Ulrike Kotzina, Box
Box ist eine fiktive Live-Show, dabei werden Paare in eine durchsichtige Box gesperrt, damit sie sich im Rahmen eines Erkennungsspieles vor der Kamera zerfleischen.
Ulrike Kotzina setzt ihr Protagonisten-Pärchen Anna und Nathan der Schau-Lust des Publikums und der eigenen Verunsicherung aus. Die Protagonisten sind Paradepferdchen einer Gesellschaft, die eine ganze Generation durch prekäre Verhältnisse und ständigem Paradigmenwechsel auf Trab hält. Anna hat ein Übersetzerstudium für die Wäsche und Nathan entwickelt gerade ein Computerspiel namens Utopia, mit dem er nicht zu Ende kommt.
„Dieses Buch ist vollgepackt mit den tollsten Finde-den-Fehler-Rätseln – sie fangen leicht an und werden immer schwieriger, je weiter du kommst. Wenn du willst, kannst du jedes Rätsel gegen die Uhr lösen.“
„Anstatt die Vielfalt mit starren Definitionen in ein Raster zu pressen oder krampfhaft eine große kulturgeschichtliche Linie zu ziehen, wie manche frühere Historiker der Aufklärung es versucht haben, entscheidet sich dieses Buch für ein Mosaik der Ideen, Ereignisse und Gestalten.“ (12)
„Das Buttermesser in der Küche. Die Butter ist auf der rechten Seite, weil er es in der linken Hand hielt. Ein Linkshänder würde sich nie rechts in den Kopf schießen. Jemand ist eingebrochen und hat ihn umgebracht. Das ist die einzige Erklärung für alle Fakten …“ (44)
Die unbarmherzig zupackende Krimiwelle zwingt die Autoren dazu, den letzten Tropfen Sinn aus dem literarisch anvisierten Land zu quetschen. Denn wenn irgendwo wirklich alles schon mehrmals gesagt worden ist, dann im Reich der Krimis.
„Der erste Schnee ist gefallen. Niemand weit und breit, nur der Maulwurf allein auf seinem Weg nach Hause. Da entdeckt er einen kleinen Schneeball. »Hallo«, begrüßt ihn der Maulwurf und stapft freudig auf ihn zu.“
Um von etwas Wichtigem authentisch berichten zu können, braucht es eine entsprechende Akkreditierung als Journalist, Wissenschaftler oder Diplomat.
„Aber Killiok macht sich Sorgen. Es ist schon längst Sommer, und sein Freund Vari von Drunter, der rote Zauberer, ist noch immer nicht zurück. Seit dem Frühling hat er nichts mehr von ihm gehört. Nachdenklich lauscht Killiok dem Regen, der in der Heide rauscht. Oft glaubte er Stimmen zu hören. Aber da ist keiner. Niemand.“ (9)
So ein Blatt begleitet die Menschen durch alle Lebenslagen, es dient dem Kind zum Spielen, ist nützlich beim Aufschreiben von Geschichten, lässt den Spieler auftrumpfen und fällt schließlich im Herbst sachte am liebsten auf ein Grab.
„Bevor ich sechs wurde, lebte ich mit meinen Großeltern in den Bergen fern der Stadt. Nachts sind die Sterne dort sehr groß und hell. Damals vermisste ich meine Eltern in der Stadt. Jetzt vermisse ich meinen Opa in den Bergen und meine Oma im Himmel.“