Aktuelle Buchtipps

 

Alina Herbing, Niemand ist bei den Kälbern

andreas.markt-huter - 17.05.2018

herbing_niemand.jpgSchon von Kinderbüchern an werden wird auf jenes helle Bild hin getrimmt, wie ein Bauernhof auszusehen hat. Und selbst ein Roman über das Leben auf dem Lande löst bei den meisten Lesern in der Erwartung garantiert archetypische Szenen aus.

Was immer man sich als Leser auch darunter vorstellt, was geschieht, wenn niemand bei den Kälbern ist, es ist noch grotesker und noch brutaler, was Alina Herbing da anhand der Heldin Christin vom Land berichtet. Eigentlich ist alles schön, das Land hinter Lübeck ist weit, die Tiere sind im eigenen Interesse auf Hygiene aus und gehen freiwillig in die Melkbox, der Hund Prinz tut alles, um unauffällig bei der Herrschaft Wohlgefallen auszulösen, und in harmonischer Entfernung wummert ein Windrad.

Cixin Liu, Die drei Sonnen

andreas.markt-huter - 14.05.2018

Titelbild_Cixin Liu, Die drei Sonnen„Und zum allerersten Mal las ein Mensch eine an die Erde gerichtete Botschaft aus dem All. Ihr Inhalt war nicht so, wie die Menschheit ihn sich vorgestellt hatte. Es war eine dreimalige Warnung. Antwortet nicht! Antwortet nicht!! Antwortet nicht!!!“ (379)

Die Astrophysikerin Ye Wenjie musste 1967, während der chinesischen Kulturrevolution, mitansehen, wie ihr Vater, ein angesehener Physikprofessor an der Universität in Peking als Revisionist verdächtigt und von jungen Studentinnen zu Tode geprügelt wurde. Als die als Konterrevolutionärin verurteilte Ye Wenjie zu einem streng geheimen Forschungsprojekt in der Militärbasis „Rotes Ufer“ beordert wird, ergibt sich für sie eine unerwartete Gelegenheit zur Rache.

Gerhard Schweizer, Islam verstehen

andreas.markt-huter - 11.05.2018

Titelbild: Gerhard Schweizer, Islam verstehen„Im vorliegenden Buch versuche ich zu zeigen, dass »Islam« für viele Hundert Millionen Gläubige etwas völlig anderes bedeutet als das, was radikale Splittergruppen als den »wahren Glauben« und die einzig richtige Gesellschaftsform propagieren.“ (18)

Gerhard Schweizer setzt sich intensiv sowohl mit dem schwierigen Verhältnis zwischen westlich-christlicher Kultur und dem Islam, als auch mit den verschiedenen unterschiedlichen Facetten im Islam selbst auseinander. Dabei bietet er einen historischen Abriss in der Entwicklung beider Religionen sowie ihrer Beziehungen von der Entstehung des Islam bis in die Gegenwart.

Jörg Mühle, Zwei für mich, einer für dich

andreas.markt-huter - 11.05.2018

Titelbild: Jörg Mühle, Zwei für mich, einer für dich„Der Bär teilte aus: »Ein Pilz für dich und ein Pilz für mich«, sagte er. »Und noch ein Pilz für mich. So ist es gerecht. Ich bin groß, deshalb muss ich viel essen.« Das Wiesel war nicht einverstanden.“

Der Bär und das Wiesel leben zusammen im Wald. Als der Bär eines Tages durch den Wald geht, findet er drei Pilze. Zuhause angekommen freut sich das Wiesel über den Fund und bereit für sich und den Bären ein Mahl aus Pilzen zu. Aber wie soll man drei Pilze teilen?

Simon Konttas, Bagatellen

andreas.markt-huter - 11.05.2018

Titelbild: Simon Konttas, Bagatellen Die Steigerung von einem Lyriker ist ein Lyriker mit Theorie.

