Simon Konttas, Bagatellen
Die Steigerung von einem Lyriker ist ein Lyriker mit Theorie.
Simon Konttas gibt seinen fünf lyrischen Weltanschauungen einen „berauschenden“ Titel: In der Ruhe rauschender Blätter. In seinem Nachwort, das man als Einbegleitung lesen sollte, nimmt er das schöne Motto des kolumbianischen Aphoristikers Nicolás Gómez Dávila auf, wonach Gedichte nicht geschrieben werden, damit wir sie lesen, sondern damit wir uns ihrer erinnern. (75)

„Aber je länger ich mich mit den alten Griechen und ihrer Kultur beschäftigte, desto überzeugter bin ich, dass sie herausragende Eigenschaften besaßen, die man in dieser Fülle kaum anderswo im Mittelmeerraum oder im Nahen Osten findet.“ (13)
„Ich bin nicht stolz. Ich bin sechzehn und werde bald obdachlos sein. Ich sitze auf der Veranda und schau in den prasselnden kalten Regen. Unser Hund Bunkbrain sitzt neben mir. Ich würde ihn ja gerne mitnehmen. Er hat’s nicht verdient, in diesem Kaff hier zu bleiben.“ (9)
Jeder Mensch arbeitet ein Leben lang an seiner eigenen Erzählung, mit der er sich und anderen das Leben begreifbar macht. Und dann gibt es ab und zu eine Jahreszeit, da muss man sich selbst alles neu aufsetzen und erklären, weil nichts mehr passt.
„Paul ist ein Mensch, genau wie du. Aber seine Familie ist anders als deine Familie. Sie sind alle Monster. Pauls Eltern schlafen in einem Schrank. Pauls Schwester Olga schläft in der Badewanne. Pauls Bruder Igor schläft mit Paul unter dem Sofa.“ (5ff)
„Wäre es als böses Omen gesehen worden, Erzherzog Ferdinand II. hätte gleich wieder umkehren müssen. Allzu viel ging schief, als der neue Landesfürst am 17. Jänner 1567 in seine zukünftige Residenzstadt Innsbruck einzog.“ (9)
„Der kleine Marienkäfer Mia fliegt über die Wiese. In den Büschen krabbeln viele kleine Tiere. Die Spinne webt ihr Netz zwischen den Ästen und auch die Hasen verstecken sich hier.“
Die Frage nach der Zeit gehört zu den gängigsten Anbahnungsfloskeln. Wenn jemand darauf keine Antwort weiß, liegt entweder ein Verständigungsproblem vor oder der Angefragte ist ein Philosoph.
„Griechenland brachte eine Kultur hervor, die die westliche Zivilisation über Jahrhunderte stark beeinflusst hat. Die Griechen setzten Maßstäbe in Literatur, bildender Kunst, Theater, Philosophie, Politik, Sport und vielen anderen Bereichen.“ (6)
Scheinbar kluge Fragen sollte man immer mit der klügsten Gegenfrage der österreichischen Seele beantworten: Wer lässt fragen? Einig sind sich so ziemlich alle, dass Literatur ein Prozess ist, der nie abgeschlossen ist, der aber dennoch ein fertiges Tagesprodukt abliefert.