Boika Asiowa, Die unfruchtbare Witwe
Damit eine Gesellschaft funktioniert, muss jeder und jede seine und ihre Rolle perfekt spielen. Multikulturelle Gesellschaften überleben überhaupt nur wegen dieser Verlässlichkeit.
In Boika Asiowas Roman „Die unfruchtbare Witwe“ taucht gleich zu Beginn eine Zeremonien-Meisterin als sogenanntes Kirchenweib auf. Diese Frau wacht einerseits darüber, dass die diversen Rituale in der bulgarischen Kleinstadt eingehalten werden, andererseits streut sie Gerüchte und liefert den Nullparameter für Nachrichten.
„Anita rast per Anhalte zu Alis achtem Geburtstag nach Paris, (wartet aber mit ihrer Attacke auf Apfelsinenkuchen und Ananasbowle nicht ab, bis die anderen antanzen).“
Oft ist die Situation, in der man eine Todesnachricht erhält, beeindruckender, als die Todesnachricht selbst, vor allem, wenn man den Verstorbenen erst in der eigenen Biographie aufstöbern muss.
„Wir Feuerdrachen sind viel zu schlau, um uns auffressen zu lassen! Und weißt du auch, warum wir so schlau sind? Weil wir nämlich in die Schulen gehen. Ich gehe auch zur Schule, und zwar ab heute!“
Der Koch-Philosoph Peter Kubelka hat einmal in unvergesslicher Form behauptet, man merkt es einer Speise an, mit welcher liebevollen Energie sie kreiert worden ist. Ein Knödel lebt nach dieser Theorie von jeder einzelnen Umdrehung jener Hände, in welchen er gerollt worden ist.
„Bestenfalls handelt es sich bloß um kriminelle und politische Flüchtlinge, die verhaftet und für ihre Verbrechen verurteilt werden müssen. Schlimmstenfalls ist da jedoch eine große Verschwörung im Gange. Eine Verschwörung, die im Keim erstickt werden muss, damit sich die labile Lage in Amerika nicht weiter verschlimmert.“ (167)
„Der Österreicher wartet darauf, vom Denken befreit und erlöst zu werden, die Arbeit tut er gerne und gewissenhaft, aber denken will er nicht.“ (182)
„In Europa haben sich viele faszinierende und herrliche Landschaften ausgebildet, von fast wüstenartigen Gebieten im südöstlichen Spanien bis hin zu den kargen Weiten der arktischen Tundra. Sie sind die Lebensräume zahlloser Tiere und Pflanzen.“ (7)
„Die Welt steckt voller Wunder. Wunder der Natur, aber auch Meisterwerke, die im Laufe der Jahrhunderte von Menschen hervorgebracht wurden. Dieses Buch stellt über 80 dieser Kulturschätze aus aller Welt vor.“ (Vorwort)
Manchmal kann das Infrage-Stellen eines einzigen Satzes ein ganzes Weltbild zum Kippen bringen. Die Behauptung „Kein Schluss geht nicht“, geht auf eine Katzengeschichte Margret Rettichs zurück und bringt damit quasi die gängige Erzähl-Theorie auf den Punkt.