Jeremy Reed, Beach Café
Jeder Mensch erlebt einmal zwischen Jugend und Erwachsenwerden jeden ultimativen Sommer, der sich aus den puren Elementen Wasser und Luft vor der Sonne ausstreckt, während rundum die Seelen in die Erwachsenenwelt transformiert werden.
In Jeremy Reeds Roman vom „Beach Café“ bereiten sich vier Jungs auf die dunkle Welt der Erwachsenen vor, indem sie noch alles auf Kante ausprobieren, Musik, Drogen, Körperkult und Sex. Das Quartett hat sich beinahe zufällig am Strand gebildet, als die Vier in die Extremzone rund um den Leuchtturm vorgedrungen sind. Zu Hause warten Arbeit, Ekel, Muse oder Sinnlosigkeit auf sie, am Strand jedoch gehen sie mit ihren zarten unschuldigen Existenzen ans Limit. Dione, Nicholas, Paul und der Ich-Erzähler werden von diesem Warten zusammengeführt, dass etwas passiert.
Große Erlebnisse wie Sommer, Fußgängerzone, Woodstock, Beach-Volleyball oder Titanic-Untergang lassen sich am besten durch ein Wimmelbuch darstellen. Dabei geht der Betrachter meist in die Knie und holt sich ein Kind als erklärende Betreuung, weil ein Kopf allein diese Explosion von Dynamik nicht aushalten würde.
Eine Bagatelle in der Musik ist letztlich etwas so Mickriges, dass es sich gar nicht lohnt, die Instrumente auszupacken. Im Strafrecht ist eine Bagatelle etwas, was nicht der Mühe wert ist, einem Verfahren zugeführt zu werden.
„Der Gefühleflip mit Gebärden gibt ihnen ein einzigartiges Instrument in die Hand – im wahrsten Sinnes des Wortes. Beim Flippen und Mixen entstehen unzählige Kombinationen entweder aus Wort und Bild oder aus Gebärde und Bild. Es gibt Aha-Erlebnisse und die Freude, wenn es gelingt, das Wort oder die Gebärde zu einem Gefühl zu erobern.“
Das ist ja das Geheimnis am Essay, dass Autorin, Stoff und Publikum nichts falsch machen können. Die Fügung „Cosi fan tutte“ ist das ideale Motto jeglichen Essays.
„Billy war schon immer ein begeisterter Leser gewesen. Doch nach seinem Unfall war seine Begeisterung noch größer geworden. Er konnte einfach nicht genug von Büchern bekommen. Er liebte es, dass man schon nach wenigen Seiten an einen ganz anderen Ort getragen wurde, als säße die Phantasie in einer Art Taxi.“ (9)
Eher gehen einem bei Österreich die Seufzer aus, als dass einem der Stoff ausginge. Eines muss man Österreich nämlich lassen, es liefert literarischen Stoff wie kaum ein anderes Land auf der Welt.
„Schwarze Wolken bedeckten den Himmel, als Mika uns verließ. Der Himmel grollte. Der Regen tollte. Doch wir nahmen nur wahr, wie Mikas letzte, allerletzter Atemzug über den Rand ihres Körbchens strich.“
Die Tiroler sind die idealen Abenteurer, die überall auf der Welt Staunen auslösen. Seit Jahrhunderten arbeiten sie an diesem Mythos.
„Die Leiche der stellvertretenden Verkehrsministerin Beth Davenport wurde gestern Nacht auf einer Baustelle in London gefunden. Erste Untersuchungen deuten auf Suizid hin. Wir können bestätigen, dass dieser Suizid starke Ähnlichkeiten mit denen von Sir Jeffrey Patterson und James Phillimore hat.“ (6)