Aktuelle Buchtipps

 

Daniela Emminger, Gemischter Satz

h.schoenauer - 01.10.2017

Eine Novelle ist vielleicht so etwas wie eine alte Maßeinheit des Erzählens, und wenn man durchaus zeitgenössische Dinge damit abmisst, ergeben sich verblüffende Relationen.

Daniela Emminger nimmt tatsächlich die Novelle als Maß für eine unmögliche Liebesgeschichte und erläutert im Vorspannt, was ein gemischter Satz ist. Neben einem sprachlichen Gebilde mit allerhand Subjekten und Objekten ist der gemischte Satz vor allem eine Form der Weinzusammenmischung, bei der verschiedene Sorten am gleichen Acker angebaut und dann vermischt werden.

Joanne K. Rowling, Die Märchen von Beedle dem Barden

andreas.markt-huter - 29.09.2017

„Die Märchen von Beedle dem Barden sind eine Sammlung von Geschichten, die für junge Zauberer und Hexen geschrieben wurden. Sie werden seit Jahrhunderten gerne zur Schlafenszeit vorgelesen, weshalb der hüpfende Topf und der Brunnen des wahren Glücks vielen Hogwarts-Schülern genauso vertraut sind wie Aschenputtel und Dornröschen, den (nichtmagischen) Muggelkindern.“ (XI)

Märchen und Sagen prägen die Lebenswelt von Kindern und gehören zum Hintergrundwissen von Erwachsenen. In der magischen Welt des Harry Potter sind es vor allem die Märchen von Beedle dem Barden, der den jungen Zauberlehrlingen als Belehrung und Unterhaltung dient. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Kraft der Zauberei und ihre Gefahren.

Thomas Winkelbauer u.a., Geschichte Österreichs

andreas.markt-huter - 28.09.2017

„Jede »Geschichte Österreichs« ist letzten Endes ein Konstrukt, ein Konstrukt freilich, das die Österreichhistoriker nicht nur den historisch wissbegierigen Österreicherinnen und Österreichern, sondern allen an der Geschichte Europas und Österreichs in Europa Interessierten schuldig sind.“ (31)

Die „Geschichte Österreichs“ spannt den historischen Bogen von der römischen Herrschaft, 15 v. Chr., bis in die unmittelbare Gegenwart der 2. Republik im Jahr 2015. Dabei wird den Leserinnen und Lesern anschaulich vor Augen geführt, wie sehr sich die politische Landschaft eines geographischen Raumes im Laufe von zwei Jahrtausenden verändert hat.

Lea-Lina Oppermann, Was wir dachten, was wir taten

andreas.markt-huter - 27.09.2017

„Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist. An diesem Tag. In diesen 143 Minuten. Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist. Kann sein, dass es dich verändert. Kann sein, es lässt dich kalt. Kann sein, dass du schon davon gehört hast, im Fernsehen oder in den Schlagzeilen. […] Wenn ja, vergiss es, nichts davon ist wahr.“ (5)

Über den Lautsprecher eines Gymnasiums wird eine Sicherheitswarnung verlautbart, in der alle Schüler und Lehrer aufgefordert werden, sich in einen geschlossenen Klassenraum zu begeben und weitere Anweisungen abzuwarten. Allen ist rasch klar, dass es sich um keine Übung handelt, als plötzlich eine Stimme vor dem verschlossenen Klassenzimmer zu hören ist.

Joost de Vries, Die Republik

andreas.markt-huter - 26.09.2017

Das ganze Hotel voller Hitler-Experten, am Gang sieht man den niederländischen Rechten-Führer vorbeihuschen, in der Seitengasse werden in einem Antiquitätenladen originale Hitler-Devotionalien angeboten, am Heldenplatz imaginieren die Hitler-Forscher den Führer auf den Balkon – Wien ist für ein paar Tage der Austragungsort eines Welt-Hitler-Kongresses.

