Aktuelle Buchtipps

 

Orhan Pamuk, Schnee

h.schoenauer - 11.01.2012

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Jedes Land hat vermutlich einen sogenannten National-Roman, der in Gestalt einer einleuchtenden Story Auskunft gibt über Probleme und Bemühungen einer aktuellen Gesellschaft.

Im Falle der Türkei erfüllt sicher Orhan Pamuk, der Nobelpreisträger von 2006, mit seinem Roman ?Schnee diese Aufgaben. Noch zehn Jahre nach seiner Erstauflage dient "Schnee" im Inland als Kodex politischer Auseinandersetzung und im Ausland als Foyer, die reichhaltigen Mythen und den alltäglichen Kampf um ein politisch erträgliches System in Augenschein zu nehmen.

Heinz Janisch, Warum der Schnee weiß ist

andreas.markt-huter - 09.01.2012

Buch-CoverSchon im Altertum hat man versucht Erscheinungen der Natur mithilfe von Geschichten zu erklären. Berühmt sind z.B. die Metamorphosen des römischen Dichters Ovid.

Heinz Janisch baut das Märchen aus der Oberpfalz Warum der Schnee weiß ist in eine besinnliche Rahmengeschichte ein und schafft damit geschickt eine angenehme Atmosphäre zum Vorlesen der Geschichte.

Paolo Friz, ICH knack die Nuss

andreas.markt-huter - 09.01.2012

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Vom berühmte antiken Rhetoriker Bias von Priene, einem der Sieben Weisen Griechenlands, ist der Ausspruch überliefert: "Hast du ein Unternehmen vor, so gehe mit Bedacht ans Werk; was du aber erwählt hast, dabei bleibe auch fest bestehen."

Auch Paolo Friz zeigt in seiner Geschichte "ICH knack die Nuss", wie Ausdauer Beharrlichkeit ans Ziel führen kann und was alles möglich ist zu erreichen, auch ohne Hilfe von Eltern oder Erwachsenen.

Elmore Leonard, Dschibuti

h.schoenauer - 09.01.2012

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Nichts ist so schwer zu erzählen wie Anarchie und Auflösung der Ordnung, denn jede Erzählung schafft ja Ordnung und zerstört dadurch die Anarchie.

Elmore Leonhard, bekannt für speedige Romane weit jenseits der Rechtsordnung, greift mit dem Roman Dschibuti in die Seeräuberei vor Somalia ein. Der Blickwinkel wechselt dabei von Seite zu Seite oder von Einstellung zu Einstellung. Dschibuti nämlich ist vorerst nämlich ein Haufen digitales Rohmaterial, aus dem die Regisseurin Dara Barr vielleicht einen Dokumentarfilm, vielleicht aber gar einen Spielfilm machen will. Der Titel jedenfalls ist klar: "Dschibuti", knapp wie der Film-Mythos "Casablanca".

Andrzej Stasiuk, Das Flugzeug aus Karton

h.schoenauer - 09.01.2012

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Wer einmal die Kraft der Kindheit verspürt hat, weiß, dass man nur mit einem Flugzeug aus Karton in die Luft gehen kann.

Andrzej Stasiuk geht in seinen Essays und Skizzen diesen Augenblicken nach, wo die Schwerkraft aufgehoben und durch Poesie ersetzt wird.

Timothée de Fombelle, Vango Zwischen Himmel und Erde

andreas.markt-huter - 05.01.2012

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Die Ära der Zwischenkriegszeit und des Aufstiegs der totalitären Regime in Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert bildet den Hintergrund einer spannenden Verfolgungsjagd durch Europa.

Über Vango Romano liegt der undurchsichtige Schleier der Vergangenheit. Als kleines Kind wird er im Jahr 1918 mit seiner Amme, die von allen nur Mademoiselle genannt wird, an den Strand von Salina, eine der Äolischen Inseln bei Sizilien, gespült und vom Bauern Pippo Troisi gerettet. Der finstere und mysteriöse Mazetta lässt Vango und seine Amme in seinem Haus leben, während er selbst seltsamerweise in die Behausung seines Esels zieht, mit dem er fortan - noch seltsamer - bis zu seinem Lebensende unter einem Dach leben wird.

Gerhard Jaschke, Abwesend anwesend - Anwesend abwesend

h.schoenauer - 04.01.2012

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So wie innen und außen relative Begriffe sind, ist auch nicht eindeutig, was abwesend anwesend und was anwesend abwesend ist.

Für Gerhard Jaschke ist dieses Zucken zwischen anwesend und abwesend die Grundlage für Literatur und folglich auch des Lebens. Denn seine Literatur hat immer mit der Formung und Formulierung der Welt zu tun, weshalb die Bezeichnung Weltbude eine ziemlich gute Umschreibung für seine Bühne ist. Einerseits kleinkariert wie eine Kirchtagsbude, andererseits universell wie das Weltall selbst.

Beppo Beyerl, Die alten Leiden der Frau Hermi

h.schoenauer - 03.01.2012

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Wenn man die wahre Kultur einer Gesellschaft entdecken will, muss man zu ihren Bewohnern hautnah in die Wohnung kriechen.

Beppo Beyerl fühlt in seiner Erzählung ?Die alten Leiden der Frau Hermi einer gewissen österreichischen Durchschnittsstimmung auf den Zahn. Die Frau Hermi im Wiener Gemeindebau ist vollgestopft mit Vorurteilen, die sie offensichtlich regelmäßig aus der Krone nachschürt. Da ihr Leben aus Leiden besteht, ist sie auf die Mithilfe anderer Menschen angewiesen. Sinnigerweise kommen diese Helferinnen und Helfer meist aus einer anderen Kultur, so dass Hermi quasi täglich eine Ausnahme von ihren Vorurteilen machen muss, um diese fremde Hilfe zu ertragen.

William Trevor, Mogeln beim Canasta

h.schoenauer - 02.01.2012

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So wie es in der Literatur eine Liste mit den größten Plots gibt, gibt es auch ein Ranking der unauffälligsten Begebenheiten im Aktionismus von Helden.

William Trevor gilt als der Meister der stillen Verfestigung von Erzähllava. ?Mogeln beim Canasta ist wahrscheinlich etwas vom Unaufgeregtesten, was man sich bei vollem Bewusstsein ausdenken kann. Nicht nur dass das Kartenspiel in sich schon die komplette Unruhe in ein beschauliches Leben bringt, dabei noch zu mogeln ist tatsächlich Kreislauf schädigend.

Christine Nöstlinger, Der ganze Franz

andreas.markt-huter - 22.12.2011

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Mittlerweile können Christine Nöstlingers Geschichten vom Franz - ohne zu übertreiben - als legendär bezeichnet werden. Wer lässt schon seine Hose runter, um zu beweisen, dass er kein Mädchen ist.

"Der ganze Franz" versammelt sämtliche zwischen 1984 - 2011 erschienene Franz-Geschichten der bekannten Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger, von denen auch die älteren Geschichten nichts an ihrem Charme und Witz verloren haben.