Buch-CoverHinter den Prospekten vom schönen Dorf gibt es jene sozialen Everglades, in denen einsame Jäger ihre Dosenbiere trinken und den Alligatoren beim Dösen zusehen.

In Elias Schneitters skurrilem Roman sitzen ein paar Figuren am Rande des Dorfes und zerkugeln sich vor Lachen. Nicht umsonst heißt ihr Headquarter für geistige Getränke "Kugellagerbar", eine Bar, von der die kreisförmigsten Gedanken ausgehen. Heißt sie jetzt so, weil einmal ein Mechaniker mit Kugellagern darin gearbeitet hat, oder weil sich alles wie geschmiert im Kreis dreht, oder weil man sich wirklich zerkugelt?

Buch-CoverMein Vater war ein Nazi! - So beginnen mittlerweile tausende Aufarbeitungsromane und dieser Satz ist längst zum schönsten in der deutschen Gegenwartsliteratur gekrönt worden. Aber Jochen Jung gehört dieses mal nicht zu den üblichen Autoren, die sich die Vergangenheit vom Leib schreiben, er nimmt diese literarischen Aufarbeitungsmythen selbst zum Thema für eine Groteske.

Im kleinen Venezuela-Roman wird das Groteske doppelt behandelt, einmal als Thema und dann in der Vorführweise. Die Geschichte wird nämlich nicht erzählt sondern am Nasenring vorgeführt.

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Das wichtigste Buch, das bei der Tiroler Landesausstellung 2005 über die Zukunft von Tirolern, Hotels und die Natur überhaupt Auskunft gibt, stammt sinnigerweise von einem Kabarettisten. Die Speibbanane hat Dirk Stermann seiner Tochter Hannah gewidmet und ist ein imposantes Vergnügen für Kinder ab drei Jahren und qualifizierte Vorleser.

Eine Banane wird eines Tages von der Staude geholt und auf Reise geschickt. (Heraus aus den Stauden, würde an dieser Stelle ein Tiroler Politkomiker sagen.) Im rumpelnden Container reist es sich nicht besonders gut auf LKW und Schiff, so dass der Banane schlecht wird. Ihr ist zum Speiben, und sie sagt das auch bei jeder Gelegenheit.

Buch-CoverDer Überkrimi schert sich nicht um Plot oder Leichen, sondern saugt wie ein überdimensioniertes Argusauge die Stimmung aus den letzten Winkeln einer Gegend. Der Kommissar oder Privatdetektiv dient in solchen Romanen als Ansaugdüse, um Dreck, schlechte Stimmung und Ödnis aufzustöbern.

Marek Miert lebt in der Tristesse Ostösterreichs, sein Empfindungszustand lässt sich am besten mit seinen eigenen Worten beschreiben: "Ich hatte prähistorische, holländische Glashaus-Oliven gefrühstückt, einen Rest bulgarischen Knäckebrotes aus dem Sonderangebot und schlechte Laune, denn ich hatte während der angeblich wichtigsten Mahlzeit des Tages meine Kontoauszüge studiert." (6)

vyoral_wildnis.jpgIn Hannes Vyorals Gedichtband kommt die Wildnis von zwei Seiten, einmal vom Waldviertel und ein weiteres Mal von der Winterpuszta des Burgenlandes. Beide Gegenden gelten als die Wildnis Österreichs und sind irgendwie ideale Schauplätze für Lyrik der Reduktion und des konzentrierten Lebens. Tatsächlich geht es oft um Sonnenstände, Witterungen, Windlagen, die rund um das zurückgefahrene Leben kreisen, oft ist eine leichte Drehung des Tages im Kalender die einzige Veränderung.

Aber wenn einmal das Holz bereitet ist, der Kienspan flackert und die klamme Feuchtigkeit sich immer weiter zurückzieht, ist Platz für wunderbare Augenblicke der Liebe. Die Herzen, plötzlich befreit vom Schnickschnack der üblichen Welt, beginnen klar zu schlagen, zielgenau und ausdauernd.

Buch-CoverWas ist das eigentlich, das Glücksgefühl? Kann man es künstlich erzeugen? Hilft klonen, um es ständig parat zu haben? Braucht es vielleicht einen besonderen Dress, um in dieses Glück zu schlüpfen?

Anna arbeitet in einer Eventagentur und soll Erlebnisse und gute Stimmung für andere planen. Dabei ist sie selbst nicht erlebnisfrei und wird immer wieder in den Strudel jener Gefühle hineingezogen, die eigentlich anderen offeriert werden sollten.

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Sagen sind wie Gebirge, sie verändern sich zwar im Tageslicht, bleiben aber sonst über Generationen ziemlich fix bestehen. Was gibt es also Schöneres, wenn anlässlich eines felsenfesten Jubiläums einer Hauptschule die Kids aus dem Schulsprengel Sagen aus der näheren Umgebung zusammentragen, diese illustrieren und dann in einem schmucken Erinnerungsband zusammenfügen.

In Axams und Umgebung wimmelt es bald einmal von Höll-Zwergerln, Kasermandln, Tuifeln und Böcken, die wahnwitzig durch die Ortschaft traben. Der Ton der Sagen ist stets staatstragend, damit sich die Glaubwürdigkeit der aufgesagten Parolen nicht schon vorzeitig in moralisierende Heißluft auflöst. Aber gegen Ende hin kommt dann doch jeweils der Schalk durch, mag sein, dass es stimmt, kann aber auch geflunkert sein.

Buch-CoverManchmal wird ein Kommissar dadurch ungewöhnlich, dass er einen Blick auf die Realität wirft. Walter Steinlechner ist ein so genannter aktiver Kommissar, ihm wird das Verbrechen nicht süffisant zugetragen, sondern er muss diesem von sich aus nachspüren. Noch dazu ist er in Wien Beamter zur internationalen Bekämpfung organisierten Verbrechens. Da heißt es, den Beamtenarsch täglich zweimal in die Höhe zu lüpfen, einmal international und einmal national.

Am Grenzfluss March finden zwei wie üblich verstörte Präsenzdiener des Bundesheers statt der Schlepper ertrunkene Flüchtlinge. Bald rennt die österreichische Aufklärungsmaschinerie auf vollen Touren, dabei fällt auf, dass ein Flüchtling auf völlig ungewöhnliche Weise umgekommen ist.

platzgumer_expedition.jpgMit den Namen hat es überhaupt so manche Bewandtnis. In der Musikszene wird oft nicht die Musik verändert sondern der Namen der Künstler. So erlebt das Publikum altbewährte Musik unter stets neuen Namen.

Hans Erich Platzgumer wird zu HP Zinker (wegen der langen Nasen, dem Zinken mitten im Gesicht), nennt sich und seine Mitmusiker Shinto, Queen of Japan oder einfach E:GUM. Im Anhang des Romans gibt es eine ganze Seite voll Pseudonyme, die Diskographie füllt gar sieben Seiten und bietet so einen recht handfesten Ausstieg aus dem Roman.

Buch-CoverJede Tour ist so gut wie ihre Vorbereitung. Neben technischen Handgriffen am Gerät, Essen und Trinken des Körpers und der obligaten Grundkondition des Bikers stellt sich immer die recht triviale Frage: - wohin?

Im Mountainbike-Führer Innsbruck und Umgebung gibt es auf dieses Wohin immerhin 110 Antworten. Angenommen, jemand tritt jeden dritten Tag in die Pedale, so kommt er mit diesem Buch schon einmal ein Jahr lang über die Runden und entdeckt dabei sagenhafte Kleinodien alphabetisch zwischen Absam und Wolfendorn.