Attila Bartis, Das Ende
Das aufwühlendste Wort einer Sprache ist wahrscheinlich „Ende“. Wer fühlt sich dabei nicht sofort in ein Kino verschlagen, voller Gefühle und Nachdenklichkeit, wenn das Wort Ende von der Leinwand strahlt und allmählich Licht einsetzt.
Attila Bartis setzt sein Ende an den Schluss einer Gesellschaftsstudie, worin der Held Andás einen Familien- und Erotikfilm selbst erlebt und als Fotograf in eine Bildsprache übersetzt. Der Ich-Erzähler stochert in tausenden von Sequenzen herum, in denen flackernd diskutiert, gelitten, gearbeitet und geliebt wird.
Kaum Handlung, kaum Thesen, kaum Genre, alles richtig, kaum etwas falsch.
Gute Schriftsteller überlegen ein Leben lang, was sie als den berühmten letzten Satz beim Sterben sagen könnten. Dabei entstehen oft ganze Gedichtbände.
Manche Bücher brennen sich wie ein Kalenderspruch in das Bewusstsein der Leserschaft: Mach es wie die Eieruhr, sei für weiche Eier nur.
„Gebirge lassen sich in Ketten untergliedern. Solche Ketten bestehen aus mehreren Massiven. Beispielsweise liegt die Zugspitze (Deutschlands höchster Berggipfel) im Zugspitzmassiv im Wettersteingebirge. Das Wettersteingebirge gehört zu den Ostalpen, diese zu den Alpen.“
„Nachdem die Famlie Ta’an von einer Reihe von Tragödien heimgesucht worden war, glaubte man, sie sei verflucht. Dies machte die junge Prinzessin Rhiannon, die einzige überlebende Nachfahrin der Dynastie, in den Augen der Öffentlichkeit umso kostbarer.“ (11)
„Eines Tages kam ein Löwe in die Bibliothek. Er ging einfach an der Information vorbei und verschwand zwischen den Bücherregalen.“
„Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen, sagt der Volksmund. Da man Dummheit weder sehen, noch anfassen oder kaufen kann, ist es schwer sie zu beschreiben. Was wissen wir von ihr? Erstens lässt sich feststellen, dass sie scheinbar überall auftritt.“ (13)
„Keines der Tiere hatte sich die Zeit genommen, das Fläschchen genauer zu betrachten. Niemand hatte die Anweisungen gelesen, die in verschiedenen Sprachen gedruckt waren. Denn auf dem Etikett stand: Nur stark verdünnt verwenden. Nur zwei Tropfen pro Liter. Ansonsten: Lebensgefahr!“ (101)
Der 1943 geborene Hans-Henning Scharsach war langjähriger Leiter des Auslandssressorts von Kurier und News. Seit seiner Pensionierung ist er vorwiegend als Autor tätig. Zu seinen Büchern zählen Bestseller wie "Haiders Kampf", "Europas Populisten", "Die Ärzte der Nazis" oder "Strache - im braunen Sumpf".