Helmuth Schönauer, Aftero und Aftera
„Eine Literaturgeschichte in Anekdoten ist genauso wahr oder falsch wie eine germanistisch durchkomponierte Geschichte. Gerade ein regionales Universalerlebnis wie Tirol wird ohne Anekdoten nicht auskommen, ist doch ganz Tirol eine Anekdote.“ (3)
Auf Wikipedia wird eine Anekdote als eine bemerkenswerte oder charakteristische Begebenheit, meist im Leben einer Person, definiert. Ihre wichtigsten Merkmale sind die Pointe, die Reduktion auf das Wesentliche und die scharfe Charakterisierung einer oder auch mehrerer Personen. „Aftero und Aftera“ konzentriert sich auf merkwürdige und außergewöhnliche Begebenheiten der jüngsten Vergangenheit in Tirol.
„»Habe ich da eben Podkin Einohr gehört? Meint ihr etwa Podkin, den gehörnten König? Der Mondläufer? Podkin mit dem Zauberdolch« Als die Kleinen eifrig nicken und aufgeregt quietschen, verschränkt er die gemusterten Vorderläufe und streicht sich den Bart. »Ich habe tatsächlich ein paar Geschichten über Podkin auf Lager, aber sie sind ganz anders als die, die ihr sonst zu hören bekommt.«“ (13)
„Der Mensch ist eine Fehlkonstruktion! – Es riecht nach Nieren. – Was wird bleiben? - Fetzen!“
„»Spürnase« wird sie von allen genannt, denn Nellis Geruchssinn ist stadtbekannt. Sie schnüffelt mal hier, sie schnüffelt mal dort. Geschah ein Verbrechen? Sie riecht es sofort.“
„In diesem Buch geht es um die konkreten Auswirkungen der Politik der Eurogruppe und der sogenannten Troika auf die Eurokrisenländer. Bis heute haben die meisten Beobachter nicht verstanden, was dort passiert ist und warum der Einbruch der Produktion so gewaltig war. Das liegt daran, dass überwiegend nicht gesehen wird, welch fatale Entwicklung von den Lohnsenkungen ausging, die mit staatlicher Austeritätspolitik kombiniert wurden.“ (9)
„Molle hatte seinen Klappstuhl hinunter zum Fluss getragen. Nun lag er gemütlich darin und hielt eine Angel ins Wasser. Mildes Sonnenlicht schien ihm auf den Pelz. Sommertage fühlten sich für den Maulwurf immer ganz besonders schön an.“ (8)
Eine Satire ist eine Erzählgattung, worin der Autor ein bisschen mehr schräg erzählen darf, ohne dass das Gericht einschreitet, weil der Begriff ja eine Warnung ist, hier nicht alles physikalisch oder psychologisch allzu genau zu nehmen. Im Volksmund ist ein Satiriker oft jemand, der kurz vor der Einweisung in eine Spezialklinik steht.
„Die meisten Leute fürchten den Wald. Sie glauben an die alten Geschichten über Feen, die die Zeit im Blut eines Menschen zu Eis erstarren lassen können, oder Hexen, die verbleibenden Lebensjahre mit nichts als einem Wispern in den Schnee vergießen. Es heißt sogar, der Geist des Alchimisten selbst streife durch die Wälder und sauge mit einem einzigen Atemzug ganze Ewigkeiten in sich hinein.“ (7)
Eine gutgemeinte Einschätzung eines Lebensstils kann letztlich einen schlechten Beigeschmack bekommen, wenn sie wörtlich genommen wird. Der gute Mann im Mittelfeld, der vielleicht als Fußballspieler ein Match drehen und gewinnen kann, wird im politischen Ambiente zur grauen Maus, die nichts anderes im Sinn hat, als zu überleben.
„»Weißt du«, sagte Trude, »das Beste an dir ist, wie gut du stillhalten kannst. Niemand kann so gut stillhalten wie du, wenn dir ein Dutzend Messer um die Ohren fliegt!« »Das kommt daher«, sagte ihre beste Freundin Nell, »dass du die Messer wirfst. Wenn jemand anders mit Messern auf mich werfen würde, dann würde ich nicht so ruhig stehen bleiben …«“ (9)