zimmermann (Hg.), Allgemeinbildung. Weltgeschichte

andreas.markt-huter - 15.06.2019

martin zimmermann, allgemeinbildung - weltgeschichte„In der heutigen globalen Welt, in der Menschen verschiedenster Herkunft eng zusammenleben, ist es notwendiger denn je, fremde Kulturen und ihre Geschichte kennenzulernen. Man versteht nicht nur frühere Ereignisse, Personen und ihre Motive – wir erkennen auch besser, welchen Platz wir selbst in dieser Welt und in der Zeit haben.“ (S. 9)

Das Jugendhandbuch zur Weltgeschichte bietet einen gediegenen Überblick über alle Epochen der menschlichen Geschichte. Die Beiträge erstrecken sich von den Frühen Hochkulturen über das antike Griechenland und Rom, vom Mittelalter über die Neuzeit und von der Aufklärung bis in unsere Gegenwart und behandeln die unterschiedlichsten Regionen der Welt und ihre Geschichte.

Ludwig Roman Fleischer, Atlantis

h.schoenauer - 14.06.2019

ludwig roman fleischer, atlantisIn der vollkommen geglückten Geschichtsschreibung fallen individuelle Schicksale gestochen scharf aus der Teigmasse der allgemeinen Geschichte, der Vorgang des Erzählens gleicht dabei dem Keksausstechen eines neugierigen Kindes aus dem ausgewalzten Teig.

Ludwig Roman Fleischer beschreibt schon seit Jahrzehnten nichts anderes als die jeweilige Gegenwart, dabei sind seine Romane oft blumiger und ermunternder als die dargestellte Gesellschaftsmasse. Im aktuellen Roman „Atlantis“ nähern sich angehende Pensionisten auf einem Kreuzfahrtschiff einem Felsen, an dem sie glücklicherweise zerschellen dürfen.

Jenni Desmond, Der Elefant

andreas.markt-huter - 13.06.2019

jenni desmond, der elefant„Es war einmal ein Junge, der nahm sich ein Buch aus dem Regal und begann zu lesen … Er las, dass der Elefant das größte Landsäugetier der Welt ist, dass Elefanten hochintelligent und mit einem herausragenden Erinnerungsvermögen ausgestattet sind.“

Die jungen Leserinnen und Leser begleiten ein neugieriges Kind auf seiner spannenden Lese-Reise durch ein Sachbilderbuch über Elefanten, die größten lebenden Landsäugetiere der Welt. Dabei kann es zahlreiche interessante und wissenswerte Informationen über die großen Tiere erfahren und miterleben.

Kenan Malik, Das Unbehagen in den Kulturen

andreas.markt-huter - 12.06.2019

kenan malik, das unbehagen in den kulturen„Was verstehen wir unter Vielfalt in einer Gesellschaft? Und warum sollten wir Vielfalt wertschätzen oder eben fürchten? Dies sind die Fragen, um die es in diesem Buch geht.“ (S. 19)

Der britische Publizist und Philosoph Kenan Malik setzt sich mit der Einwanderung insbesondere aus muslimischen Ländern nach Europa auseinander und versucht die gesellschaftlichen Reaktionen und Probleme zu analysieren.

Jens Steiner, Die Bratwurstzipfel-Detektive und das Geheimnis des Rollkoffers

andreas.markt-huter - 11.06.2019

jens steiner, die bratwurstzipfel-detektive„»Radek arbeitet für den Geheimdienst, ich hab’s immer schon gewusst!« »Was denn für ein Geheimdienst?«, fragte ich. »Das weiß man nicht. Sonst wäre er ja nicht geheim«, schnappte Leo. »Radek sieht aber nicht gerade so aus, als ob er für einen Geheimdienst arbeiten würde. Ich meine, denk doch mal an die Gummistiefel.«“ (S. 17)

Hätte Clemens nicht ein „Hirn wie ein Nudelsieb“, wäre er vermutlich nie auf den mysteriösen Zettel auf dem sich ein Plan befindet gestoßen, den er unter Herrn Radeks Kellerwohnungstür hervorblitzen gesehen hat. Clemens bester Freund Leo, der nicht nur besonders klug, sondern ebenso neugierig ist, zieht sofort detektivische Schlüsse.

