Oswald Egger, Val di Non
Sogenannte Preisdichter schreiben ihre Werke meist für die Jury, ab und zu freilich schreiben sie ein Buch, um die angehäuften Preise zu rechtfertigen.
Oswald Egger ist ein abgebrühter Preisdichter, als er in diesem Sommer den Trakl-Preis bekommt, murmelt er irgendwie, dass ihm dieser noch in seiner Sammlung gefehlt habe. Als Vorschuss für den Preis hat er bereits sein neuestes Opus ausgeliefert: Val die Non.
„Mein Bruder glaubt, dass eine Schildkröte nichts kann. Aber mein Bruder glaubt auch, dass ich fürs Seifenkistenfahren zu klein bin. Dabei haben Herr Sowa und ich längst in seiner Seifenkiste gesessen und sind heimlich in der Garage um die Welt gefahren.“ (15f)
Eine Historiker-Weisheit sagt, dass man für sein eigenes historisches Bewusstsein mindestens 30 Jahre alt sein muss. Davor ist alles ahistorisch und einmalig, erst später kann man sein eigenes Leben in Zusammenhänge fassen und an die Zeitgeschichte andocken.
„Den Rahmen der Zeit sprengen, neue Wege beschreiten: Genau das haben all jene Maler, von denen dieses Buch handelt, getan. […] Jeder Einzelne von ihnen hat mit seiner Kunst ein Fenster zu einer neuen Bildwelt aufgestoßen.“ (5)
In einer lebendigen Literaturszene entstehen immer wieder neue Literaturformen. Seit den Nuller-Jahren hat sich beinahe flächendeckend das Geschäftsmodell einer Vorlass-Literatur herausgemausert. Dabei werden Werke nicht für das Publikum verfasst, sondern für Kisten, die man in diversen Literaturarchiven aufstellt und für die Gegenwart sperrt. Manchmal haben Vorlass-Dichter allerdings nicht den Nerv, den eigenen Tod abzuwarten, und schreiben wieder was für das Publikum, weil sie die Stille in den Kisten nicht aushalten.
„Die anderen werden kommen, um mich zu holen. Ich wage es zu hoffen. Jedes Mal, wenn die Tür aufgeht, schlägt mein Herz höher, weil ich eine Sekunde lang erwarte, Cal oder Kilorn oder Farley zu sehen, vielleicht auch Nanny in der Maske eines anderen Menschen. […] Aber es kommt niemand. Niemand kommt, um mich zu holen.“ (30]
Geschichte besteht wie auch Literatur hauptsächlich aus Vermittlung. Erst wenn wir Quellen, Erzählungen und Dokumente in die Hand nehmen, wird daraus Geschichte. Das erklärt auch, warum jede Generation immer wieder die Geschichte neu erzählen muss.
„Schornsteiner fiel aus den Wolken. Unverletzt landete er auf einem weiten Strand an der belgischen Nordseeküste. Es war Spätherbst, nur noch wenige Strandläufer waren unterwegs. So blieb der kleine schwarze Glücksbringer einige Tage lieben …“ (7)
Leichtfüßig ist eine Lebenshaltung, die letztlich in alle Gegenden passt, es gibt sogar die Vorstellung, wonach etwas selbst leicht wird, wenn es leichtfüßig durchschritten wird.
„Krieg. Sie wollten noch ins Schwimmbad / und ich durfte mit / wenn ich nur das Heulen ließe: / Ganz sicher kamen auch die großen Jungs / Wir rannten erst zum Tiefen und hechteten zu zehnt hinein“ (8)