Fritz Weilandt, Schwarz surren Kastagnetten
Eine Satire ist eine Erzählgattung, worin der Autor ein bisschen mehr schräg erzählen darf, ohne dass das Gericht einschreitet, weil der Begriff ja eine Warnung ist, hier nicht alles physikalisch oder psychologisch allzu genau zu nehmen. Im Volksmund ist ein Satiriker oft jemand, der kurz vor der Einweisung in eine Spezialklinik steht.
Fritz Weilandt erklärt gleich im Titel, wie bei seinen gut achtzig Mini-Erzählungen die Dinge zusammengehen, nämlich locker und gar nicht. In „schwarz surren Kastagnetten“ sind die einzelnen Wörter zwar scheinbar falsch angewendet, sie ergeben aber dennoch einen höheren Sinn. Und wenn man lange genug hinschaut, ist der Titel nahezu logisch, das ist nämlich die Hauptaufgabe der Satire, etwas Verrücktes schließlich für normal zu erklären.
„Die meisten Leute fürchten den Wald. Sie glauben an die alten Geschichten über Feen, die die Zeit im Blut eines Menschen zu Eis erstarren lassen können, oder Hexen, die verbleibenden Lebensjahre mit nichts als einem Wispern in den Schnee vergießen. Es heißt sogar, der Geist des Alchimisten selbst streife durch die Wälder und sauge mit einem einzigen Atemzug ganze Ewigkeiten in sich hinein.“ (7)
Eine gutgemeinte Einschätzung eines Lebensstils kann letztlich einen schlechten Beigeschmack bekommen, wenn sie wörtlich genommen wird. Der gute Mann im Mittelfeld, der vielleicht als Fußballspieler ein Match drehen und gewinnen kann, wird im politischen Ambiente zur grauen Maus, die nichts anderes im Sinn hat, als zu überleben.
„»Weißt du«, sagte Trude, »das Beste an dir ist, wie gut du stillhalten kannst. Niemand kann so gut stillhalten wie du, wenn dir ein Dutzend Messer um die Ohren fliegt!« »Das kommt daher«, sagte ihre beste Freundin Nell, »dass du die Messer wirfst. Wenn jemand anders mit Messern auf mich werfen würde, dann würde ich nicht so ruhig stehen bleiben …«“ (9)
Wenn ein Projekt GlutDruck heißt, hört man es zischen und brodeln, da hat man noch nichts gesehen. Und dann dreht man das Buch und am hinteren Cover sieht man vier Künstler springen, musizieren, performen und diskutieren.
„Das ist Carlos Kinderzimmer, er hat viele schöne Spielsachen. Gerade hat er einen großen Turm gebaut. Kannst du ihn finden?“
„Das vorliegende Praxishandbuch Kindergarten beschäftigt sich mit entwicklungspsychologischen Grundlagen des frühen Kindesalters sowie daraus abgeleiteten praxis- und anwendungsorientierten Themen.“ (9)
„»Hallo, ich bin Marie. Ihr werdet heute eine Reise in mir machen.« »Du meinst: mit dir?«, fragt Max. „»Nein, eine Reise in ihr«, sagt Jonas. Er zeigt auf einen Computerbildschirm. Dort sehen sie eine Art Libelle aus Metall. Statt Augen hat sie Kameras im Kopf. »Das ist ein winziges Endoskop. Eine ferngesteuerte Kamera, die wir in Maries Körper schicken …«“ (4f)
„Ehrlich gesagt, sieht so ein Drehbuch ziemlich langweilig aus. Ein dicker Packen Papier, abgeheftet in einem stinknormalen DIN-A4-Schnellhefter. Keine Fotos, keine Bilder und keine Farbe. Bloß Text. Wie ein normales Buch auch, erzählt ein Drehbuch eine Geschichte.“ (10)
Aus der Sammlung eines Meisters Gedichte auszuwählen, hat vor allem den einen Sinn, diese in der neuen Zusammenstellung mit neuem Licht zu versehen, wie man ja auch oft als Leser seine Bücher für ein aktuelles Regal zusammenstellt, um diesen besondere Liebe und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.