Phyllis Kiehl, Fettberg
Unter dem Kosmos des Zauberbergs von Thomas Mann stellt man sich oft eine morbide Gesellschaft vor, die jenseits finanzieller Sorgen in einem Sanatorium samt der Epoche zu Ende siecht.
Phyllis Kiehl greift diese seltsame Lebensweise eines Lebenssanatoriums auf und macht ganz auf Zeitgeist, indem sie das Problem des Körpergewichtskultes in ein erlesenes Sanatorium „Fettberg“ verlegt.
„Natürlich liebe ich dich, aber …“ „Ich liebe dich mit einem ‚aber‘ gibt es nicht. Entweder ganz oder gar nicht. Was hast du denn auf einmal? Es ist doch normal, mit den Freunden ins Bett zu gehen. Und was ist dabei, Männern ein wenig Spaß zu verschaffen, wenn es gut bezahlt wird?“ (86)
Das ist ja wie im Film, sagt man oft, wenn etwas melodramatisch dicht ist, ohne dabei daran zu denken, dass ja auch den Film einst jemand hat gestalten müssen und dazu ein Drehbuch geschrieben hat.
„Aber die Elfe blinkerte bloß mit den Augen. ‚Sag mal, weißt du denn gar nichts?‘ rief sie, nun etwas wacher. ‚Du sollst das magische Tor zwischen der Alten und der Neuen Welt öffnen und die Alte Welt befreien – und natürlich vorher Mordag, das Schattenwesen erledigen!‘ Den letzten Satz fügte sei leise hinzu.“ (86)
Wenn jemand etwas genau auf den Punkt getroffen hat, fährt oft ein bestätigender Seufzer durch die Luft: So ist das.
„Präsident Snow hat mir einmal gestanden, das Kapitol sei wacklig. Damals wusste ich nicht, was er damit meinte. Ich konnte nicht klar denken, weil ich solche Angst hatte. Jetzt habe ich keine Angst mehr. Das Kapitol ist wacklig, weil es in jeder Hinsicht von den Distrikten abhängig ist.“ (190)
„Wir wollen wissen, was Touristen von heute an der Schlacht von Verdun interessiert. Wir wollen wissen, wie Geschichte entsteht.“ (15)
„Hedvig wohnt nicht einmal am Ende der Welt. Sie wohnt dahinter.“ (7)
Haben schon ganze Sprichwörter einen unheimlichen Lebenssinn, so kippen Halbsprichwörter den Sinn oft in den Wahnsinn.
„Hach, ist das aufregend! Gleich singen sie das Geburtstagslied: Hoch soll er leben! Aber draußen war nichts zu hören. Nur das Gezwitscher der Vögel. Und das Rauschen des Windes in der hohen Tanne, die ihre Äste über Lattes Behausung ausbreitete.“