Christian Teissl, Stadtauswärts
Es gibt vage Richtungsangaben, die von vorne herein hell und optimistisch wirken wie „stadtauswärts“. Dazu stellt man sich das Tagwerk vor, das man gerade erledigt hat, und jetzt geht es hinaus ins Freie, heim aufs Land, oder einfach stadtauswärts.
Christian Teissl gibt seinen Gedichten lockere Oberbegriffe, mit denen er ihnen einen geordneten Drall verpasst, „Jahrauf jahrab“, „Fundstücke“ und „Abschiede“ sind so etwas wie die Dreifaltigkeit der Melancholie.
„Noch etwas: Ich bitte alle Leser, die dem vierten Abenteuer von Kümmelsaft & Co. nun furchtlos folgen wollen, dieses Buch bei Anbruch der Dunkelheit vorsorglich zur Seite zu legen. Außerdem empfehle ich, es nicht an einsamen, nebelverhangenen Orten zu lesen. Aber nun genug der Vorrede.“ (12)
Jeder Mensch erlebt einmal zwischen Jugend und Erwachsenwerden jeden ultimativen Sommer, der sich aus den puren Elementen Wasser und Luft vor der Sonne ausstreckt, während rundum die Seelen in die Erwachsenenwelt transformiert werden.
Große Erlebnisse wie Sommer, Fußgängerzone, Woodstock, Beach-Volleyball oder Titanic-Untergang lassen sich am besten durch ein Wimmelbuch darstellen. Dabei geht der Betrachter meist in die Knie und holt sich ein Kind als erklärende Betreuung, weil ein Kopf allein diese Explosion von Dynamik nicht aushalten würde.
Eine Bagatelle in der Musik ist letztlich etwas so Mickriges, dass es sich gar nicht lohnt, die Instrumente auszupacken. Im Strafrecht ist eine Bagatelle etwas, was nicht der Mühe wert ist, einem Verfahren zugeführt zu werden.
„Der Gefühleflip mit Gebärden gibt ihnen ein einzigartiges Instrument in die Hand – im wahrsten Sinnes des Wortes. Beim Flippen und Mixen entstehen unzählige Kombinationen entweder aus Wort und Bild oder aus Gebärde und Bild. Es gibt Aha-Erlebnisse und die Freude, wenn es gelingt, das Wort oder die Gebärde zu einem Gefühl zu erobern.“
Das ist ja das Geheimnis am Essay, dass Autorin, Stoff und Publikum nichts falsch machen können. Die Fügung „Cosi fan tutte“ ist das ideale Motto jeglichen Essays.
„Billy war schon immer ein begeisterter Leser gewesen. Doch nach seinem Unfall war seine Begeisterung noch größer geworden. Er konnte einfach nicht genug von Büchern bekommen. Er liebte es, dass man schon nach wenigen Seiten an einen ganz anderen Ort getragen wurde, als säße die Phantasie in einer Art Taxi.“ (9)
Eher gehen einem bei Österreich die Seufzer aus, als dass einem der Stoff ausginge. Eines muss man Österreich nämlich lassen, es liefert literarischen Stoff wie kaum ein anderes Land auf der Welt.
„Schwarze Wolken bedeckten den Himmel, als Mika uns verließ. Der Himmel grollte. Der Regen tollte. Doch wir nahmen nur wahr, wie Mikas letzte, allerletzter Atemzug über den Rand ihres Körbchens strich.“