Aktuelle Buchtipps

 

Stephan Groetzner, Die Kuh in meinem Kopf

h.schoenauer - 09.08.2012

Wenn man als Leser literarisches Neuland betritt und die heroischen Zusammenhänge des Gelesenen nicht kennt, beginnt man oft ehrfurchtslos zu lachen.

Diesen natürlichen Reflex, Philosophie und Literatur ohne großen Gestus und Akademitis zu betrachten, nützt Stephan Groetzner für seine entlarvenden Miniaturen zur großen Welt der Universalgelehrsamkeit.

Aesop, Der Löwe und das Mäuschen

andreas.markt-huter - 08.08.2012

Aesop gilt in Europa als der Begründer der Fabeldichtung, einer Erzählart mit belehrender Absicht, in denen vor allem Tieren menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden.

„Der Löwe und das Mäuschen“, einer der bekanntesten Fabeln Aesops, wurde im Nord-Süd-Verlag kindergerecht aufbereitet und von Susanne Göhlich illustriert.

Lydia Davis, Das Ende der Geschichte

h.schoenauer - 07.08.2012

Die ideale Geschichte bringt sich während des Erzählens selbst zum Verschwinden.

Lydia Davis verwendet ihren Roman vom „Ende der Geschichte“ dazu, Konstellationen aufzuzeigen, Ereignisse beim Verblassen zu beobachten und eine Geschichte ohne Geschichte zu erzählen.

Clay Carmichael, Zoë

andreas.markt-huter - 06.08.2012

„Egal wie krank Mama war oder mit was für einem zwielichtigen Kerl sie sich wieder eingelassen hatte, egal was mir Sorgen machte – Bücher halfen mir immer, mich besser zu fühlen.“ (40)

Zoë Sophia Royster ist ein 11-jähriges Mädchen, das ihren Vater nie kennen gelernt hat und nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrem alleinlebenden Onkel Henry Royster auf das Anwesen der Familie in Sugar Hill zieht.

Gabriele Weingartner, Villa Klestiel

h.schoenauer - 05.08.2012

Ein Genre-Roman erzählt vor allem einmal sich selber, wie etwa die Fliesen ein Badezimmer erzählen. So ist im Prinzip jeder Hotel-Roman gleich gestaltet, obwohl jeder natürlich unverwechselbar originär sein mag. Und mit dem Villen-Roman verhält es sich ähnlich.

Gabriele Weingartners Roman Villa Klestiel ist auf den ersten Blick so etwas wie Vicky Baums „Menschen im Hotel“, nur dass sich die Begegnungen und Reibereien in einer Villa abspielen.

Felix Heidenreich, Theorien der Gerechtigkeit

andreas.markt-huter - 04.08.2012

„Der Begriff der Gerechtigkeit scheint durch den inflationären Gebrauch in der politischen Alltagsrhetorik derartig abgenutzt, dass er zum beliebigen Füllhorn für alle nur denkbaren Meinungen und Ansichten wird.“ (7)

Felix Heidenreich geht der gesellschaftlich spannenden Frage nach der „Gerechtigkeit“ nach und versucht anhand einer Theorie der Gerechtigkeit den ansonsten nur verschwommenen Begriff der Gerechtigkeit zu schärfen und aufzuzeigen woran sich ein Nachdenken über Gerechtigkeit orientieren kann.

Heinz Janisch, Herr Jaromir und die gestohlenen Juwelen

andreas.markt-huter - 04.08.2012

„Ein alter Detektiv im Ruhestand sucht einen treuen Begleiter“, hatten sie gesagt. „Man muss allerdings zu einem Vorsprechen in sein Haus.“ Jetzt war er dort gewesen. Als Nummer siebenunddreißig. Die Stelle war begehrt. (10)

Herr Jaromir gelingt es Lord Huber, einen alten Detektiv im Ruhestand bei einem Vorstellungsgespräch für sich zu überzeugen. Vor allem Herrn Jaromirs drei Bedingungen haben es Lord Huber angetan:

Mathias Klammer, Nicht hier, nicht jetzt

h.schoenauer - 02.08.2012

Wenn in konventionellen Situationen Geschichten auftauchen, die offensichtlich ungelegen kommen, dann werden sie meist mit den Befehlen verscheucht: „nicht hier“, „nicht jetzt!“

Mathias Klammer hat für seinen Erzählband elf Ereignisse zusammengetragen, die alle von diesem unpassenden Augenblick handeln, dass man gerade jetzt nicht damit zu tun haben will. Oft sind es Träume, die zur Unzeit kommen, manchmal schaut eine Depression ungefragt vorbei, aber auch die Liebe kommt überraschend aus der Hüfte heraus, sodass sich die Protagonisten in der ersten Reaktion zurufen: Nicht hier, nicht jetzt.

Cornelia Funke, Geisterritter

andreas.markt-huter - 01.08.2012

„Aber wie sollte ich ahnen, dass Heimweh und der Vollbart bald meine geringsten Sorgen sein würden? Ich habe ich seit damals oft gefragt, ob es so etwas wie Schicksal gibt, und wenn ja, ob man ihm aus dem Weg gehen kann.“ (18)

Der elfjährige Jon Whitcroft will sich nicht mit dem neuen Freund seiner Mutter, den er abschätzig nur Vollbart nennt, abfinden und versucht alles, um ihm das Leben möglichst schwer zu machen. Mit dem Ergebnis, dass seine Mutter ihn für das Internat in Salisbury anmeldet, das bereits sein verstorbener Vater besucht hatte.

Kurt Palm, Die Besucher

h.schoenauer - 31.07.2012

Besucher sind normalerweise anonyme, neutrale und friedliche Wesen, die auf der sprichwörtlichen Besuchergalerie Platz nehmen oder eine Statistik als gezählte Individuen auffetten.

In Kurt Palms Roman freilich treten Besucher höchst eigenwillig und alles andere als harmlos auf. Im Mittelpunkt einer Leidensgeschichte zwischen Selbstmitleid und Wahnsinn steht der Journalist Martin Koller, der mitten im Leben einen Hörsturz erleidet und in der Folge beinahe verreckt.