Jörn Birkholz, Das Ende der liegenden Acht
Der Weltuntergang muss nicht schrecklich sein, er kann Erleichterung und Sinn verschaffen, wenn zuvor alles schiefgeht.
Jörn Birkholz stellt mit dem „Ende der liegenden Acht“ so etwas wie einen umgekehrten Katastrophen-Roman vor. Üblicherweise sieht man bei Katastrophenfilmen zuerst immer eine heile Welt, wobei viel geturtelt und geliebt wird, ehe beispielsweise der Vulkan ausbricht. Bei Jörn Birkholz ist zuerst die Hartz-4-Hölle los, der Held versinkt im eigenen Hormonstau, auf allen Stockwerken gehen die Lebensentwürfe flöten. Da wirkt es geradezu wie eine Verheißung, als sich die Nachricht verbreitet, ein Atomkraftwerk sei in die Luft geflogen.
„Wir alle kennen mindestens eine Sage oder Legende aus unserem Kulturkreis. Manche dieser überlieferten Geschichten erzählen von vertrauten menschlichen Unzulänglichkeiten, andere wiederum erscheinen uns wild fantastisch, und einige mögen sogar ein bisschen gruselig sein.“ (S. 124)
Echte Provinzromane stellen die wichtigen Fragen in regelmäßigen Abständen. „Aber wie war sie um Himmels willen nun hier gelandet?! Müde, abgearbeitet und fett, fett, fett!“ (10)
„Christian Doppler entdeckte, dass und warum sich Wellenlängen ändern. Er beobachtete nämlich, dass Doppelsterne beim Kreisen um ihren gemeinsamen Schwerpunkt ihre Farbe ändern: nähert sich ein Stern dem Betrachter, so verkürzt sich die Distanz zwischen diesen beiden, die Lichtwellen werden zusammengedrückt, ihre Frequenz steigt somit und es entsteht die Farbe Blau.“ (S. 10)
„Die Geschichte der europäischen Frühen Neuzeit ist faszinierend in ihrer Fremdheit – und vertraut in ihrer Nähe zur eigenen Gegenwart. In dieser Spannung bewegt sich die folgende Einführung und versucht damit einer Sichtweise der letzten Jahre zu weiterer Anerkennung zu verhelfen, die eine Reduzierung der europäischen Geschichte des 16. bis 18. Jahrhunderts auf eine »Vorgeschichte der Moderne« für zu kurzschlüssig hält.“ (S. 9)
„Ob im Garten, auf dem Balkon, im Park oder im Wald – im Freien lässt sich die Natur am besten erforschen. Zu diesem Zweck habe ich für dieses Buch Experimente für draußen ausgewählt, die zeigen, wie die Natur aufgebaut ist und wie wissenschaftliche Arbeit abläuft.“ (S. 6)
Das Weltall und die Geschichte haben, zumindest wenn es nach dem Volksmund geht, eins gemeinsam: Die dunkle Materie in Gestalt von dunklen Löchern!
„Nachdenklich kaute Stella auf ihrer Unterlippe herum. Ihre Mutter hatte Clara geheißen. Sie war die jüngere Schwester der Tanten gewesen und gestorben, als Stella noch ein Baby war. War dies eine Fotografie von ihr? C für Clara, S für Stella. Doch in dem Kinderwagen saßen zwei Babys, die sich außerdem noch so ähnlich sahen, dass sie Zwillinge sein mussten.“ (S. 15)
Wenn die Aufklärung nicht einmal in Zeiten der Globalisierung die Menschen erreicht, wie schlimm muss es erst in Zeiten gewesen sein, wenn alle noch in Tabus und totalitäre Staatsgefüge verstrickt sind?
„Eigentlich wollten die Frau und der Mann ihren Blumenkohl in den Garten pflanzen. Aber dafür war jetzt nicht der richtige Moment. Draußen tobte ein Sturm. Darum taten die Frau und der Mann sonst etwas. Endlich wurde der Regen schwächer. Der Sturm zog davon.“