Aktuelle Buchtipps

 

Gerda Anger-Schmidt, Wohin mit Puma?

andreas.markt-huter - 29.07.2013

„Ich höre die Großmama sagen: ‚Die Frage ist: Wohin mit Puma? Ihr müsst euch langsam entscheiden, Ellen! So kann es doch nicht weitergehen! Das Kind tut doch, was es will.“ Sie seufzt. ‚Es hat so gar nichts von dir. Auch nicht von Matthis. Manchmal kommt es mir vor, wie … wie ein Kuckucksei.‘ Ein Kuckucksei? Mir gibt es einen Stich. Warum sagt sie so etwas?“ (55f)

Puma ist neun Jahre alt und heißt eigentlich Petra Ursula Marie Alberti. Ihr Vater Matthis Alberti ist ein vielbeschäftigter Tierarzt und ihre Mutter Ellen Sandor eine bekannte Theater- und Filmschauspielerin. In der Ehe ihrer Eltern kriselt es schon seit längerer Zeit und Puma leidet unter den ständigen Auseinandersetzungen, Streitereien und anschließenden Wiederversöhnungen.

Josef Kleindienst, Freifahrt

h.schoenauer - 26.07.2013

Nichts macht Helden so kaputt wie der Umgang mit sich selbst in einer freien Fläche ohne Zeiteingrenzung.

Josef Kleindienst stellt in seiner Erzählung Freifahrt den arbeitslosen Erwin vor, der gerade vom Dorf in die Stadt gezogen ist, weil er dort dem Arbeitsamt näher ist.

Irgendwie ist er zwar volljährig aber noch nicht selbständig geworden, weshalb ihm der Schwager bei jeder Gelegenheit mit Brachial-Ratschlägen auflauert, die Schwester manchmal für ihn kocht und der Vater ihm eine Netzkarte der ÖBB schenkt, damit er sich in anderen Städten um Arbeit umsehen kann.

Maud Mangold, Die Karamell-Verschwörung

andreas.markt-huter - 23.07.2013

„Ein Teil des Geheimnisses meiner Bonbons ist … wie soll ich es erklären … dass sie die Gedanken der Leute verändern können. Hin und wieder. Wenn es notwendig ist.“ (64)

Fabian ist zwar schon vor einem halben Jahr mit seiner Familie in die neue Stadt übersiedelt, dennoch ist es ihm nicht wirklich gelungen in der Schule neue Freundschaften zu schließen.

Elmore Leonard, Raylan

h.schoenauer - 20.07.2013

Am Rande einer Gesellschaft gibt es oft nur noch schwarz und weiß, so dass man sich in der literarischen Darstellung am besten mit klaren Formen wie dem Western oder dem Marshal-Krimi helfen kann.

Elmore Leonard ist berüchtigt für seine klare Figuren-Sprache, einen Plot von der Schärfe eines Scherenschnittes und einem tödlichen Witz. Wie schlagen sich deine Verwandten dort, wird jemand gefragt, sie sitzen oder sind tot, lautet die lapidare Antwort. (19)

Linzi Glass, Die Farben der Freundschaft

andreas.markt-huter - 17.07.2013

„Die einen achtet man, die anderen aber nicht? Was ist mit eurer Maxime, alle Menschen sind gleich´?“ Ich fuchtelte mit den Armen vor ihnen. „Oder gilt das nur wahlweise? Schwarz und Weiß ja, Englischsprachige und Afrikaanssprachige nein.“ (71)

„Die Farben der Freundschaft“ führt die Leserinnen und Leser mitten hinein in das Jahr 1976, als die Apartheitspolitik in Südafrika mit dem Unterrichtsboykott der Schüler in Soweto und der Niederschlagung ihrer Demonstration einen blutigen Höhepunkt erreichte.

