Michaela Holzinger, Laurenz und der Stein der Wahrheit
„Aber die Elfe blinkerte bloß mit den Augen. ‚Sag mal, weißt du denn gar nichts?‘ rief sie, nun etwas wacher. ‚Du sollst das magische Tor zwischen der Alten und der Neuen Welt öffnen und die Alte Welt befreien – und natürlich vorher Mordag, das Schattenwesen erledigen!‘ Den letzten Satz fügte sei leise hinzu.“ (86)
Laurenz Moosbach muss in den Sommerferien zwei Monate bei seiner Großmutter in Gmunden verbringen, weil seine Eltern, beide Rechtsanwälte, einen wichtigen Fall in Amerika übernommen hatten. Er ist verärgert, weil er viel lieber mit nach Amerika gekommen wäre, anstatt den Sommer bei einer Großmutter zu sein, die er vorher noch nie zu Gesicht bekommen hatte.
Wenn jemand etwas genau auf den Punkt getroffen hat, fährt oft ein bestätigender Seufzer durch die Luft: So ist das.
„Präsident Snow hat mir einmal gestanden, das Kapitol sei wacklig. Damals wusste ich nicht, was er damit meinte. Ich konnte nicht klar denken, weil ich solche Angst hatte. Jetzt habe ich keine Angst mehr. Das Kapitol ist wacklig, weil es in jeder Hinsicht von den Distrikten abhängig ist.“ (190)
„Wir wollen wissen, was Touristen von heute an der Schlacht von Verdun interessiert. Wir wollen wissen, wie Geschichte entsteht.“ (15)
„Hedvig wohnt nicht einmal am Ende der Welt. Sie wohnt dahinter.“ (7)
Haben schon ganze Sprichwörter einen unheimlichen Lebenssinn, so kippen Halbsprichwörter den Sinn oft in den Wahnsinn.
„Hach, ist das aufregend! Gleich singen sie das Geburtstagslied: Hoch soll er leben! Aber draußen war nichts zu hören. Nur das Gezwitscher der Vögel. Und das Rauschen des Windes in der hohen Tanne, die ihre Äste über Lattes Behausung ausbreitete.“
Geheimcodes haben den Nachteil, dass sie Allgemeingut werden, sobald sie einen allgemein zugängigen Namen haben.
„Die Musik begann und wie durch ein Wunder verankerte sich mein Ohr im Klang. Ich hatte die Angst und all ihre Glätte gegen Wut eingetauscht. Mir würde keine einzige Note davonkommen. Ich schaffte meinen Einsatz punktgenau. Die Saiten fühlten sich rasiermesserscharf unter meinen Fingern an, aber der Schmerz hatte etwas Beruhigendes und spornte mich sogar noch an.“ (117)
Manchmal ist Literatur einfach ein Spiel, das nach vorgegebenen Regeln ausgeführt wird.