Simon Konttas, Das letzte Bild
Wenn man das letzte Bild von jemandem im Album hat, hat man dann sein ganzes Leben vor Augen?
Simon Konttas widmet sich in seiner Studie über eine empfindsame Männerseele dem sogenannten letzten Bild. Da es sich beim Protagonisten um einen nebenseitig tätigen Maler handelt, könnte es sich um dessen letztes Bild handeln. Andererseits geht der Held elendiglich zugrunde mit einem letzten Bild vor Augen. Und schließlich lässt sich rätseln, welches letzte Bild vom „Roman“ beim Leser haften bleibt.
„Es klingt fast unglaublich, aber mit diesem Buch hast du die ganze Welt in deinen Händen. Es ist deine Fahrkarte für eine Reise um den Planeten, durch jedes Land auf dieser Erde.“ (5)
Die Lyrik fließt nicht nur als feierliches Brimborium, als spitze Spreche oder abgeklärter Lesebucheintrag durchs Land, die wilde Lyrik ist oft unauffällig, selbstkritisch und politisch in ihrer Verweigerung des tagespolitischen Geplänkels.
Letztlich sind viele Typen prädestiniert, sich vor der Nacht zu fürchten. Die Kinder, wenn sie mit Gruselprogramm zu Bett gebracht worden sind, die erotisch Inspirierten, wenn das Tun nicht mehr mit dem Wollen übereinstimmt, die Künstler, wenn sie in der Finsternis dem aufgeklärten Licht ihrer Werke entrückt sind.
„Ich bin die kleine Blitzwerferin. Die Leute kennen meinen Namen, mein Gesicht und sie wissen, wozu ich im Stande bin. Ich bin wertvoll, ich bin stark, und Maven wird alles tun, um mich von einem Gegenschlag abzuhalten.“ (12)
Die höchste Kunst des Erzählens ist die Auflösung von Ort, Zeit und Handlung, sie führt vielleicht zu einem anderen Tod.
„Wer hat schon einmal etwas vom rosaroten Zebra, vom violetten Koalabär und vom Leopardenhasen gehört? Diese drei lebten auf einer abgelegenen Insel, die noch nie ein Mensch betreten hatte.“ (8)
In der Pionierphase des Poetry Slam waren die Auftritte der Künstler oft ein illuminierter Wutschrei, und die ersten Bücher darüber waren unlesbare Niederschriften leicht depressiver Monologisten. Mittlerweile ist Poetry Slam eine kontinental verbreitete literarische Giga-Form mit eigener Geschichte, mitreißenden Ritualen und ausgewiesenen Experten an Bord.
„Emma und Elias haben beim Spazieren ein altes Schloss entdeckt. Es scheint niemand zu Hause zu sein. Oder ist dort jemand hinter dem Gebüsch? Hereinspaziert!“ (S. 6)
Manche Berufsgruppen eignen sich aus politischen, religiösen oder patriotischen Gründen ganz besonders für die Hervorbringung von Helden. So hat der Arbeiter so lange den Helden gemimt, bis es keine Arbeit mehr gegeben hat, und der Bauer, gefeiertes Liebkind aus dem Ständestaat, ringt schon seit Jahrzehnten mit dem heldischen Abgang vom Hof.