Tomas Venclova, Der magnetische Norden

h.schoenauer - 10.06.2019

tomas venclova, der magnetische nordenÄhnlich dem politischen Adel, dessen Hauptaufgabe darin besteht, untereinander zu heiraten und geheimnisvolle Feste auszurichten, die von einer Kronen-Presse begleitet werden, gibt es auch einen literarischen Adel. Seine Aufgabe besteht in der internationalen Vernetzung, dem Abklappern diverser Lehrstühle und der Weitergabe von Insider-Namen an Verlage quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Tomas Venclova ist vielleicht so ein Literatur-Adeliger, seine Leistung ist überschaubar, 240 Gedichte und drei Stadtführer über Vilnius, aber sein Herumflippen zwischen Vilnius, Moskau und Berkley ist sehenswert. Sein Lebensmotto ist das angenehme Exil.

Michael Ende / Wieland Freund, Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe

andreas.markt-huter - 08.06.2019

Michael Ende / Wieland Freund, Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe„»Du müsstest ganz allein und ohne fremde Hilfe ein möglichst gefährliches Verbrechen begehen – und das willst du doch bestimmt nicht.« »Doch«, antwortete Knirps, »wird gemacht. Was soll ich zum Beispiel tun?« (S. 37)

Dem jungen Knirps, der eigentlich Hastrubel Anaximander Chrysostomos heißt, ist Angst unbekannt, weshalb er auch nicht zwischen Gut und Böse zu unterscheiden vermag. Aus diesem Grund verlässt Knirps heimlich eines Nachts kurzerhand den Puppentheaterwagen seiner Eltern, um sich auf den Weg zum gefürchteten Raubritter Rodrigo Raubein zu machen, von dem er das Bösen kennenlernen will.

Johannes J. Voskuil, Das Büro 5. Und auch Wehmütigkeit

h.schoenauer - 07.06.2019

johannes voskuil, Das Büro 5Ein gigantisches Romanwerk im Ausmaß von über fünftausend Seiten fordert vor allem den Autor, der alles unternehmen muss, um nicht während des Romans zu versterben. Und Unsterblichkeit ist auch vom Übersetzer verlangt, dass er nicht aufgibt. Ein Gigawerk fordert Verlagswesen und Buchhändler heraus und schließlich die Leserschaft. Ein Wahnsinnswerk bringt überhaupt alle an ihre Grenzen.

Johannes J. Voskuil erzählt im „Büro“ die Geschichte der Niederlande zwischen 1957 und den beginnenden 1990er Jahren. Archiv, Forschungsstätte und Weltraumbahnhof der Fiktionen ist dabei ein Volkskundeinstitut, das alles von Sprache, über Gartenzwerge bis hin zu Musik und Lagerfeuern erforscht. Ziel ist es, von der Peripherie her und vom flachen Land aus in die Zentren großer Gedankenentwürfe vorzudringen.

Irmgard Kramer, 17 Erkenntnisse über Leander Blum

andreas.markt-huter - 06.06.2019

irmgard kramer, 17 erkenntnisse über leander blum„Die Vollendung unseres Masterpieces lag zum Greifen nah. Mehr als ein Jahr Vorbereitung, unzählige Sketche, in jeder freien Minute waren wir über Papier gebeugt gewesen und hatten gekritzelt und gezeichnet, alle wieder auf den Kopf gestellt und von vorne begonnen. Jonas war ein Tüftler. Der gab sich so schnell nicht zufrieden.“ (S. 7)

Jonas und Leander sind beste Freunde und seit ihrer Geburt im selben Krankenhaus, am selben Tag eng miteinander verbunden. Ihre Leidenschaft ist das Malen von Graffitis, die unter ihrem Künstler-Tarnnamen „BLUX“ an allen möglichen Orten in Wien zu entdecken sind. Als sich Leander in „Rapunzel“, die zu einer anderen Gruppe von Graffiti-Sprayer gehört verliebt und Jonas ein Märchen vom chinesischen Pinsel entdeckt, geraten die Dinge aus dem Ruder.