Aktuelle Buchtipps

 

Jens Harder, Gilgamesch

andreas.markt-huter - 28.04.2018

„Die Welt vor über viertausend Jahren – Zeit der Götter und Könige. Machtvolle Ströme ziehen ihre Bahn durch fruchtbare Ländereien. Siedlungen für zahllose Bewohner gedeihen an ihren Gestaden. Doch eine heller und prächtige strahlt als alle ihren Schwestern … URUK.“ (3)

Das Gilgasmesch-Epos ist die Mutter aller Erzählungen, die älteste verschriftlichte Geschichte der Welt und sie bietet alles, was eine große Heldengeschichte ausmacht. Neben Kämpfen gegen Ungeheuer und selbst die Götter ist sie auch eine Reise an die unbekanntesten Ränder der Welt, bis in die Unterwelt. Aber auch ihr zentrales Thema beschäftigt die Menschheit bis in die Gegenwart unserer Welt. Die Suche nach dem Sinn des Lebens und die Auflehnung gegen den allmächtigen Tod.

Giwi Margwelaschwili, Die Medea von Kolchis in Kolchos

h.schoenauer - 27.04.2018

Wie erfährt man von einem Mythos, wenn alle Beteiligten schon tot sind und nichts mehr da ist, als der Name von einem unbeschreiblichen Ding oder Ereignis.

Giwi Margwelaschwili ist ein Meister in beiden Welten, im Surrealismus und in der Postmoderne. Er ist somit der ideale Autor, um den Medea-Mythos in die Gegenwart zu holen, zumal ihm als Georgier die Kolchischen Geschichten zu Füßen liegen. Ein Ich-Erzähler, Alter-Ego und Mythen-Journalist macht sich auf den Weg, eine Position zu finden, von der aus man alle Jahrhunderte und alle geographischen Strukturen überblicken kann.

Annabel Blackledge, Der kleine Fisch und der große Ozean

andreas.markt-huter - 26.04.2018

„Der kleine Fisch entdeckt ein leuchtend gelbes U-Boot. Das U-Boot taucht hinab in den tiefen blauen Ozean. »Warte auf mich!«, ruft der kleine Fisch.“

Ein kleiner gelber Kugelfisch macht sich gemeinsam mit einem ebenso gelben U-Boot auf die Reise durch die weiten Ozeane und Tiefen des Meeres, dabei begegnet er zahlreichen großen und kleinen Meeresbewohnern, die ganz unterschiedlich aussehen.

Rüdiger Görner, Levins Abschied

h.schoenauer - 25.04.2018

Die Aufzeichnungen sind oft das Schönste von einem Ereignis oder Lebensabschnitt, im Idealfall gelingt es, heftige Erlebnisse in das Reagenzglas einer Impression zu drängen.

Rüdiger Görner spielt die gut dreißig Geschichten in beeindruckendem Rhythmus ab, auf kurze emotionale Blitzeinschläge folgen durchaus lange Erlebnis-Elegien, worin sich die Vorgänge noch während des Erzählens kristallklar absetzen können.

Andrea Schomburg, Otto und der kleine Herr Knorff - Donner, Blitz, Knobelius

andreas.markt-huter - 24.04.2018

„Knobelius Knorff aus dem Volk der Knorffe. Viel Platz braucht er nicht, der Herr Knorff. Er ist so klein, dass er dir nur knapp bis zum Knie gehen würde. Aber das kannst du nicht wissen, denn es ist ein Geheimnis, dass er bei Otto lebt.“ (11)

Otto Wohlgemut besucht die 1b Klasse und lebt bei seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Lisa, die ihn immer wieder nervt. Und da ist auch noch Herr Knobelius, der kleine Wichtel oder besser gesagt Knorff, mit dem Otto bereits einige spannende Abenteuer erlebt hat.

Milovan Djilas, Der Krieg der Partisanen

h.schoenauer - 23.04.2018

„Es ist weitaus schwieriger und beschwerlicher, über eine historische Tragödie zu berichten, als sie hervorzurufen oder an ihr teilzunehmen.“ (9) Dieser erste Satz des Partisanen-Buches hat die Kraft eines ganzen Studiums.

Als Milovan Djilas in den 1970er Jahren seine literarischen Lebenserinnerungen über den Krieg der Partisanen vorlegt, muss er dies in englischer Übersetzung im westlichen Ausland tun, zu Hause im Tito-Land ist er nämlich längst in Ungnade gefallen. Das zeigt ja auch das Hauptproblem des Partisanentums: Wer ist ein Echter und wer muss liquidiert werden?

Jo Cotterill, Eine Geschichte der Zitrone

andreas.markt-huter - 21.04.2018

„Jemand anders fängt mich auf. Diesmal, nur dieses eine Mal, muss ich mich nicht selbst auffangen. Ich muss nicht selbst innerlich stark sein, weil jemand anders für mich stark ist. Was für eine Erleichterung.“ (89)

Der Tod von Calypsos Mutter hat tiefe Spuren bei ihrer Familie hinterlassen. Seit fünf Jahren lebt die elfjährige Calypso allein mit ihrem Vater, der sich immer mehr in seine Arbeit als Korrektor vergraben hat und immer weniger wahrnimmt, dass er noch eine Tochter hat, um die er sich kümmern sollte.

Willemijn van Dijk, Via Roma

andreas.markt-huter - 20.04.2018

„WIE ENTSTEHT EINE Stadt? In den meisten Reiseführern liest man, Rom sei am 21. April 753 v. Chr. gegründet worden. Eine verdächtig genaue Angabe, die oft ungeprüft übernommen wird – und gedenken nicht die Römer selbst jedes Jahr am 21. April der Gründung ihrer Stadt?“ (5)

Kaum eine Stadt spricht aus so vielen Straßen und Gassen zu ihren Besuchern wie die ewige Stadt Rom. Jeder Spaziergang über die sieben Hügel und durch die zahlreichen Winkel ist gleichsam eine Reise bis in die entfernteste Vergangenheit einer Stadt, die einmal die Geschicke der antiken Welt gelenkt hat.

Helme Heine, Bärenstark

andreas.markt-huter - 19.04.2018

„Verschlafen trat der Bär vor seine Höhle, gähnte laut und rieb sich die Augen. Dann zog er seinen Trainingsanzug an und machte sich fit für den Tag. 100 Klimmzüge, 200 Liegestütze und tausend Mal Gewichte stemmen. Danach hatte er Hunger. Bärenhunger.

Hungrig macht sich der starke Bär im Wald auf die Suche nach einer Mahlzeit. Während sich alle Tiere des Waldes verstecken, so gut sie können, sitzt die kleine Nandi auf einem Stein und liest ein Buch. Als der Bär sie packen will, meint sie …

László Darvasi, Wintermorgen

h.schoenauer - 18.04.2018

Große Erzählungen stellen immer auch scheinbar kleinliche Fragen, etwa, wie spielt man als Trommler die Nationalhymne? oder hat das Alter des Spaten einen Einfluss auf den Schlag, der dem Nachbarn über den Kopf gezogen wird?

László Darvasi hat gleich die größten Themen Gott, Heimat und Familie im Visier, um unter diesen Begriffshaubitzen das Schicksal der Menschen am Rand von Gott und der Welt zu erzählen. Diese Novellen setzen meist an einer abwegigen Stelle ein, um sich dann ganz woanders hin zu entwickeln, wo Leser und Helden gleichsam aus den Schuhen geworfen werden.