Aktuelle Buchtipps

 

Holly Grant, Anastasia McCrumpet und der Tag, an dem die Unke rief

andreas.markt-huter - 18.09.2017

„Anastasia lehnte sich zurück und drückte ihre Schultasche an sich. Warum um alles in der Welt verbrachten sie die Nacht in der Irrenanstalt St. Marter für verquere, tyrannische, gestörte und anderweitig unerwünschte Personen (will heißen geisteskranke Straftäter)?“ (37)

Das Familienleben der elfjährigen Anastasia McCrumpet ist nicht gerade das, was man gemeinhin als unbeschwert bezeichnet. Während ihr Vater überaus sensibel ist und die meiste Zeit mit Staubsaugen verbringt, verbringt ihre Mutter die meiste Zeit im Bett und lässt sich von allen Seiten bedienen. Dennoch ist Anastasia schockiert, als sie in der Schule erfahren muss, dass ihre Eltern bei einem Staubsaugerunglück verunglückt sind und ihre beiden Großtanten Prude und Prime vor der Tür auf sie warten, um sie abzuholen.

Herbert J. Wimmer, Wiener Zimmer

h.schoenauer - 17.09.2017

Allein wenn man über den Begriff „Wiener Zimmer“ zu rätseln beginnt, landet man mit einem Bauchfleck in den semantischen Überlegungen des Autors. Ist das Wiener Zimmer etwas wie die Wiener Melange, ist das Zimmer übriggeblieben aus Kuchl-Kabinett, ist es die räumliche Antwort auf das Frauenzimmer?

Herbert J. Wimmer errichtet streng nach Bauplan ein sprachliches Kunstwerk mit hundert Zimmern. Im Abspann gibt es zuerst ein Inhaltsverzeichnis mit Nummerierung und Titel und als Abrundung sind die Entstehungsdaten wie in einem rätselhaften Kalender einer verschollenen Lyrik-Kultur angelegt. Der Großteil der Texte stammt aus 2009, die Ausreißer sind von 2003 und 2012.

Joachim Krause, Wimmelspaß mit vielen …

andreas.markt-huter - 15.09.2017

„Mia, Felix und Tim finden Drachen toll! In ihrem Kinderzimmer wimmelt es nur so von Spielzeugdrachen. Am liebsten würden sie aber mal einen echten, großen Drachen sehen, so wie in Mias Geschichte.“ (in: Wimmelspaß mit vielen Drachen)

Vier Wimmel-Bilderbücher zu den beliebten Kinderthemen Dinosaurier, Drachen, Wikinger und Piraten bei denen es auf je zehn Doppelseiten viel zu entdecken und bestaunen gibt.

Josiah Ober, Das antike Griechenland

andreas.markt-huter - 14.09.2017

„Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte galten Demokratie und Wachstum allerdings nicht als normal; sie waren nicht einmal vorstellbar. Lediglich im ersten Jahrtausend v. Chr. gab es im antiken Griechenland einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten, in denen Demokratie und Wachstum für die Bürger im klassischen Griechenland tatsächlich normal waren. Wie es dazu kam und warum das Wissen um diesen Umstand wichtig ist, führe ich in dem vorliegenden Buch aus.“ (9)

Wie war es möglich, dass sich in der Geschichtsepoche, die heute das als das „klassische Griechenland“ bezeichnet wird, jene politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen entwickeln konnten, die eine bis dahin ungekannte kulturelle Blüte hervorgebracht hat. Josiah Ober geht in seiner Darstellung neue Wege und zieht die Erkenntnisse der Soziologie ebenso zu Rate wie aus dem Gebiet der Biologie, indem er die Zusammenarbeit zwischen Menschen ähnlich analysiert wie z.B. jene zwischen staatenbildenden Insekten, wie etwa Ameisen.

Fabian Lenk, Krypteria - Auf den Spuren der Ninja

andreas.markt-huter - 13.09.2017

„Auf Krypteria gibt es auch eine Akademie, eine ganz besondere Schule. ein Team von begnadeten, aber mitunter auch rätselhaften Forschern unterrichtet dort ausgesuchte Schüler.“ (5)

Zu diesen Schülern gehört der in Kampftechniken versierte Jason ebenso wie die „megaschlaue“ Meg, der „erfindungsreiche“ Tom und die „bärenstarke“ Sera. Sie lieben es, ganz im Geist Jules Vernes, der die Akademie vor langer Zeit gegründet hat, Abenteuer zu erleben und unbekannte Gebiete zu entdecken. Aber die Abenteuer der vier jungen Helden sind alles andere als ungefährlich.