Simon Konttas gibt seinen fünf lyrischen Weltanschauungen einen „berauschenden“ Titel: In der Ruhe rauschender Blätter. In seinem Nachwort, das man als Einbegleitung lesen sollte, nimmt er das schöne Motto des kolumbianischen Aphoristikers Nicolás Gómez Dávila auf, wonach Gedichte nicht geschrieben werden, damit wir sie lesen, sondern damit wir uns ihrer erinnern. (75)

Unbekanntes Objekt

Edith Hall, Die alten Griechen

andreas.markt-huter - 09.05.2018

„Aber je länger ich mich mit den alten Griechen und ihrer Kultur beschäftigte, desto überzeugter bin ich, dass sie herausragende Eigenschaften besaßen, die man in dieser Fülle kaum anderswo im Mittelmeerraum oder im Nahen Osten findet.“ (13)

Das Sachbuch zur griechischen Antike versucht die einzigartige Geschichte der alten Griechen über einen Zeitraum von zwei Jahrtausenden, von der minoisch-mykenischen Kultur bis zum Beginn des Oströmischen Reiches darzustellen und die zehn zentralen Eigenschaften aufzuzeigen, die für ihre großen kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen verantwortlich sind, die zur Grundlage des westlichen Denkens werden konnten.

Steven Herrick, Wir beide wussten, es war was passiert

andreas.markt-huter - 08.05.2018

„Ich bin nicht stolz. Ich bin sechzehn und werde bald obdachlos sein. Ich sitze auf der Veranda und schau in den prasselnden kalten Regen. Unser Hund Bunkbrain sitzt neben mir. Ich würde ihn ja gerne mitnehmen. Er hat’s nicht verdient, in diesem Kaff hier zu bleiben.“ (9)

Der 16-jährige Billy beschließt von zu Hause fortzulaufen, um seinem alkoholsüchtigen, schlagenden Vater zu entkommen. Er vermisst die Plätze der Natur in seinem Heimatort, wo er die halbe Schulzeit mit dem Lesen von Büchern verbracht hat, nicht aber die Schule, wo er im zehnte Schuljahr überall durchgefallen ist, außer in Englisch.

Fabio Genovesi, Der Sommer, in dem wir das Leben neu erfanden

h.schoenauer - 07.05.2018

Jeder Mensch arbeitet ein Leben lang an seiner eigenen Erzählung, mit der er sich und anderen das Leben begreifbar macht. Und dann gibt es ab und zu eine Jahreszeit, da muss man sich selbst alles neu aufsetzen und erklären, weil nichts mehr passt.

Fabio Genovesi arbeitet mit viel Sommerlicht, wenn er seine Heldinnen und Helden zur Neuausrichtung an den Strand schickt. Alles ist hell, warm, das Meer rauscht glatt wie auf einem Cover. Und tatsächlich inspiriert vor allem ein meerblauer VW-Bus, der ein gelb-blaues Schlauchboot als Firmament-Grenze am Dach trägt, zu einer fröhlichen Lese-Ansicht.

Rüdiger Bertram, Familie Monster brüllt los!

andreas.markt-huter - 05.05.2018

„Paul ist ein Mensch, genau wie du. Aber seine Familie ist anders als deine Familie. Sie sind alle Monster. Pauls Eltern schlafen in einem Schrank. Pauls Schwester Olga schläft in der Badewanne. Pauls Bruder Igor schläft mit Paul unter dem Sofa.“ (5ff)

Nicht nur in seiner Familie ist Paul als einziger kein Monster, auch in der Monster-Schule steht er damit alleine da. Natürlich lernen die Kinder weder Lesen noch Schreiben, sondern vor allem Leute erschrecken, schrecklich brüllen, böse schauen und die spitzen Zähne zeigen.

Michael Forcher, Erzherzog Ferdinand II.

andreas.markt-huter - 04.05.2018

„Wäre es als böses Omen gesehen worden, Erzherzog Ferdinand II. hätte gleich wieder umkehren müssen. Allzu viel ging schief, als der neue Landesfürst am 17. Jänner 1567 in seine zukünftige Residenzstadt Innsbruck einzog.“ (9)

Erzherzog Ferdinand II. spielt in der Tiroler Geschichte eine beachtenswerte Rolle als humanistisch gebildeter Kunstliebhaber mit großer Kunstsammlung sowie als wichtiger Protagonist der Gegenreformation. Berühmt gemacht hat ihn jedoch seine skandalöse Ehe mit der Kaufmannstochter Philippine Welser, für die er Schloss Ambras mit seiner weithin berühmten Kunst- und Wunderkammer errichten ließ.