Thomas Northoff, Nein Eleven
Kampfschreie unterliegen keiner Rechtschreibregel, weshalb die Graffiti mit anderen Wörtern an den Mauern kleben als die Lehrsätze im Innern eines Geschichtsbuches.
Thomas Northoff ist Graffiti-Forscher und dadurch wohl auch zu einem Graffiti-Lyriker geworden. Sein „Nein Eleven“ ist eine riesige Wurst voller Kampf, Krieg, Elend und Irrtum, die über hundertfünfzig Seiten ausgegossen ist. Keine Wand der Welt könnte diese Gedächtnisschrift aufnehmen, die auf jene Katastrophe reagiert, die mittlerweile unter nine eleven subsummiert wird.
„Das ist ein Ball. Bist du sicher? Hmmm … Ich glaube, du solltest noch mal genau hingucken. Das ist ein Hund. Nee, das ist ganz sicher ein Hund. Ich erkenne seine Augen. Die Beine. Das muss ein Hund sein.“
„Der Beutelsbacher Konsens bietet Politiklehrerinnen und –lehrern auf den ersten Blick eine didaktische Hilfestellung. Für die Förderung der politischen Analyse-, Urteils- und Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler sind die drei Konsenssätze unverzichtbare Standards. Allerdings lösen die drei Prinzipien des Konsenses nicht das Dilemma der Authentizität der Lehrenden.“ (14)
„Im vergangenen Winter war ein kleines Mäusemädchen, null Jahre alt, in den Wald gekommen. Sie und Kommissar Gordon waren sich begegnet, als der Kommissar ein Eichhörnchenloch bewacht hatte.“ (27)
Beim historischen Schundheft der 1960er Jahre haben sich immer alle Beteiligten versteckt. Jetzt beim grandiosen Revival vom „Schundheft“ wird zwar ebenfalls die übliche Publikationsordnung auf den Kopf gestellt, die Autorinnen und Graphikerinnen verstecken sich aber nur lose hinter Initialen, die Herausgeber gehen in den Untergrund des Covers und der Titel verfehlt knapp den Villacher Fasching und propagiert „Lele“, was vermutlich in der Geheimsprache „Lesen!“ heißt.
„Wieder auf ihrem Zimmer schaute sie sich das Werbevideo der Super Hero High School an. Zur ihrer eigenen Überraschung und trotz ihres anfänglichen Zögerns, fühlt sie sich von der Schule angezogen. Sie sah einladend und nett aus und alle schienen nett zu sein.“ (18)
Wenn es nach den Forschungsdisziplinen Psychologie und Literatur geht, sind Vater und Tochter ausschließlich deshalb auf der Welt, damit sie Schwierigkeiten kriegen und dann einen Psychologen oder eine Bibliothek aufsuchen können.
„Wie konnte er erraten, dass dieses große Risiko, das Risiko mir zu vertrauen, ihn Jahre später retten würde? Ich glaube, dass das grausame Mädchen, das sich in den Filmrollen verbarg, uns beide gerettet hat, indem es mir eine Träne entlockte.“ (30)
In der Biologie gibt es die durchaus praktikable Denkvorstellung, dass das Leben aus permanent flatternden DNA-Strähnen besteht, die fallweise zu Menschen, Tieren oder Zellen ausgebildet sind. Nach dieser Logik kann ein Menschenaffe in grauer Vorzeit durchaus im Gebüsch am Rande einer Savanne sitzen und mit dem Denkwerkzeug der Gegenwart den Sinn des Lebens finden.
„Die Ente hatte kein Glück mit ihrem Bauern. Faul lag der Bauer im Bett, den ganzen Tag, das ganze Jahr. Und die Ente ackerte, den ganzen Tag, das ganze Jahr. Die Ente holte die Kuh von der Wieder. »Was macht die Arbeit?«, rief der Bauer. »Quak!«, sagte die Ente.“