Timo Brunke, 10 Minuten Dings und andere Ideen zum Leben und Schreiben
„Bist du nicht gescheit, doch klug? Liebst du den Gedankenflug? Kritzelst du mit linker Hand gern auf kritzelfreie Wand? Bist du gern nicht ganz bei Trost? Sagst du gern zum Müsli »Prost«? […] Dann, ja dann, Gedankenstrich – Dann ist das ein Buch für Dich!“
Dieses Buch wendet sich nicht nur an sprachinteressierte junge Leserinnen und Leser sondern vor allem an Kinder und Jugendliche, die auch selbst gerne mal mit der Sprache spielen und eigene Zeilen und Texte verfassen möchten. Das Handwerkzeug dazu als ständige Begleiter sind ein Karteikasten, Reiterkarten, Notizheft und Schreibutensilien. Und schon kann das Abenteuer Sprache und Fantasie beginnen.
Alles Helle auf der Vorderseite hat meist etwas Dunkles auf der Hinterseite. Wer mit dem Finger durch die Speisekarte der Wildwochen fährt, muss wissen, dass zumindest in Österreich allerhand Blut und Dreck auf der Rückseite der Speisekarte steht.
„Vor lauter Lachen und Spielen merken die Freunde gar nicht, wie der Tag vergeht, und plötzlich ist es stockdunkel. Schnell leiht sich Filippo von Tinchen eine Laterne und hopst durch den Wald zu seinem Teich.“
Die Geschichte ist nicht nur ein Ablauf von Ereignissen, die hintereinander gelesen eine Story ergeben, Geschichte ist vor allem ein zerrissenes Gebilde, das sich nur schwer zu einer Collage zusammenkleben lässt.
„In diesem wunderlichen Tal in ferner Zukunft reicht häufig ein kleiner Anlass, um etwas ganz Großes in Gang zu setzen. Dass allerdings der Wunsch nach warmen Füßen in einen handfesten Kampf um die Weltherrschaft ausarten könnte …“ (11)
Einen Roman, der ständig explodiert, sich selbst erklärt, den Leser zum Mitarbeiten einlädt und überall auf der Welt synchron spielen kann, nennt man Metafiktion. Das ist immer als ein Kompliment aufzufassen, dass es sich um keinen Krimi handelt.
„Bei Luthers erstem Auftritt vor dem Wormser Reichstag soll der junge Kaiser spontan geäußert haben: »Der wird mich nie zum Ketzer machen!« Luther hatte keinen großen Eindruck hinterlassen, wirkte eher unsicher, linkisch.“ (7)
Das Konsequente an der Geschichte ist, dass sie als gigantischer DNA-Faden durch die Jahrhunderte zieht und nie aufhört. Alles, was in der sogenannten Gegenwart passiert, hat eine mehr oder weniger historio-genetische Verbindung zur Vergangenheit.
„Schrauben und Nägel revolutionierten das Bauwesen: Mit ihnen ließen sich Bretter ohne kunstvoll zurechtgesägte Zapfen verbinden. Ihre Erfolgsgeschichte begann vor 9000 Jahren. (28)
Irgendwo zwischen Tag und Nacht, Leben und Tod, Vergangenheit und Zukunft sind die Tagträume zu Hause, die sich nicht greifen lassen, höchstens umrunden.