Aktuelle Buchtipps

 

Erika Kronabitter, Decodierung der Dekaden

h.schoenauer - 13.10.2013

Lyrik hat immer mit Rätseln, Fragestellungen und Geheimsprachen zu tun, die Decodierung einer gestellten Aufgabe ist somit oft ein poetischer Vorgang.

Erika Kronabitter spielt mit ihrem Gedichtband „Decodierung der Dekaden“ auf diese rätselhafte Verschleierung der Welt an, die wir täglich entziffern müssen, um uns in einer vagen Zeiteinheit halbwegs zu erkennen. Dabei sind die Dekaden nicht nur Zählstationen unserer Biographie, große Dekaden werden oft von politischen Unternehmungen oder Kirchen ausgerufen, um quasi aus dem Stand eine Epoche zu zünden.

Barry Lewis, u.a., Mathe für Eltern

andreas.markt-huter - 11.10.2013

„Dieses Buch soll Eltern ohne jeden theoretischen Ballast und ganz pragmatisch durch mathematische Grundlagen führen und vermittelt ein breites Wissen. Lösungswege werden einfach und direkt vorgestellt.“ (10)

All jene, die sich nach dem Ende ihrer Schulzeit darauf gefreut haben, nie wieder mit Wahrscheinlichkeitsrechnung, Trigonometrie, Geometrie oder Algebra geplagt zu werden, erleben manchmal ein böses Erwachen, wenn ihre Kinder in die Schule kommen und sich von ihren Eltern Hilfe in eben genau diesen Bereichen erhoffen.

Christoph W. Bauer, Die zweite Fremde

h.schoenauer - 10.10.2013

Wer die Heimat verliert, tauscht dafür zwei Fremden ein. - Nicht nur das neue Leben wird fremd, auch das bisherige verabschiedet sich von einem.

Christoph W. Bauer stellt in seinem Erinnerungsbuch aus der Gegenwart zehn jüdische Innsbruckerinnen und Innsbrucker vor, die alle nach dem Anschluss mehr oder weniger gerade noch ins Ausland fliehen konnten. Oft sind alle Spuren ausgelöscht, die Wohnungen okkupiert und nie mehr zurückgegeben worden.

Anja Fröhlich, Julian fliegt ins Weltall

andreas.markt-huter - 09.10.2013

„Ich brauche mehr Platz“, sagt Julian. Am liebsten wäre er wirklich im Weltraum. Da hätte er Platz ohne Ende! Er könnte von oben runterschauen, und unten drängeln sich die Leute wie in einem Ameisenhaufen. „Wenn ich groß bin, werde ich Astronaut!“, sagt Julian.

Julian ist sieben Jahre alt und träumt davon Astronaut zu sein. Wie gut, dass seine Tante Karla in Julians Stadt eine Astronautenschule besucht.

Hartmut Lange, Das Haus in der Dorotheengasse

h.schoenauer - 08.10.2013

Die Novelle ist eine Kunstform, die in einem unaufgeregten Ambiente oft kurzfristig für Aufregung sorgen kann.

Hartmut Lange verfasst immer wieder Novellen, die man als Leser zuerst mehrmals schrubben muss, bis man zu ihrer spannungsgeladenen Oberfläche vordringen kann. Seine fünf aktuellen Novellen spielen am sogenannten Teltowkanal im Süden von Berlin. Dieser ist außergewöhnlich ruhig und entlegen und magische 38,39 km lang, er ist also für sich gesehen schon eine Novelle.

Saskia Hula, Kaninchentage

andreas.markt-huter - 07.10.2013

„Wenn dreizehn Mädchen zu zweit zusammen gehen, bleibt eines übrig. Wenn dreizehn Mädchen zu dritt zusammen gehen, bleibt eines übrig. Wenn dreizehn Mädchen zu viert zusammen gehen, bleibt eines übrig. Ich ahnte bereits, wer übrig bleiben würde – ganz egal wie wir zusammen gehen sollten: Ich natürlich.“ (20f)

Die Ferien sind vorbei und Amanda wechselt von der Volksschule ins Gymnasium. Das alles wäre nicht so schlimm, wenn nicht ihre Freundin Mo eine Spezialklasse mit Schwerpunkt Tanz an einer anderen Schule besuchen würde. Und anstatt an ihrem ersten Schultag von ihrer Mutter in die neue Schule begleitet zu werden, muss sie sich alleine auf den Weg machen. Mama muss nämlich Amandas beide kleinen Schwestern Annafrid und Agneta in den Kindergarten bringen. Nur Tante Linda denkt an diesem Morgen an Amanda und schickt ihre eine aufmunternde SMS.

Wilhelm Genazino, Tarzan am Main

h.schoenauer - 06.10.2013

Während Tarzan wie selbstverständlich zur Liane greift, um von einem Hot-Spot des Dschungels zum nächsten zu schwingen, greift ein Autor zum essayistischen Erlebnisbericht, wenn er sich durch den Dschungel einer Stadt zu schwingen hat.

Wilhelm Genazino schwingt sich in seinem Beobachtungsessay durch alle Stadtteile Frankfurts, dabei beschreibt er triviale Sehenswürdigkeiten und Alltagspersönlichkeiten genauso wie seinen literarischen Weg durch die Stadt und das eigene Schreiben.

Christian Futscher, Marzipan aus Marseille

h.schoenauer - 03.10.2013

Kluge Poesie ist alltagstauglich und grenzenlos, man weiß bei ihr nie, wo sie beginnt und wo sie aufhört.

Christian Futschers Gedichte „spielen“ in diesem Raum zwischen Poesie und Gebrauchsanweisung des Alltags, dabei kann quasi zu jeder Tageszeit an jedem Ort das lyrische Ich auftreten und seine Sprache zu einem etwas anderen Zustand verdichten.

Paul Dowswell, Ausländer

andreas.markt-huter - 03.10.2013

„Anna erzählte, sie habe gehört, dass in München Tausende von Anti-Nazi-Flugblättern verteilt worden seien. Auf einmal war Peter ganz aufgeregt. „Wäre es nicht toll, aus so was zu machen“? Die halbe Nacht machte er sich darüber Gedanken. So oft hatte er seine Meinung sagen wollen und doch den Mund gehalten.“ (201)

Piotr Bruck ist knapp vierzehn Jahre alt und hat seine beiden Eltern zu Beginn der Russlandoffensive der Deutschen Wehrmacht bei einem Autounfall verloren. Er muss den Bauernhof seiner Eltern nahe der heutigen Ostgrenze Polens verlassen und kommt in ein Waisenhaus im besetzten Warschau, wo er als Kind eines deutschen Vaters von seinen Mitbewohnern nicht gerade mit Wohlwollen behandelt wird.

Adam Johnson: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

h.schoenauer - 01.10.2013

Wenn die allgemeine Literatur schon Maßstäbe für etwas Groteskes, Verrücktes und Schizophrenes zu setzen imstande ist, so lautet die Steigerung all dessen wahrscheinlich nordkoreanische Literatur.

Adam Johnson hat für Recherchen zu seinem dystopischen Mega-Roman „Das geraubte Leben des Waisen Jun Do“ einige Zeit in Nordkorea zugebracht, weshalb für uns Leser jeder Satz, so verrückt er auch klingen mag, authentisch wirkt.