Stefan Soder, Simonhof
Jeder, der hinter der Lärmschutzmauer durch Tirol rast und einen Blick über die Sichtkante riskiert, fragt sich beklommen, wie hat dieses Land nur so entgleisen können?
Stefan Soder erzählt in seinem Roman „Simonhof“ kurz und glaubwürdig, wie das Land aus der Armut heraus in den Größenwahn explodiert ist und sich jetzt was einfallen lassen muss, will es die Zukunft nicht wieder in Armut erleben. In Form von alpinen Buddenbrooks kommen vier Generationen ins Spiel, die nach altem Alm-Adel vom einem Simon angeführt werden. Hier könnte der Untertitel Aufstieg und Einbremsen einer Familie passen.
„Der Bär hatte lange geschlafen. Sein Magen knurrte. »Mal sehen, was die anderen treiben«, dachte er. Er streifte durch die Wälder. »Komisch«, überlegte er, »dem Fuchs bin ich aber schon lange nicht mehr begegnet. Und die Biberburg sieht auch so ungepflegt aus.« (S. 7 ff)
„Wenn es einen wesentlichen Unterschied zu den Therapien in Hamburg gibt, dann dieses Riesenmaß an Präsenz des Glaubens in den Sitzungen. Ständig verwiesen die Patienten auf eine Stelle im Koran, in den Hadithen oder der Tradition.“ (S. 125)
„Es war ein dunkler, böiger Nachmittag im Frühling, und im ausgetrockneten Bett der Nordsee eröffnete London die Jagd auf eine kleine Schürferstadt. In besseren Zeiten hätte sich London mit so kläglicher Beute gar nicht abgegeben.“ (S. 9)
Das ideale Buch über einen Grünen Salon ist groß wie ein Indoor-Saloon. Für das repräsentative Meran-Buch braucht es vor allem eine große Tischfläche, um das Buch auszulegen. Das Buch ist so weitläufig, dass man beim Durchstreunen angenehm erschöpft wird wie nach einem gelungenen Kur-Rundgang.
„»Passt gut auf! Die Werbehexen verstecken sich überall und hinterlassen ihre Spuren. Sie tun alles, was in ihrer Macht steht, um uns hereinzulegen! Ihr müsst sehr aufmerksam sein, um nicht auf ihre Tricks hereinzufallen« …“ (S. 10)
Auf eine unsichtbar lustvolle Art ist jeden Sommer Europa mit einer fruchtigen Eisschicht überzogen. Wie selbstverständlich wird überall Eis ausgerufen und erotisch verschleckt, dabei kommt das Spitzeneis aus einer Spezialisten-Familie, die vom Cadore aus den Dolomiten heraus die Welt erobert hat.
„Naturwissenschaft ist der Schlüssel zum Verständnis der Welt. Forscher entwickeln Theorien und überprüfen sie mithilfe von Experimenten, um die unterschiedlichsten Fragen zu beantworten – etwa wie Organismen überleben oder warum Flugzeuge nicht vom Himmel fallen.“ (S. 9)
„Wer vergangenes Geschehen rekonstruiert, darf die Möglichkeiten der Handelnden nicht überschätzen. Sie waren geprägt vom Zeitgeist ihrer Milieus, von der Bibel und den Vorgaben der Geschichte. Eine Erzählung des Dreißigjährigen Krieges kann sich deswegen nicht auf die Jahre zwischen 1618 und 1648 beschränken. Jeder historische Anfang besitzt Ursachen und jedes Ende Folgen.“ (23)
„Eikibufi … Viele sind schon dort gewesen, aber kaum jemand kennt den Namen dieses wunderlichen Waldes. Die Bäume wispern ihn einander manchmal zu, immer dann, wenn sie sich darüber unterhalten, dass es auf der ganzen Welt keinen schöneren Wald geben kann.“ (S. 3)