Johannes J. Voskuil, Das A.P. Beerta-Institut. Das Büro 4

andreas.markt-huter - 12.09.2017

Hinter dem lauernden Begriff „Büro“ verbirgt sich einer der größten Romane der internationalen Literaturgeschichte. Das Büro ist ein Kosmos voller Widersprüche, ein Ort vollkommenen Stillstands und eruptiver Lebensführung, ein Archiv, das Gegenstände aus dem Futur bearbeitet, ein kleingeistiges Emotionslabor, in dem die größten Freigeister ihren Gedanken nachgehen.

Johannes J. Voskuils „Büro“ lässt sich wie alle Giga-Romane durchgehend lesen, man kann aber wie in einer Endlosschleife überall zusteigen und liegt immer richtig. Der Plot der sieben Bände zu je tausend Seiten ist raffiniert einfach wie ein DNA-Bauplan. Der Protagonist Maarten Koning stellt sich eines Tages in einem Volkskunde-Institut vor, wird auf der Stelle genommen und kommt ein Leben lang nicht mehr aus dem Büro heraus.

Horst Klein, K(l)eine Bewegung, Dieb!

andreas.markt-huter - 11.09.2017

„Der Dieb hat Buchstaben geklaut. Nun merkt er: Ich hab Mist gebaut! Geläutert bringt er – Stück für Stück – Das Alphabet ins Wort zurück. Ein kleiner Vogel namens MEISE geriet mit A zur Meisenspeise.“

Den Buchstabendieb plagt das Gewissen und er bringt alle gestohlenen Buchstaben wieder zurück. Leider kennt er sich nicht besonders aus und stiftet beim Verteilen Buchstaben auf verschiedene Wörter viel lustigen und verrückten Unfug.

Ludwig Laher, Überführungsstücke

h.schoenauer - 10.09.2017

Die große Welt leistet sich oft kleine Nischen, in denen sie in einer einzigartigen Anordnung ihre Geheimnisse zur Schau stellt. Das kann die berüchtigte Glasmenagerie sein, worin sich die Psyche der Sammlerin spiegelt, das Kramuri-Museum am Innsbrucker Bergisl, worin die Geschichte Tirols als Devotionaliensammlung angeordnet ist, oder eben eine Asservatenkammer, worin Stücke des Schreckens und der alltäglichen Kriminalität für die Hauptverhandlungen am Gericht aufbereitet werden.

Ludwig Laher lässt nach einem Fünfzeiler von Konrad Bayer, wonach alles etwas Andres bedeuten kann, ziemlich wortgewaltig und auf barocke Ausschweifungen fokussiert einem Asservaten-Beamten freien Lauf. Allein das Wort „asservieren“ (für amtlich bewachen) zeigt, dass der Held Oskar Brunngraber mit großer Hingabe alles auf der Welt betreuen kann, wenn es gewünscht wird.

Volker Meid, Das Buch der Literatur

andreas.markt-huter - 07.09.2017

„Das Reclam Buch der deutschen Literatur ist eine Geschichte der deutschen Literatur in einer neuen Form. Sie verbindet historische und systematische Sichtweisen aus lässt sich durch die eng auf den Text bezogene reichhaltige Bebilderung und vielfältige, den jeweiligen Kontext erhellende Zusatzinformationen in den Randspalten […] ein facettenreiches und auch im wörtlichen Sinn farbiges Bild der Geschichte der Literatur im deutschen Sprachgebiet entstehen.“ (9)

In neun großen, chronologisch unterteilten Kapiteln wird die Geschichte der deutschen Literatur von ihren Anfängen im frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert nach Themenbereichen und am Beispiel ausgewählter Autorinnen und Autoren vorgestellt. Das zahlreiche ausgewählte Bildmaterial bietet den Leserinnen und Lesern neben der kompakten Information auch einen visuellen Einblick in die Welt der deutschsprachigen Literatur der vergangenen 1250 Jahre.

Friedrich Hahn, Die Schaufensterfrau

h.schoenauer - 05.09.2017

Prekäre Arbeitsverhältnisse sind längst das täglich Brot einer ganzen Generation geworden und werden auch in der Literatur dementsprechend besungen. Aber gibt es abgesehen von Prostitution prekäre Liebesverhältnisse, worin die Helden und Heldinnen aus dem Glückstopf der Emotionen abgedrängt sind und sich mit Gefühlsbrosamen begnügen müssen?

Friedrich Hahn zeigt eine Frau, die gelernt hat, sich zurückzunehmen und im Hintergrund zu bleiben. Als Schaufensterfrau steht sie zwar im Rampenlicht, wenn sie gerade am Abend die Dekoration wechselt, am nächsten Tag freilich liegen wieder die Produkte im dekorierten Fokus, von der Schaufensterfrau ist weit und breit nichts zu sehen.