Manfred Mixner, Verstrickt in Geschichten

h.schoenauer - 14.07.2013

Im Hotel Ibis Mariahilf in Wien schaute ich vom zwölften Stock aus dem Vorrücken des Tageslichts um Lichtmess zu, während ich mich als Rezensent in Manfred Mixners Geschichten verstricken ließ.

Ungefähr in diesem Stil erzählt Manfred Mixner von den Stricken des Literaturbetriebs, in die er mehr oder weniger freiwillig geraten ist. Der literarische Ort macht die Literatur, heißt seine These, und sowohl für Leser als auch für Autoren ist es entscheidend, wo sie gerade ihrer Tätigkeit nachgehen. Aus diesem Grund betont Mixner auch mehrmals, dass er in einem Blockhaus lebt, was offensichtlich seinen Zugang zur Literatur maßgeblich beeinflusst.

Michael Dahl / Bob Kane, Batman - Fünf Rätsel für Robin

andreas.markt-huter - 12.07.2013

„Du bist das perfekte Signal, Batman“, flüsterte der Riddler. „Aber niemand würde vermuten, dass es diesmal du selbst bist, der in Schwierigkeiten steckt. Ich bin wirklich erstaunt, dass du der Hitze so lange standhalten konntest.“ (42)

Über SMS erhält Robin die Nachricht, dass sein Freund und Mentor Batman entführt worden sei. Die Spur des Verbrechens führt Robin zu einem Juwelierladen, wo Batman einen Überfall verhindert hat.

Phyllis Kiehl, Fettberg

h.schoenauer - 11.07.2013

Unter dem Kosmos des Zauberbergs von Thomas Mann stellt man sich oft eine morbide Gesellschaft vor, die jenseits finanzieller Sorgen in einem Sanatorium samt der Epoche zu Ende siecht.

Phyllis Kiehl greift diese seltsame Lebensweise eines Lebenssanatoriums auf und macht ganz auf Zeitgeist, indem sie das Problem des Körpergewichtskultes in ein erlesenes Sanatorium „Fettberg“ verlegt.

Carolin Philipps, Weine nicht, Prinzessin!

andreas.markt-huter - 10.07.2013

„Natürlich liebe ich dich, aber …“ „Ich liebe dich mit einem ‚aber‘ gibt es nicht. Entweder ganz oder gar nicht. Was hast du denn auf einmal? Es ist doch normal, mit den Freunden ins Bett zu gehen. Und was ist dabei, Männern ein wenig Spaß zu verschaffen, wenn es gut bezahlt wird?“ (86)

Die 13-jährige Lara muss den schmerzlichen Tod ihrer Großmutter Martha verkraften, die als Harfenspielerin Karriere gemacht hat und von der sie die Leidenschaft für das Harfenspiel geerbt hat. Die Eltern übernehmen das Pfannkuchenhaus der Großmutter und sind mit diesem Vorhaben zeitlich sehr eingespannt. Während Laras Schulfreundinnen in den Urlaub fahren, hilft sie im Pfannkuchenhaus beim Servieren aus, wo plötzlich ein junger, gutaussehender Mann auftaucht, in den sie sich auf der Stelle verliebt.

Thomas Jonigk, Melodram

h.schoenauer - 09.07.2013

Das ist ja wie im Film, sagt man oft, wenn etwas melodramatisch dicht ist, ohne dabei daran zu denken, dass ja auch den Film einst jemand hat gestalten müssen und dazu ein Drehbuch geschrieben hat.

In Thomas Jonigks Roman „Melodram“ geht es um einen Film, der sich quasi verselbständigt und für die beteiligten Personen zu einem Stück echten Lebens wird. Dabei ist der Einsatz der Handlung vorerst nur dramatisch, eine etwas abgetakelte Schauspielerin Karin Hoffmann erlebt so etwas wie Brief-Stalking, ein Unbekannter schickt ihr jeweils Protokolle zu, indem ihre Aktivitäten und Kontakte in Detektivmanier aufgeschlüsselt sind.