Konrad Paul Liessmann, Bildung als Provokation
Bildung lässt sich vielleicht mit jenem Kinderspiel vergleichen, das früher analog und politisch unkorrekt gespielt worden ist. „Wer fürchtet sich vorm afrikanischen Mann? - Niemand. - Wenn er aber kommt? - Laufen wir davon.“
Konrad Paul Liessmann hat der Philosophie das Unterhaltsame zurückgegeben, ohne dass sie deshalb flach geworden wäre. Die kompliziertesten Ideen verknüpft er mit griffigen Bildern, er fordert den Widerspruch seiner Diskussionspartner heraus, und das Publikum, arg enttäuscht von Konsum und üblicher Unterhaltungsindustrie, entdeckt plötzlich die Neugierde auf das eigene Leben und liegt dem Philosophen weit gestreut zu Füßen.
„»Der Sommer ist fast vorbei!«, rief der kleine Fuchs. »Kommt, lasst uns spielen, solange die Sonne noch scheint.« Aber seine Freunde waren viel zu beschäftigt. »Der Winter kommt bald«, sagten sie. »Vorher gibt es noch viel zu tun!«“
Wenn die Gedichte ein Schatz sind, kann das Nachwort höchstens ein Tresor sein, bei dem manche Fächer entsperrt sind.
„»Jedes Jahr der gleiche Ärger«, seufzte die junge Bäckerin und wischte sich mit dem Handrücken über die verschwitzte Stirn. Die alte Dame vor ihr nickte. »Weihnachten ist nur noch lästig«, sagte sie leise und die Bäckerin zuckte die Achseln. Der hochgewachsene, hagere Herr hinter ihr zog die Augenbrauen zusammen und schüttelte kaum merklich den Kopf.“ (10)
In Zeiten aufgewühlter Grapsch- und MeToo-Diskussionen wirkt ein literarisch-erotischer Roman umso zeitloser und hintersinniger.
„»Klingeling«, macht Fridas Weihnachtsmütze. Bald ist Weihnachten! Mats und Frida backen Plätzchen. Frida macht kleine Tannenbaum-Plätzchen. Mats streut bunte Streusel.“
Der Führer muss braver sein als das Land, durch das er führt! - Nach dieser Tourismus-Vorgabe erscheinen in Tourismus-Ländern regelmäßig Führer, die eine brave Geschichte fortschreiben und mit dem Hauben-Koch des aktuellen Jahres beenden.
„Fabeln sind Erzählungen über menschliches Denken und Verhalten. Jeder kann seine eigenen Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen in den Beschreibungen von Tieren oder Gegenständen wiedererkennen, ohne sich persönlich beleidigt oder bloßgestellt fühlen zu müssen.“ (91)
Auch wenn er vielleicht ein wenig streng riecht und seine Früchte oft als Abführmittel verwendet werden, so ist der Faulbaum der ideale Schattenspender, um darunter auch ohne Sonne ordentlich zu faulenzen.
„Es war still im Wald und kein einziges Tier war auf der großen Lichtung zu sehen. Alle waren zu Hause und trafen eilig die letzten Vorbereitungen. Denn heute war der Tag, auf den sie sich schon lange gefreut hatten: Heute war endlich Weihnachten!“