Joost de Vries tarnt seinen Roman mit einem unauffälligen Titel, es gibt kaum etwas Harmloseres, als die Republik in den Mund zu nehmen. Gegen Ende freilich klärt sich diese Harmlosigkeit auf, bei der Republik handelt es sich immer um etwas Schwaches oder gar einen Abstieg, der nach der Monarchie oder Diktatur ausgerufen wird. (255)

Mo Willems, Muss ich was abgeben?

andreas.markt-huter - 25.09.2017

„Ich liebe Eis! Halt! Schweinchen liebt auch Eis. Schweinchen ist mein bester Freund. Muss ich ihm was von dem Eis abgeben? Muss ich was von meinem erfrischenden, fantastischen, ham-nam, sahnigen, leckeren, kalten, süßen, super Eis abgeben?“

Elefant steht vor einer überaus schwierigen Entscheidung. Er ist überglücklich über sein geliebtes Eis und freut sich darauf es zu verspeisen, als ihm plötzlich sein Freund Schweinchen in den Sinn kommt, der Eis ebenso liebt. Was soll er tun? Wie soll er sich verhalten?

Viv Albertine, A Typical Girl

h.schoenauer - 24.09.2017

Die Gitarristin der Kultband „The Slit“ schreibt ihr Leben als Memoir auf und bringt noch einmal eine ganze Generation ins Schwärmen.

Viv Albertine ist Pionierin der englischen Punkbewegung und hat vor allem mit den Sex Pistols und The Clash zu tun, ehe sie die Frauen-Punk-Band The Slits mitbegründet. Die musikalischen Nuancen, Interferenzen und Abstrahlungen werden sicher von Fans und Musikkennern entsprechend gewürdigt werden, für den Punk-Dilettanten ist vor allem das Leben der Viv Albertine aufregend bis hin zur Methode, aus einem wilden Leben ein geordnetes Buch zu schreiben.

Nadja Fendrich / Ann-Katrin Heger, Insectibles - Das Abenteuer beginnt

andreas.markt-huter - 22.09.2017

„Als Gramps‘ Erfindung, der Mikronator, aus Versehen explodiert, werden die beiden auf Insektengröße geschrumpft! Umgeben von riesigen grünen Grashalmen ist Zak sofort klar: Jetzt beginnt das Abenteuer seines Lebens!“

Durch eine technische Erfindung seines Großvaters werden Zak und sein Opa in die Welt der Insekten geschrumpft. Um sich wieder in ihre ursprüngliche Größe zurück zu wandeln, müssen sie die weit verstreuten Einzelteile des zerstörten Mikronators finden und wieder zusammenbauen. Die gefährliche Steckmücke Adilla unternimmt alles, um den Mikronator in ihre eigenen Hände zu bekommen und damit die Welt zu beherrschen.

Neal Shusterman, Scythe - Die Hüter des Todes

andreas.markt-huter - 20.09.2017

„Wir müssen von Rechts wegen Buch führen über die Unschuldigen, die wir töten. Und in meinen Augen sind alle unschuldig. Sogar die Schuldigen.“ (9)

Nachdem es der menschlichen Wissenschaft in einer nicht allzu entfernten Zukunft gelungen war, den Tod zu besiegen und die Rechenkraft der Computer ein nahezu unendliches Ausmaß erreicht und sich von der Cloud zum alles wissenden und kontrollierenden Thunderhead entwickelt hatte, mussten ausgewählte Menschen die Aufgabe des Todes übernehmen. Diese Menschen, die außerhalb der Kontrolle des Thunderhead stehen und „Scythe“ werden genannt, haben die Aufgabe, die Anzahl der Menschen auf ein festgelegtes Maß zu reduzieren.

Don Winslow, Das Kartell

h.schoenauer - 19.09.2017

Im perfekten Roman ist die dargestellte Fiktion so wirklich, dass man damit in der Wirklichkeit etwas anfangen kann, auch wenn es keine Hilfestellung dafür gibt.

Don Winslows „Kartell“ ist natürlich ein Thriller, was die äußere Aufmachung und das Marketing betrifft, in seinem Kern ist der Roman aber ein Stück von der Hinterseite jener Währung, die uns im scheinbar fernen Europa als goldenes US-Wesen dargeboten wird. Im Gewusel aus hunderten Plots geht es um Krieg, feindliche Übernahmen, Scheinfirmen, Korruption und Gewalt. Die Schauplätze liegen zwar meist in einem Mexikanischen Bundesstaat, gesteuert wird das Ganze freilich direkt aus Washington heraus. Und wenn Mexiko für die Kriege zu klein wird, weicht man stracks in südliche Guatemala aus.